Rückbildung nach der Geburt | Fluch und Segen der Online- Angebote

Geschlossener Kursraum wegen Corona

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Seit einem Jahr befinden wir uns aufgrund von Corona in einem gesellschaftlichen Zustand, der mal stärker, mal weniger stark von der Normalität abweicht. Nach einem harten LockDown im Frühjahr 2020 war der Sommer dann zum Glück etwas unbeschwerter. Für mich hiess das damals sogar, dass ich meinen Schwangerschaftsyoga- Kurs zusammen mit anderen, echten Menschen in einem realen Kursraum machen konnte.

Doch seit der Weihnachtszeit ist nun alles wieder geschlossen; es sind seit Monaten keine Kurse mehr möglich – weder im Freien, noch in geschlossenen Räumen.


Ein Baby während dieser Pandemie

Für schwangere Frauen, frischgebackene Mütter und vor allem auch Eltern auf der Suche nach Austausch bedeutet das, sich entweder online einen Kurs oder Infos zu suchen oder abwarten und womöglich ganz zu verzichten.

Für Hebammen und andere Kursleiterinnen bedeutet das unter anderem stetige Ungewissheit, wann Präsenzkurse überhaupt wieder starten können und ggf. auch technische sowie rechtliche Hürden bei der Umsetzung, den eigentlichen Kurs aus der Ferne via Internet abzuhalten. Dazu womöglich weiterhin laufende Kosten für Miete, Strom etc… für den nun verwaisten Raum.

Ich persönlich bin erleichtert, dass ich vor einigen Monaten nicht das erste Kind bekommen habe, sondern viele Erfahrungen schon bei den älteren Geschwistern sammeln konnte. Der Wegfall von Geburtsvorbereitungskurs, Rückbildung und auch Babykursen ist für mich „nur“ der Wegfall von Kontakten und hinterlässt keine großen Fragezeichen. Das jüngste Kind bekommt zudem tagtäglich Impulse durch das Zusammenleben mit den älteren Geschwistern und ich bin froh, wenn ich mal 5 Minuten alleine Zeit für das kleine Wesen habe. Wenn ich überlege, wie gelangweilt und einsam ich mich öfter mit dem allerersten Baby zuhause fühlte… Doch dafür gehen mir jetzt die persönlichen Kontakte zu Erwachsenen in der gleichen Lebenssituation ab.

Dazu beschleicht mich die Angst, dass es viele Angebote nach der Pandemie einfach nicht mehr geben wird. Etliche Örtlichkeiten und auch Kursleiter_innen werden sich nicht über Wasser halten können. Schon vor Corona war die Situation für Hebammen und für hebammengeleitete Einrichtung in Deutschland immer schwieriger geworden (massiv gestiegene Haftpflichtprämien plus massiv gestiegener Verwaltungsaufwand), viele Frauen bekommen schon gar keine Hebamme mehr für die Nachsorge und es gibt viele überlastete oder gar kurzfristig geschlossenen Geburtstationen in Kliniken, einfach weil das Personal sprich die Hebammen fehlen.

Hebammen- Sprechstunden und Online- Angebote für Geburtsvorbereitung, Rückbildung usw. gibt es schon länger, sprossen seit dem 1. Lockdown aber wie die Pilze aus dem Boden. Doch sie sind alle bei Weitem kein Ersatz, oftmals nur eine Notlösung. Gerade in dieser hochsensiblen Zeit kurz vor und während der Geburt sowie als Wöchnerin sollte jede Frau die Aufmerksamkeit bekommen, die sie braucht und nicht für ein paar Minuten noch eben in die Sprechzeit gequetscht werden oder sich ein HowTo- Video reinziehen. Ich unterstütze daher dieses ganze System überhaupt nicht – es wird nämlich den eigentlichen Hebammenberuf mit Zeit und Ruhe und ganz vielen Antworten ganz schnell zum Aussterben bringen.

Sportmatte, ich habe Dich vermisst!

Wenn ein virtueller Kurs die einzige Alternative bleibt

Tja, und nun ist da diese Pandemie mit ihren vielfältigen Einschränkungen. Schon im Mutterschutz schaute ich mich um nach einem Rückbildungskurs, checkte das Angebot meines Geburtshauses und fasste einige Kurse ins Auge, bei denen Zeitraum, Wochentag und Uhrzeit passen könnten. Also so halbwegs, wer weiss den gerade was in einigen Monaten sein wird?

