(Re-) Kapitulation | Wie Vereinbarkeit (nicht) klappt

Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich. Mehrfach stand alles auf dem Prüfstand, weil es nicht so weiter gehen kann, wie es momentan läuft.


Anstehende Veränderungen

Da sind vor allem die Einschulungen nächsten Sommer: Der Bub wird ein Grundschulkind, die Älteste wechselt auf die weiterführende Schule. Leider ist es bei beiden nicht so einfach mit der Auswahl, zu viele Möglichkeiten/ zu eingeschränkte Möglichkeiten. Und wie dann die Fahrtwege, Betreuungszeiten etc aussehen, wissen wir immer noch nicht.

Was aber klar ist: Im August wird es für mehrere Wochen (wahrscheinlich eher Monate) hier zuhause rund gehen. Gleich 2 Kinder werden mit komplett neuen Lebenssituationen konfrontiert, die sich organisatorisch auf unser ganzes Familienleben auswirken werden. Psychisch wird es auch eine ganze Zeit dauern, bis beide Kinder angekommen sind. Erste Gedanken an unbezahlten Urlaub bzw. Elternzeit* ploppten bei mir schon nach dem Sommer auf. Ich informierte mich ein bisschen, rechnete und zählte Monate. Parallel besuchen wir Elternabende und Tage der offenen Tür bei möglichen Schulen.

Jahresrückblick einmal anders

Dann gab es eine recht aktuelle Sache, die mich wirklich mitgenommen hat. Nachdem ich im Herbst 3 Wochen krank geschrieben war (immer wieder Woche auf Woche, weil aus der bakteriellen Halsentzündung eine virale wurde und dann von Reizhusten und Schnupfen abgelöst wurden – alle !!! anderen zuhause waren gesund geblieben), wurde ich am ersten Tag zurück im Büro zu einem Gespräch eingeladen.

Hier auf dem Blog hat man es weniger mitbekommen, aber auf Twitter schrieb ich öfter über meine innere Zerrissenheit, schon wieder im Büro zu fehlen. Ich selbst fühlte mich dabei sehr unwohl, denn ich gehe gern ins Büro, ich will meine Kollegen nicht hängen lassen und kann trotzdem nicht anders auf Viren und Co reagieren.

Kurz nach der Einladung zum Gespräch (über dessen Inhalt ich noch nichts wusste), dachte ich nach dem ersten Schreck: “Okay. Es wäre okay, wenn sie mich kündigen. Dann ist das jetzt so. Dann scheinen doch alle recht zu haben und Mütter von 4 Kindern sind einfach besser zuhause aufgehoben, weil 2 arbeitende Elternteile in dieser Konstellation einfach zu viel sind. War ja klar, dass ich das nicht durchhalte. Und wer würde mich woanders überhaupt noch einstellen?” Anfang des Jahres hätte ich mir solche Gedanken nicht vorstellen können…

Diese 40 Tage war ich 2018 auf jeden Fall gesund
Diese 40 Tage war ich 2018 auf jeden Fall gesund…

Ich lag richtig beim Grund für das Gespräch und bekam meine Ausfallzeiten schwarz auf weiss bzw. bunt im Diagramm vorgelegt. Bis auf Mai gab es im letzten Jahr keinen Monat ohne Krankenschein. Mehr als 30% war ich wegen eigener oder Kinderkrankheit abwesend gewesen. Das sei zuviel, auch wenn ich ansonsten wirklich tadellose Arbeit abliefern würde. Kündigen wolle man mir nicht, aber die Fakten seien nicht mehr zu ignorieren. Ganz ins Detail will ich jetzt nicht gehen, aber es war für mich ein einziger Tanz über rohe Eier. Dazu kamen die Elternabenden in den Schulen, Sankt Martin und ganz viel anderer unaufschieblicher Kram.

Unsere Lösung:

Nach mehreren Büroterminen und einigen Tagen mit blanken Nerven, vielen Gesprächen mit dem Mann und anderen Vertrauten steht nun fest: Ich werde in ein paar Wochen in Elternzeit gehen. Und zwar für weit über 1 Jahr und ganz auf eigenen Wunsch.

