Auf der Schwelle… Die große Tochter ist jetzt 10 Jahre alt

Vor 2 Wochen wurde mein erstes Kind 10 Jahre alt.

Vor 10 Jahren… was war da nochmal? Wie war das nochmal?

Ich erinnere mich nicht mehr komplett an die Zeit damals, aber kurze Sequenzen und vor allem Gefühlsempfindungen sind mir teilweise sehr präsent im Kopf geblieben: Der Beginn des Mutterschutzes und ein wunderbar goldener Sommerausklang mit Himbeeren vom Markt, mit einer wahnsinnigen Vorfreude und auch diese Aufregung, wie das so sein würde mit einem Baby, mit meinem Baby.

Dann kam die Geburt, die sich dann doch irgendwie über zwei Tage zog, dann war da eine riesengroße Erschöpfung und auch Stress, weil die Milch nicht floss und keine Zeit zum Ausruhen war. Besuch, Besuch, irgendjemand hatte immer Besuch im Krankenhauszimmer, nachher war der Besuch auch bei uns zu hause, viel zu früh, viel zu viel – aber ich war so alleine mit meinem Wunsch nach Kernfamilie und einem Ankommen zu Dritt, es war keine Kraft mehr da um mich abzugrenzen, so viel Neues, mit dem ich mich aber so allein fühlte. So als Allererste überhaupt in beiden Freundeskreisen und Familien war es eh sehr schwer, den Unterschied zwischen den angelesenen Informationen und dem, was von mir seitens des Umfeldes erwartet wurde, zu überbrücken. Es wurde ein Spagat, dann ein Tanz auf dem Drahtseil und schlussendlich wuchs da nichts richtig zusammen, was vor dem Kind doch eigentlich so super gepasst hatte.

Wenig Zeit für mein Kleinkind als Alleinerziehende.

Alleinerziehend: “Mama, wann ist wieder Papa- Zeit?”

Im Nachinein war diese frühe Trennung das Beste, was wir haben tun können. Meine Tochter kennt es nicht anders, als daß Mama und Papa in zwei verschiedenen Haushalten an zwei ganz verschiedenen Orten leben, dass beide neue Partner haben und inzwischen jede Menge Halbgeschwister da sind.

So gut sie schon immer mit den vielen Bezugspersonen (allein die Anzahl der [Stief-] Omas und Opas, Tanten, Onkels etc pp!!!) und auch Lebensorten klar kam, so schwer tat sie sich als Kleinkind mit dem Loslösen. Verständlich. Ihre Kita- Eingewöhnung nach dem Zusammenzug mit dem Mann war sehr zäh. Der Wechsel in die Grundschule lief dann schon etwas besser, war aber nach wie vor sehr geprägt von Unsicherheit und Flucht ins Altbekannte.

Chillen mit Hörspiel

Grundschule – gar nicht larifari!

Gerade als es dann so richtig gut lief, fanden wir unser jetziges Haus und ein Schulwechsel wurde unumgänglich. Das dritte Schuljahr begann nach unserem Umzug im Sommer 2017 direkt an der neuen Grundschule und wurde ein verdammt anstrengendes Jahr für sie wie für mich. Wir beide stiessen in bereits gefestigte Strukturen, doch während ich mich nur an neue Lehrer_innen, an neue OGS- Betreuerinnen und leicht abweichende Zeiten gewöhnen musste, fand die Große darüber hinaus nur schwer Anschluss. Wie in der ersten Grundschule fiel zudem nach wenigen Monaten die Klassenleitung aus, so dass es auch in dieser Hinsicht wieder Unsicherheit und Umstellung gab. Doch schon im zweiten Halbjahr wurde alles so viel leichter!

Sommertage, unbeschwerte.

Im vierten Schuljahr war dann alles soooo easy; das inzwischen 9jährige Kind war nicht nur richtig in der Klasse angekommen, sondern auch selbstständig im Stadtteil unterwegs und inzwischen sogar aktiv im Turnverein!

Ich jedoch fürchtete einen jähen Absurz, als es so langsam an die Vorbereitungen der Abschiedsfeierlichkeiten ging. Mit der Auswahl der weiterführenden Schule hatten wir ordentlich zu tun, schlussendlich gab ich ihrem Wunsch und den Argumenten ihres Vater PRO Gymnasium nach, auch wenn dies fortan einen Status als Buskind mit sich bringen würde.


Der erste Tag am Gymnasium – auch dieses Mal mit Schultüte

Der Wechsel auf die weiterführende Schule

Die letzten Wochen der Grundschulzeit brachen an und ich bemerkte erstaunt, wie melancholisch einerseits und vorfreudig andererseits meine Tochter drauf war, dies aber als vollkommen normal hinnahm. In diesen Wochen vibrierte sie gerade zu; ein überraschender Kurztrip mit einer Schul- AG für 36 Stunden einmal quer durch Deutschland und wieder zurück, diverse Abschiedsfeiern und sogar schon ein Kennenlernnachmittag am neuen Gymnasium waren eine wirkliche Achterbahnfahrt der Gefühle (für mich mindestens genauso sehr wie für sie; musste ich mich zwar nicht von meiner Grundschulzeit verabschieden, hatte das Ganze jedoch auf der Seite des Buben mit der KiTa noch ein weiteres Mal durchzustehen). Ich konnte gar nicht glauben, mit welcher Selbstverständlichkeit sie über ihren zukünftigen Besuch des Gymnasiums sprach; keine Spur von Angst oder Unsicherheit, nur Vorfreude und strahlende Augen!