Als mein Baby auf der Welt war und ich so langsam aus dem Wochenbett wieder auftauchte, kam auf meine Anmeldung zum Präsenz- Wunschkurs ganz schnell eine Absage: Kurs schon voll daher nur ein Wartelistenplatz und auf Wunsch könne man in einen Kurs 2 Monate später wechseln, da sei was frei. Uha, das wäre aber spät, die Sommerferien fangen da schon fast an und der Kursort wäre auch sehr schlecht erreichbar für mich. Die ganzen Online- Angebote, die ich bislang nur so am Rande mitbekommen hatten, rückten nun mehr in meinen Fokus. Oder bieten andere Stellen vielleicht doch noch Präsenzkurse an? Ich suchte mir beim Stillen die Finger wund. Umliegende Krankenhäuser schreiben es zumindest, oder zumindest halb-halb oder jeweils auf Nachfrage. Das hilft mir kaum weiter, zumal in einem Krankenhaus immer noch ganz andere Keime „unterwegs“ sind. Also doch ein virtueller Kurs, nun definitiv.

Doch welcher Anbieter ist seriös? Bei Google ganz oben angezeigt zu werden ist nicht unbedingt ein Qualitätskriterium.

Welcher Kurs passt zu mir und meinen Bedürfnissen? Beim Yoga für Schwangere hatte ich vor allem auf neue Kontakte und Impulse gehofft, da ich sehr auf mich und meine Erfahrung vertrauen konnte und darum auch hier eine Zusammenfassung mit verlinkten Videos für zuhause veröffentlichte.

Gibt es einen festen Termin als Videokonferenz oder einzelne Videos zum Abruf gerade so, wie es mir am Besten passt?

Und was ist mit den Kosten? Gilt online das, was ich mir bisher für offline gemerkt hatte? Als gesetzlich Versicherte muss den Rückbildungskurs eine Hebamme leiten, damit die Kasse ihn übernimmt? Verpasste Stunden muss ich selbst zahlen? Der Kurs muss innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Geburt beendet sein? Sollte den Kurs ein Physiotherapeut_in abhalten, bräuchte ich dafür eine Verordnung?

Gerade die Fragen rund um die Kostenübernahme und verschiedene virtuelle Kursarten von Rückbildung bekam ich hier bei Kidsgo super beantwortet.

Und zum Thema Empfehlungen fragte ich einfach mal bei Instagram rum. Die nachfolgenden Links wurden mir von Leserinnen, Followerinnen und Freundinnen empfohlen:

Örtliche Hebammenpraxen, die u.a. auch Online- Kurse anbieten (€)

Hebammen Schwager & Freitag (Wiesbaden)

Hebammen Isis (Bochum)

Hebammenpraxis Eimsbüttel

Physiotherapeuten_innen mit Kursen im Netz (€)

Physiotherapiezentrum Leben Bewegt (Köln) Bieten u.a. reine Live- Kurse online an für Rückbildung und Beckenboden

Nicole Frank Physiotherapie: Online Rückbildungskurs für die ersten 6 Wochen und für die Zeit danach (explizit auch gegen Rektusdiastase)

Weitere Kursangebote (€) in der Übersicht

Kidsgo.de mit stationären und überörtlichen Anbietern

Anbieter rund um Schwangerschaft und Baby mit reinen Online- Inhalten (€)

Kinderheldin.de: Live- Kurs- Angebot (Ist auch sonst speziell auf Online- Angebote ausgerichtet und bietet telemedizinischen Service für die Beratung von Schwangeren und Eltern kleiner Kinder)

Meilenstein Akademie: Angebot mit Video- on- demand (Vimeo) von einer Hebamme & einer Kinderkrankenschwester

HalloHebamme.de: Webseite zweier Hebammen; Kostenloser Online- Rückbildungskurs (via YouTube)

Weitere kostenlose Angebote im Internet:

Rückbildungs- Pilates von folio (24 Minuten)

YouTube via Suchfunktion

Apps für Android & IOS (€)

Pelvina: Mehrwöchiges Beckenbodentraining per App. Kostenerstattung via Krankenkasse möglich

Weitere Beckenboden- Apps (mit und ohne Gadgets) zum Beispiel hier


Des Weiteren lief mir diese Podcastfolge über das Tragen direkt nach der Geburt über den Weg, der nicht nur das beckenschonende Babytragen, sondern auch viele Infos über den Beckenboden selbst, seine Wahrnehmung und sein Training bereit hält.


Mein Rückbildungskurs bei Meilenstein Akademie

Warum dieser Kurs? Weil er nicht umsonst ist und ich mir davon eine gewisse Qualität verspreche, weil die Ausbildung der Kursleitung für mich stimmt (Hebamme und Kinderkrankenschwester) und weil ich an keinen festen Termin in der Woche gebunden bin, dafür aber ggf die Kosten alleine trage.

Kursart: Videos zum immer wieder anschauen. 6 Kursteile (5x 40 Min., 1x fast 60 Min.) plus Einführung (10 Min.) – ich habe nun 4 von 6 Rückbildungsvideos durch, wobei ich einige doppelt absolvierte.