In dieser Zeit können die Kinder dann husten und ihr Nase hochziehen, ohne dass ich direkt das dicke P für Panik in meinen Augen stehen habe. Ich selbst fahre nicht noch einmal mit Notfall- Kotztüte ins Büro, weil mir am Montag Morgen etwas kodderig im Bauch ist (aber zuvor am Donnerstag das Magen- Darm- Schild in der KiTa hing und ich ein Kind abholen musste). Ich muss auch keine Angst mehr vor verspätetem oder bestreiktem ÖPNV haben, der mir wertvolle Arbeitszeit klaut und auch keine Furcht vor Unwettern und Schneemassen haben, die den Verkehr lahmlegen – denn selbst ohne solche Extreme verpasse ich im Winter oft meine Anschlüsse und brauche dann teilweise über 3 Stunden am Tag für meinen Arbeitsweg hin und zurück. Kein KiTa- Streik bringt mich zukünftig um Urlaubstage und eine frühere Schliesszeit oder ein später Nachmittagstermin des Mannes bringt uns Eltern wohl auch nicht mehr Schwitzen. Ich werde stattdessen endlich ein paar Sachen hier im Haus in Angriff nehmen und mich vor allem um mein Immunsystem kümmern können. Eine schiefe Nasenscheidewand und dadurch bedingte Infekthäufigkeit, die Grippeimpfung und ein Hautarztbesuch stehen auch noch im Raum – doch bisher fehlte die Zeit für die Facharztbesuche bzw. die Nebenwirkungen.

Was natürlich fehlen wird, ist mein Einkommen, da müssen wir uns bald etwas überlegen – Ideen habe ich einige, aber ob das alles so klappt und ausreicht? Ich hoffe, daß sich auch da bald eine Lösung finden wird. Was auch fehlen wird, ist der Austausch mit den Kollegen. Das geile Gefühl des Flows und die Befriedigung, eine gute Arbeit abgeliefert zu haben. Das “schick machen” morgens, ein geregelter Tagesablauf und meine Auszeit ganz alleine beim Mittagessen im Restaurant.

Aber meine Gesundheit und vor allem auch das Wohlergehen der Kinder gehen jetzt vor, die müssen momentan viel zu oft funktionieren, damit es im Alltag zeitlich alles so hinhaut. Zu oft hören sie momentan die Worte nein, jetzt nicht oder später. Der Mann und ich zickten uns mittlerweile schon im Vorfeld an, wer beim nächsten Mal KindKrank zuhause bleiben muss, das kann es ja auch nicht sein. Insgesamt ist die Stimmung hier oft gereizt.

Aber ab demnächst bleibe dann einfach immer ich daheim.

In der Dunkelheit losfahren, in der Dunkelheit heimfahren


Fortschritt? Rückschritt?

Es ist auf jeden Fall ein Fortschritt für uns als Familie, nimmt es doch jede Menge Druck aus den hektischen Morgenden und den anstrengenden Abenden. Es könnte sogar Raum geben für Turnstunden für die Kinder oder Sport für mich.

Es ist aber auch ein Rückschritt für mich als emanzipierte Frau, die mit beitragen möchte zum Familieneinkommen (auch wenn es nur ein Bruchteil von dem ist, was der Mann heim bringt, weswegen sich bei uns die Frage nach Tausch gar nicht stellt).

Aber ist vor allem auch mehr Zeit für die Kinder, ihre Bedürfnisse und auch für meine Gesundheit.

