Auf ein Neues | November 2019 Teil 2

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21.10.2019 Zyklustag 12 und Punktion oder auch:

Der Tag, an dem einfach keine Tränen mehr da waren

Nun stehe ich an dem Punkt, wie ich eben erstaunt feststellte, an dem ich noch nichtmals mehr weinen kann.

Obwohl sich wieder alle Hoffnungen zerschlagen haben, dabei waren es plötzlich wundersame 3 Follikel, die punktiert wurden.

Und dann ist da schon auf dem Heimweg keine Hoffnung mehr.

Trotzdem kann ich dieses Mal gar nicht weinen.

Aber von vorne:

Gestern abend hatte ich zwar kein Ziehen mehr in den Eierstöcken (also ich vermute, es waren vorher die Eierstöcke, es war so rechts und links schräg neben und unterhalb des Bauchnabels gewesen), sondern es zog nur noch sachte, aber beständig in beiden Leisten jeweils Richtung Oberschenkel.

Outifit für Follikelpunktion
Diese Legging habe ich sonst nie an, sie war eigentlich für Yoga gedacht. Wegen des breiten Bundes ist sie perfekt für die Stimulation bzw. für die Fahrt zur Punktion (der Rock hat auch einen sehr weichen und hohen Bund).

Da die Punktion auf super passende 11 Uhr angesetzt war, konnten wir in aller Ruhe die 3 vorhandenen Kinder wegbringen und uns mit Zeitpuffer auf den Weg machen. Im Auto scherzte ich noch, dass der Entbindungstermin so schön im Sommer liegen würde, so mitten in den Ferien. In den Herbstferien entstanden, in den Sommerferien geboren. HachHachHach.

Da ich kaum noch etwas von meinen Eierstöcken merkte, hatte ich sogar die Paracetamol zuhause liegen lassen, die ich mir wieder vor der Punktion einwerfen wollte. Die kauften wir noch eben in der Aptheke nach und ich schmiss mir direkt zwei.

In der Praxis angekommen, bekamen wir dieses Mal nach den Aufnahmeformalitäten ein Patientenzimmerchen zugewiesen und mussten dann noch ein wenig warten, bis der_die Arzt_in (dieses Mal ein unbekanntes Gesicht, das ich mir vorher auf der Homepage aber schon angeschaut hatte, weil der Name in meinem Behandlungsplan eingetragen worden war) begrüßte.

Wartezimmerfussboden in der Kinderwunschpraxis
Patientenzimmerchen in der Kinderwunschpraxis: Wir warten auf meine Punktion

Alsbald ging es weiter für mich in die Umkleidekabine und von dort in das Behandlungszimmer auf den Stuhl. Ich bekam sogar eine Auflage auf den Bauch (vielleicht für etwas Sichtschutz?) und meine Beine wurden leicht fixiert (beides hatte ich bei der vorigen Punktion nicht).

Bei den Vorbereitungen wurde locker geplaudert und sogar gefragt, was man im Gegensatz zur letzten Punktion, die ja auch schon ohne Narkose war, besser machen könne oder verändern solle.

Wow!

Ich erzählte kurz, dass mir das Bohei um die Schmerzen viel mehr Angst gemacht hätte, als es tatsächlich weh tat.

Dann ging es aber schon ans Eingemachte, doch dieses Mal vorher mit kurzer Ansage und teilweise auch mit Begründung (“Jetzt wische ich zwei Mal gut aus” oder “Nun mache ich vorher noch kurz einen Ultraschall. Achtung hier kommt der Ultraschallstab, vorsichtig kalt”), was ich super fand.

Ich konnte sogar halb mit auf den Monitor linsen und sah ebenfalls nicht nur zwei, sondern drei Follikel. Drei!!! Wie wunderbar! Einer links und zwei rechts.

Dadurch verlängerte sich die ganze Prozedur natürlich, zwei mal wurde ich stark gepiekst, 3 mal wurde gesaugt und gespült und wieder gesaugt. Dabei konnte ich alles auf dem kleinen Monitor mitverfolgen, ganz so, wie ich es mir mal auf YT angesehen hatte. Sogar die Nadel sah ich als hellen Strich, der sich in das helle Bläschen schob.

Im Gegensatz zur 1. Punktion bekam ich nach dem schmerzhaften Part noch ein weiteres Mal diesen Spreizer eingesetzt. Es kamen große Tupfer mit ordentlich Druck auf die Wunden – zuerst ein oder zwei Minuten rechts, dann ein oder zwei Minuten links und dann nochmal eine zweite Runde mit kleineren Tupfern hinterher. Währenddessen wurde durch die Durchreiche ins Labor gefragt, ob schon was gefunden worden sei, aber es kam nur ein Nein zurück.

Erst als auch die kleinen Tupfer wieder entfernt waren, durfte ich aufstehen und mich bei halb offener Tür wieder ankleiden – einen Rollstuhl hatte ich zwar angeboten bekommen, aber lächelnd abgelehnt. Genauso wie ein Schmerzzäpfchen, da ich ja vorher die beiden Paracetomol geschluckt hatte.