Kosten: Aktuell mindestens 10 Euro + freiwillige Spende, sonst 79 Euro. Auch wenn der Kurs nicht live stattfindet wird empfohlen, bei der GKV nachzuhaken, ob die Kosten nicht trotzdem übernommen werden.

Inhalte: Die einzelnen Einheiten haben eine 4geteilte Struktur mit WarmUp, Kräftigungsübungen, CoolDown (Stretching) und zuletzt kommen dann die Beckenbodenbodenübungen. Zwischendurch gibt es auch immer mal ein kleines Päuschen.

Mein persönliches Fazit: Man merkt, dass die beiden Damen das mit der Aufzeichnung nicht zum ersten Mal machen: Der Ton ist gut, der Schnitt für mich mehr als okay und wirklich super finde ich das Zeigen der Übungen zu Zweit (eine erklärt und zeigt, die andere führt aus) plus geschickt stehender Spiegel im Hintergrund, der die verdeckte Körperseite zeigt. Klasse!

Was mich aber direkt vergrätzte war das Aufwärmen. Ich war noch nie im Fitti oder habe woanders einen Sportkurs gemacht, bei dem man eine gewisse Choreografie mit Arm- /Beinkoordination nach Anweisung eines Vorturners ausführen soll. Nun weiss ich auch wieder, warum. Statt mir den Frust wieder und wieder anzutun (ich schaffe es weder mit den Beinen noch mit den Armen dazu irgendwie im Takt zu bleiben), skippe ich diesen Part und mache stattdessen ein paar Sonnengrüße aus dem Yoga.

Der Sportteil mit dem Muskeltraining ist angepasst an den Zustand post partum und doch nicht langweilig. Er bescherte mir schon so manchen Kater am nächsten Tag, da der Fokus meist auf einem einzelnen Körperbereich liegt (Bauch oder Beine + Po oder Arme + Schultern). Es wird oft auch eine Alternative für Fortgeschrittene gezeigt. Zum Glück kann man sich die Videos immer wieder anschauen, einfach so als angeleitete Fitnessübungen.

Stretchen, dehnen und lockern beim CoolDown hilft mir super gegen die typischen Still- Verspannungen. Leider wird hier meist mein Baby wieder wach, weil es genug geschlafen hat.

Die Beckenbodenübungen zum Schluss werden anschaulich erklärt, verfehlen bei mir definitiv nicht ihr Ziel und sind abwechslungsreich, wobei ich die immer wieder gleichen Erklärungen nicht durchgehend in ihrer Ausführlichkeit gebraucht hätte.

Im Gegensatz zu einem Rückbildungskurs zu einem festen Termin komme ich bei diesem hier wirklich mehr zum „Arbeiten“, einfach weil ich den Zeitpunkt an mein Baby und seine Bedürfnisse anpassen kann. Umgekehrt fällt es mir aber dadurch viel leichter, auch mal zu schludern bzw. anderen Dingen den Vorrang zu geben.

Ich hätte mir eine Unterteilung der Videos in verschiedene Kapitel gewünscht, um mir z.B. ein Sportprogramm aus den Kräftigungsübungen mehrere Videos zusammenzustellen oder den Tanzbereich einfacher überspringen zu können.

Dennoch kann ich diesen Rückbildungskurs als super Alternative zu einem Präsenzkurs für alle diejenigen weiterempfehlen, die ihren inneren Schweinehund auch daheim überwinden können und sich ein wenig mehr als reine Beckenbodenübungen wünschen.


Trotzdem mein Appell auch hier an dieser Stelle nochmal:

Kurse im Internet können nicht oder nur kaum echte Kontakte ersetzen! Viele Sachen, die man direkt (z.B. Haltungskorrekturen oder Anpassung der Übung an spezielle Bedürfnisse) oder am Rande noch so mitnimmt (Tipps abseits von der Rückbildung, kurze Gspräche mit anderen Müttern etc pp) fehlen komplett.

Auf die Dauer werden Onlinekurse die verschärfte Situation für Hebammen noch schwieriger machen, da Präsenzkurse einen wichtige Verdienstmöglichkeit darstellen und auch die Kursorte (Familienbildungsstätten, Geburtshäuser, Elternschulen etc) mit am Leben erhalten. Ich persönlich sehe daher das virtuelle Angebot als eine Möglichkeit für die Ausnahme, aber es sollte nicht zum Standard werden.

In diesem Sinne: Fröhliches Blümchen pflücken, Aufzug fahren, Obstteller verräumen oder Taschentuch hochziehen ;)


Wenn kein Rückbildungkurs vor Ort möglich ist - was können die Angebote im Internet?
Wie bekomme ich nach der Geburt meinen Beckenboden wieder fit?

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