Zwischendurch überlegte ich, ob ich mit meinem Schritt nicht alle anderen arbeitenden Müttern ein klein wenig schade: Wieder eine angestellte Mutter, die (überspitzt gedacht) dem Unternehmen mehr Arbeit macht als Leistung bringt. Wieder eine angestellte Mutter, bei der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht klappt. Wieder eine, die besser die vollen 3 Jahre zuhause geblieben wäre. Und so weiter und so fort…

Aber dann sagt mir mein Kopf: “Diesen Schuh ziehe ich mir jetzt nicht an! Der weite Arbeitsweg, der kurze Altersabstand der Kinder, davon gleich 4 und keine Möglichkeit für Telearbeit- es ist in Ordnung, dass ich jetzt diese Auszeit nehme! Dafür ist die Elternzeit da! Die Kinder brauchen mich jetzt (Wackelzahnpubertät, Präpubertät), nicht später später, wie ich es in letzter Zeit viel zu oft sagte!”

Und mein Bauch grummelt leise “Aber Du wirst es vermissen, das Arbeiten gehen!”

Und doch geht es mir jetzt so viel besser mit dem Bewusstein, bald einen zweiten Abschnitt Elternzeit zu nehmen*.



Keine Rechtsberatung, aber meine persönliche Recherche beim BMFSFJ:

*Elternzeit kann in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden, dem Abschnitt 1 und 2 muss der Arbeitgeber i.d.R. nicht zustimmen, auf die hat man also so gut wie immer Anrecht und sie muss nicht formal gewährt werden! Man kann sie einfach nehmen! Alles ab dem 3. Abschnitt kann er ablehnen aus betrieblichen Gründen.
Jedem Elternteil stehen 36 Monate Elternzeit zu. Ist das Kind nach dem 01.07.2015 geboren, können davon bis zu 24 Monate zwischen dem 3. und 8. Geburtstag genommen werden und zwar ohne vorherige Übertragung und ohne, dass der Arbeitgeber zustimmen muss, sofern es sich um Abschnitt 1 oder 2 handelt! Es muss einfach nur die Anmeldefrist eingehalten werden.
Ich habe jetzt einen zweiten Abschnitt Elternzeit zwischen dem 2. und 3. Geburtstag eingereicht, der über den 3. Geburtstag hinausgeht. Das funktioniert, weil ich aus dem zweijährigen Bindungszeitraum nach der Geburt schon raus bin. Für den legt man sich nämlich bei Geburt verbindlich fest (gewünschten Änderungen muss der Arbeitgeber dann erst zustimmen).
Elternzeit muss nicht in Lebensmonaten des Kindes genommen werden (es bietet sich bei Bezug von Elterngeld allerdings an). Ich hatte jetzt ein gutes Datum für die Fristeinhaltung und die Abrechnung gewählt.
Während der Anmeldefrist und bereits eine Woche vorher besteht nämlich schon Kündigungsschutz (wie die ganze Elternzeit über). Man sollte also in der Woche vor Beginn der Anmeldefrist das Anschreiben zu Elternzeit einreichen, um in den kompletten Kündigungsschutz zu kommen.

Mehr Infos beim Familienportal des BMFSFJ


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23 Gedanken zu „(Re-) Kapitulation | Wie Vereinbarkeit (nicht) klappt

  • 13. Dezember 2018 um 20:20
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    Wow, es freut mich für euch als Familie. Ich kenne so viele Frauen, die es versucht haben mit der gleichberechtigten Berufstätigkeit und dann aufgegeben haben. Ich bin auch manchmal kurz davor, aufzugeben. Und meine Situation ist so viel entspannter, als deine (nur zwei Kinder, zwei Autos, 15 Stundenwoche, Putzfrau wöchentlich). Wenn es mir zu viel wurde, hatte ich oftmals dich vor Augen nach dem Motto „Sie schafft das doch auch, warum stelle ich mich so an“. Jedesmal, wenn eine Mutter ihre Berufstätigkeit einschränkt, bleibt dieses doofe Gefühl. Man wollte es doch schaffen und nicht in ein antiquiertes Familienmodell zurückfallen. Aber es scheint uns Frauen und auch die Väter zu zerreißen. Und das ist es nicht wert. Ich freue mich auf weitere Geschichten aus eurem neuen Alltag demnächst. Alles Gute für dich!