Liegerollstuhl in der Kinderwunschpraxis
Den Liegerollstuhl in der Kinderwunschpraxis brauche ich nicht, da ich wieder ohne Narkose punktiert wurde.

Dann hiess es warten.

Wir warteten 10 Minuten.

Mein Blick fiel auf meinen Behandlungsplan, in den schon der Transfertag (in 3 Tagen) und die Progesteron- Dosis eingetragen war.

Wir warteten 15 Minuten.

Und da schwante mir schon etwas, aber ich wagte es nicht auszusprechen.

Nach etwa 20 Minuten betrat der_die Arzt_in unser Zimmerchen und teilte uns aufrichtig bedauernd mit, dass leider keine einzige Eizelle gefunden werden konnte. Es hätte extra nochmal jemand Zweites nachgeschaut.

“Es tut uns wirklich leid.”

Alles andere würde ich dann mit meinem eigentlichen Doc besprechen, Progesteron brauche ich wieder nicht zu nehmen. Viel trinken solle ich und mich ausruhen. Bei Schmerzen könne ich ja jetzt alles nehmen, Rücksicht sei ja nicht mehr nötig.

Als wir wieder alleine waren und uns die Jacken anzogen, nahm mich der Mann in den Arm, doch ich wollte nicht. Jetzt, 3 Stunden später, weiss ich, dass ich einfach bockig bin.

Ich bin sauer auf meinen Körper, der das doch schon so oft so super alles hin bekommen hat und jetzt so gar nicht mitmachen will. Nicht bei volle Pulle Fostimon, nicht bei PillePalle Clomifen plus bisschen Menogon. Was soll das?!

Wird er überhaupt nochmal wollen?

Müssen wir dieses Mal einen Zyklus Pause machen?

Wäre es vielleicht sogar besser, einen Zyklus Pause zu machen, damit wir nicht wieder so eine Nullnummer fahren?

Was ist mit der Weihnachtspause der Kinderwunschpraxis?

Bekämen wir mit einem Zyklus Pause überhaupt noch einen weiteren Anlauf für die ICSI vor Weihnachten hin?

Sollen wir es vielleicht doch einfach ganz lassen?

Und wer trägt die Kosten für diesen abgebrochenen Versuch? Bei der Kasse würde es nämlich nicht als Versuch gelten, weil Eizelle und Spermium nicht zusammengebracht worden sind, sagte man uns vor der Verabschiedung.

Für die letzte Frage telefonierte ich am Nachmittag mit meiner Krankenkasse, die sämtliche Leistungen gemäß ihres Kataloges zu 50% übernehmen werden, ohne dass dafür ein Versuch verbraucht wird. Puuuuh.

Für alle anderen Fragen habe ich mit meinem_r Arzt_in einen Telefontermin in genau 7 Tagen vereinbaren können, früher geht es leider nicht wegen Urlaub.

Gerade im Augenblick kann ich die Aussicht auf 7 Tage luftleeren Raum ganz gut annehmen. Ich fühle mich seltsam, irgendwie gedemütigt, weil wir gerade alles Negative erleben, was man uns nur als worst case- Szenarien nannte. Weil ich so gehofft hatte (vor allem als es 3 Follikel waren) und ich umso tiefer fiel.

Zuerst Nullbefruchtung.

Jetzt Nullpunktion.

Was kommt als nächstes?

Null Follikel?


Hier gehts weiter…

4 Gedanken zu „Auf ein Neues | November 2019 Teil 2

  • 06/11/2019 um 13:31
    Permalink

    Ooooch :-((( das tut mir wirklich wahnsinnig leid für euch. So eine Achterbahn der Gefühle, allein beim Mitlesen – wie muss es dann erst mittendrin im Geschehen sein… Ich hoffe die Ärzte haben da noch einen Tipp für euch. Und wünsche euch viel Kraft, für die nächsten Schritte, wie auch immer die ausfallen. Aber der Beitrag liest sich find ich noch kampfeslustig, also nicht nach Aufhören.. Liebe Grüße und Daumen weiterhin gedrückt! Anna

    Antwort
    • 06/11/2019 um 17:20
      Permalink

      Liebe Anna!

      Das dicke Ende kommt leider noch, ich leide aktuell noch unter Nachwirkungen bzw Nebenwirkungen der Behandlung und bin erst einmal froh, wenn diese abklingen. Was danach passiert, werden wir dann sehen.
      Lieben Dank für Deine Worte – ja, es ist eine extreme Achterbahnfahrt ins Ungewisse. Man weiss nie, ob als nächstes ein Überschlag, eine Talfahrt oder eine Fahrt bergauf kommt. Und genauso fremdbestimmt wie in einem Achterbahnsitz kommt man sich auch vor.

      Antwort
  • 13/11/2019 um 08:13
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    Oh man :o(
    Ich schick virtuell einen dicken Drücker rüber!

    Alles Liebe,
    Nadine

    Antwort

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