    Antwort
    • 14. Dezember 2018 um 8:02
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      Das Zerreißen ist wirklich schlimm – aber eine fast unmögliche Gleichberechtigung bei der Vereinbarkeit hat in meinen Augen auch ganz viel damit zu tun, dass die Gehaltsschere nach wir vor so groß ist und in den meisten Berufen nach wie vor physische Anwesenheit zu Karriere verhilft.
      Und auch mit nur halb so viel Kindern und halb so viel Stunden kann es genauso anstrengend sein – wenn im Verhältnis doppelt so viel Last auf Deinen Schultern liegt wie auf meinen weil Dein Mann sich weniger einbringt. Also da bitte keine Bescheidenheit!

      Antwort
  • 13. Dezember 2018 um 22:42
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    Glückwunsch zu diesem Schritt! Es gibt immer Wellen und jetzt ist eben diese Welle dran, warum sich ständig unter Druck setzen? Vereinbarkeit ist nicht Addition, sondern REDUKTION und das meine Liebe ist genau dann damit auch gemeint. Für andere kann das natürlich ganz anders sein. Ich drück dich. Alu

    Antwort
    • 14. Dezember 2018 um 7:59
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      Liebe Alu, in meinem Herzen weiss ich auch, daß das jetzt nur eine Welle ist und es noch genug Phasen in meinem Leben geben wird, in denen ich mehr Zeit für den Beruf als für die Familie aufwenden kann. Mein Verstand aber hat Angst vor Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg, vor noch mehr Einschränkungen im Familienleben und auch vor Altersarmut.

      Antwort
  • 14. Dezember 2018 um 6:37
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    Ich finde es so schade, dass in diesem unserem Land es so schlecht möglich ist, dass beide Eltern die Arbeitszeit reduzieren.
    Bei uns geht das auch nicht. Die Lücke zwischen unseren Gehältern ist zu groß. Und sie wird nicht kleiner werden im Laufe der Zeit.

    Antwort
    • 14. Dezember 2018 um 8:04
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      Reduzieren könnten wir beide inzwischen schon – aber während meine Aufstiegsmöglichkeiten aktuell eher beschränkt sind (ich bräuchte weitere Ausbildung), wäre es bei meinem Mann viel einfacher. Von daher trete lieber ich kürzer…

      Antwort
  • 14. Dezember 2018 um 11:24
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    Ich kann dich so verstehen. Seitdem ich wieder in Elternzeit bin, sehe ich nicht mehr jedes Husten meines Bronchitisgeplagten Kindes voller Panik, weil schon wieder Kind-krank (oder wie letztes Jahr:keine Tage megr übrig aber erst Anfang November). Jetzt kann sich hier jeder so lange auskurieren wie es nötig ist – und die Kranktage wurden dadurch insgesamt sogar weniger. Dir wird es bestimmt auch bald besser gehen – denn auch psychischer Stress macht krank.
    Die Angst vor der Altersarmut habe ich auch. Aber was bringt uns eine gute Rente, wenn alle (also die ganze Familie) darunter leiden muss. Das Problem ist wirklich die Gehaltsfrage, Präsenzpflicht und unflexibilität. Ich glaube, wenn das anders aussehen würde, würden auch mehr Mütter mehr arbeiten (können und wollen).
    Ich wünsche dir alles gute für die Elternzeit, vielleicht klären sich viele Fragen wenn du die Zeit dafür hast, mit vielen Möglichkeiten “schwanger zu gehen”.

    VIsle Grüße! Mareike

    Antwort
    • 18. Dezember 2018 um 21:05
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      Ich freue mich schon sehr darauf, überhaupt mal wieder etwas in Ruhe durchdenken zu können.
      Danke für Deine Worte und auch Dir noch ruhige Tage bis zum Jahreswechsel und im neuen Jahr!

      Antwort
  • 15. Dezember 2018 um 14:03
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    Ich gratuliere dir zu diesem Schritt. Ich gratuliere dir dazu, daß du diesen Weg der Achtsamkeit und Selbstfürsorge gehst. Man kann nicht immer alles unter einen Hut bringen ohne das dabei irgendetwas/irgendwer auf der Strecke bleibt. Man sollte schauen was Priorität hat und was warten kann. Wir haben alle nur ein Leben und am Ende sollte doch jeder sagen können:JA so war es gut.

    Antwort
    • 18. Dezember 2018 um 21:03
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      Das war eines meiner großen Argumente PRO Elternzeit ab Afang 2019: Ich werde mich schon nach kurzer Zeit fein mit der Entscheidung fühlen, auch wenn sie mir tierisch schwer fiel!

      Antwort
  • 16. Dezember 2018 um 22:10
    Permalink

    Ich kann deinen Schritt soooo nachvollziehen! Wir haben 3 Kinder, und einen Job wie deinen hätte ich für mich von vorneherein ausgeschlossen, weil…. unmöglich!

    Dein Artikel hat mich aber echt zum Nachdenken gebracht. In meinem Bekanntenkreis klappt die doppelte Berufstätigkeit ja bei einigen, aber in allen Fällen trifft mindestens eines der folgenden Kriterien zu:

    – es stehen ein oder sogar beide Großeltern oder andere Familienangehörige zur Verfügung, falls mal Kinder krank sind
    – mindestens ein Partner Homeoffice kann machen
    – eine Kinderfrau wurde engagiert
    – der Job kann notfalls auch erledigt werden, wenn ein Kind zur Arbeit mitgenommen werden muss
    – man arbeitet so wenige Stunden und kann sie so flexibel einteilen, dass man Arbeitstage schieben oder Tage vor/nacharbeiten kann (so läuft es in meinem – leider nur – Minijob)

    Wenn man auf keine dieser Notfallstrategien zurückgreifen kann, hat man schon verloren! Und je mehr Kinder man hat, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines krank ist.

    Ich wünsche euch, dass deine Auszeit viel Ruhe und Gelassenheit in euren Alltag zurück bringt!! Auch wenn es traurig ist, wie wenig die Vereinbarkeit von Job und Familie in der Realität tatsächlich möglich ist….

    Antwort
    • 18. Dezember 2018 um 21:02
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      Das mit dem notwendigen und fast ständig verfügbarem sozialen Netz oder eben maximale Flexibilität/ Freiberuflichkeit ist mir auch schon aufgefallen; ein weiterer Punkt ist auch einfach die Anzahl der Kinder: 2 Kinder sind immer noch weniger Aufwand als 4 – weniger Kram für die Kita/ Schule, weniger Freizeit- und Arztstress, weniger dies, weniger das…
      Es ist und bleibt eine Krux mit der Vereinbarkeit und wird umso schwieriger, desto mehr Kinder sowie weniger Unterstützung!

      Antwort
  • 18. Dezember 2018 um 8:58
    Permalink

    So, mal gucken, ob ich meine vielen Gedanken hier einigermaßen in Form bekomme ;o)

    1) Ich finde die Aktion deines Arbeitgebers echt unfair! Ich halte ihm zu Gute, dass er dir nicht gleich kündigen wollte, auf der anderen Seite wissen die doch, dass du Mutter von zum Teil recht kleinen Kindern bist. Was passiert denn, wenn man selbst längerfristig oder unregelmäßig ausfällt??? Wenn ich daran denke, wie oft unsere Klassenlehrerin letztes Schuljahr nicht da war, weil sie sich auf irgendeinem Reitturnier nen Schnupfen geholt hat… Und bei ihr hat das weitreichendere Konsequenzen als bei dir (das ist nicht wertend gemeint, aber ich meine mich zu erinnern, dass du irgendwie im architektonischen Bereich arbeitets und da geht es halt nicht um Bildung, Menschenleben oder Betreuung o.ä. – ich hoffe, du verstehst wie ich das meine ;o))

    2) Ich sehe diesen Schritt von dir, in die Elternzeit zu gehen, weder als Rückschritt noch als Kapitulation, sondern eher als riesengroßen Fortschritt: Du nutzt deine Wahlmöglichkeit und hast auch die Möglichkeiten, sie zu nutzen (also finanziell und so ;o)). Und ich sehe das auch als positive Vorbildfunktion: Deine Große hat dich ja jahrelang arbeiten sehen, deine Mittleren auch und Dank Elternzeit wirst du ja nach der bestimmten Zeit auch wieder arbeiten gehen… Jetzt ziehst du halt erstmal die Reißleine, was auch ein Vorbild ist: Bevor du bzw. ihr daran zerbrecht, schaut ihr, wie es anders machbar ist :o)

    3) Nicht du schadest mit deiner Auszeit den “emanzipierten, arbeitenden Müttern” sondern dein Arbeitgeben mit seinen starren Strukturen! Ich möchte dir mal kurz zeigen, wie es auch laufen kann (und mir ist sehr wohl bewußt, dass mein Mann und ich mit unseren Arbeitgebern so was wie zwei 6er im Lotto haben):
    Ich habe ebenfalls 3 Kids (fast 8, 5 und 2 Jahre), gehe 30h auf 5 Tage verteilt arbeiten, habe dazu täglich insgesamt ca. 1,5h Fahrtweg (Auto, über Land, also relativ störungsfrei). Ich arbeite als Ingenieurin in einem mittelständischen Unternehmen (250 MA, Industrie) und obwohl wir hier echt mitten in der Pampa sind und generell ziemlich rückständig (Gleitzeit habe ich vor 6 Jahren gefordert und damit eingeführt…), sind wir ziemlich sozial aufgestellt. Man bekommt z.B. pro Kindkrank (bzw. sonstige Pflege Angehöriger) erstmal 2 Tage Sonderurlaub bevor das über die Krankenkasse geht und das nicht nur einmal im Jahr, sondern wirklich bei jedem neuen Schein vom Arzt (ausgenommen, wenn der Schein nur verlängert wird). Wenn man krank ist, dann ist das so und es wird einem nicht über’s Jahr vorgerechnet. Wir hatten hier schon einige langwierigere Fälle (Krebs, Depressionen, etc.), wo die Mitarbeiter immer mal für längere Zeit ausfielen und danach wieder eingegliedert wurden… Mein direkter Chef hat selbst einen 3jährigen Sohn und macht genauso kindkrank wie seine Frau und ist hinterher meist selbst erstmal ein paar Tage krank. Es gab Zeiten, da haben wir uns über einen ganzen Monat nicht gesehen, weil wir uns mit kindkrank und selbst krank immer abgewechselt haben (immerhin war immer einer im Büro ;o))
    Bei meinem Mann ist es ähnlich (ebenfalls Ingenieur, aber bei einem größeren Unternehmen) und dadurch, dass wir durch unsere Arbeitgeber so gute Strukturen haben, kriegen wir das auch ohne Großeltern in der Nähe, Kinderfrau, Home office o.ä. hin…

    4) Gaaanz wichtig noch: Altersvorsorge. Ich kann deine Sorgen bezgl. Altersarmut gut nachvollziehen und würde das auch wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen. In der anstehenden Elternzeit wird kein Geld da sein, das ist mir klar, aber wenn du dann wieder arbeiten gehst, schaut mal, ob dann nicht ein ein Teil deines Gehaltes in eine private Altersvorsorge fließen kann oder ob das dein Mann dann als Ausgleich für die Kinderbetreuungszeiten irgendwie übernehmen kann…

    So, genug geschwaffelt ;o)
    Alles Liebe,
    Nadine

    Ps.: Ich nehme übrigends auch 2 Monate Elternzeit nächsten Sommer, um die Einschulung von K2 zu begleiten (bei K1 war ich damals mit K3 eh in Elternzeit…) :o)

    Antwort
    • 18. Dezember 2018 um 20:58
      Permalink

      Liebe Nadine, Danke für Deinen Text!!!
      Boah, dass mit den 2 Tagen Sonderurlaub macht mich echt neidisch!!! Mich nervt es so, direkt an Tag 1 mit dem Kind zum Doc zu fahren, um diesen KK- Schein zu bekommen!!! Egal wie und was, man muss hin, auch egal wie und was man sich von dort noch alles mitnimmt *whaaaa*
      Zum Thema “länger ausfallen” hat zum Glück ein Kollege von mir erwähnt, wie oft schon jemand mit BurnOut länger weg vom Arbeitsplatz war und daß das wirklich kein Spass ist, denn irgendwas bliebe immer davon zurück. Von anderen gesundheitlichen Problemen mal ganz abgesehen. Das hat mir persönlich nochmal ordentlich Druck genommen;
      Wirklich leisten können wir uns das eher weniger; also eine wirklich ganz freie Wahl war das jetzt nicht und leicht schonmal überhaupt nicht, dennoch gibt es auch da einen Lichtblick und es wird sich zeigen, wie sehr wir uns einschränken müssen. Aber immerhin hatte ich und hatten wir eine Wahl, das stimmt schon. Und auch das mit der Altersvorsorge stimmt; größtes Argument in der Richtung vom Mann “dafür zahlen wir doch das Haus ab!”; aber mit ein wenig Cash auf der hohen Kante würde ich mich schon sicherer fühlen.

      Antwort
      • 19. Dezember 2018 um 12:28
        Permalink

        Noch zwei kleine Anmerkungen:
        * Den Kindkrank-Schein vom Kinderarzt brauche ich trotzdem zur Vorlage bei meinem AG, dass kindkrank auch wirklich notwendig ist… Ich muss halt nur nicht so viel mit den 10 Tagen von der KK jonglieren…
        * Wenn dann dir das Haus gehört oder auf dich überschrieben ist oder irgendwie wirklich vertraglich geregelt ist, dass das Haus euch beiden zu gleichen Teilen gehört, dann hast du in dem Sinne ja auch eine finanzielle Absicherung…

        Antwort
        • 20. Dezember 2018 um 8:58
          Permalink

          Nr. 1 Ach wie doof, aber immerhin eine Erleichterung!
          Nr. 2 Stehen beide gleichberechtigt überall mit drin – Grundbuch und eben auch Kredit etc.

          Antwort
  • 20. Dezember 2018 um 6:52
    Permalink

    Ich freue mich, dass ihr eine Lösung gefunden habt, auch wenn sie im eigentlichen Sinne so eher eine Notlösung zu sein scheint. Ich wünsche dir, dass du zur Ruhe kommen kannst und dich dann alles entspannt.

    Ich Frage mich, warum nicht grundsätzlich jeder Arbeitgeber bei Bürojobs Homeoffice anbietet.
    Bedeutet weniger Zeitverlust durch Pendelei und der ein oder andere Kinderkranktag kann auch aufgefangen werden. Win-win.

    Antwort
    • 20. Dezember 2018 um 8:56
      Permalink

      “Ja aber!!! Aber da kann ich meine_n Mitarbeiter_in doch gar nicht sehen, ob der wirklich arbeitet!” Ist glaube ich oft auch so ein psychologisches Ding. Präsenzgehabe etc…
      Und (was bei mir der Fall ist) wegen Zugriff auf den Server, Lizenzen etc aktuell noch nicht umzusetzen. So einige Dinge kann ich auch nur im Dialog mit Kollegen_innen arbeiten, das müsste dann über TelKo gemacht werden und ist einfach störanfälliger…
      Grmph.
      Aber es wird kommen; mit noch besserem Internet, noch besseren PCs etc pp. Ich glaube daran.

      Antwort
  • 28. Dezember 2018 um 16:15
    Permalink

    Ich freue mich sehr für euch. Du wirst die Zeit genießen, davon bin ich überzeugt! Deine Kinder werden die Zeit genießen, so viel ist auch klar.
    Und eines Tages wirst du zurück denken und dir wird der Spruch einfallen: “Die Zeit, die ich dachte meinen Kindern zu schenken, war in Wirklichkeit das größte Geschenk an mich selbst.”

    Antwort
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