Dann kamen die Sommerferien, wie ein langer ruhiger Fluss – nein, nicht ganz: Zuerst unser Kurztrip mit der großen, großen Familie nach Holland, dann war sie ein paar Tage hier und zuletzt fast 3 lange Wochen beim Vater.

Das 5. Schuljahr begann mit fast 30 Grad im Schatten, einer wunderbaren Einschulungsfeier und einem Restaurantbesuch hinterher. Ausserdem war sie sehr glücklich, dass auch der Papa mitsamt Familie dabei war!

Am ersten Schultag begleitete ich sie noch im Bus, seitdem ist sie alleine unterwegs bzw. mit Klassenkameraden_innen, managt das von Anfang hervorragend und bis auf kleine Aussetzer (Bücher im Spind vergessen, Portemonnaie verloren etc) klappt alles einfach super, weil sie einfach gerne zur Schule geht. Im Gegensatz zu der Drittklässlerin damals, die in der Pause weinend am Rand des Pausenhofes saß, sitzt mir nun am Nachmittag eine hochgeschossene Fünftklässlerin gegenüber, die mir übersprudelnd von der tollen Einrad- AG erzählt und fragt, wann das T-Shirt mit dem Schullogo endlich wieder sauber ist.

Wow!

Weniger wow fand ich dann aber ihre Aussage, dass die Sportschuhe schon wieder zu klein sind. Die neuen kauften wir dann erstmalig in der Damenabteilung und noch so gerade eben in Größe 39. Ein Paar musste sie sogar schon in 40 anprobieren, aber das war dann zu weit.


Sammelfiguren aus der Kindheit und Fotos aus der Grundschulzeit an der Wand

Auf der Schwelle zum Teenager

Tja, wenn es nach der Unordnung in ihrem Zimmer und auch manchmal in ihrem Kopf geht, dann ist sie schon mitten drin in der Pubertät. Wenn ich nach meiner Nase gehe, dann definitiv auch – ich wusste gar nicht, wie sehr Kinder einen Tag nach der Dusche schon wieder stinken können!!! Puha!

Krimskrams auf dem Boden – daneben (nicht im Bild) Wäscheberge

Deo ist hier also eingezogen.

In ihrem Zimmer hatte ich ja in den Sommerferien schon die Wanddeko hinter ihrem Bett erneuert und einen Spiegel samt Ablage aufgehangen – es sieht trotzdem fast immer so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Sie bekam kurz vor Ferienende ihr allererstes Smartphone, das aktuell schon in Reparatur ist, weil es leider eine Freundin von ihr hat fallen lassen. Ich hoffe sehr, dass der Lerneffekt ein wenig vorhält ;)

Auf der Einschulungsfeier hatten wir Erwachsenen 45 Minuten Leerlauf, als die Kinder in den Klassen waren. Da fragte mich die Next, also die Stiefmutter oder auch Bonusmutter (ich empfinde beide Bezeichnungen nicht als richtig, aber in Ermangelung einer besseren Alternative verwende ich sie weiter), ob ich denn schon mit der Großen über das Thema Menstruation gesprochen habe und es könne ja auch am Umgangswochenende losgehen, da habe sie an Binden gedacht, die sie mal vorsichtshalber im Bad deponieren wollte. Voll nett, oder? Aber die eigentliche Aufkläung würde sie dann schon mir überlassen wollen.

Wir unterhielten uns dann noch ein wenig über Aufklärungsbücher (tauschten in den folgenden Wochen sogar noch eines über Menstruation aus, also nur sie und ich), aber kamen leider nicht mehr sehr weit im Gespräch, weil das Kind dann schon plötzlich wieder vor uns stand. Selig. Strahlend. Eine Fünftklässlerin!

Vor 3 Wochen ergab es sich dann, dass wir nach dem Schuhkauf noch kurz Zeit hatten und zusammen in der Drogerie Binden und Slipeinlagen aussuchten und darüber redeten, dass sie sowas in Zukunft einfach in einem kleinen Täschchen immer im Ranzen mit dabei hat, falls es benötigt werden würde. “Aber Mama, das hat doch noch Zeit!” meinte sie zuerst entsetzt. Doch man weiss nie, wann es wirklich losgeht und wenn es auch nur bei der Klassenkameradin ist, der man dann aushelfen kann.

Menstruationsprodukte – nicht nur fair und ökologisch, sondern auch poppig bunt

Körperlich ist gerade so einiges im Umbruch (“Mein kleines Stinktier, gehts Du gleich noch eben duschen?”), seelisch hat sie gerade ein so wunderbares Gleichgewicht gefunden. Es ist ausserdem so angenehm, mit ihr alleine unterwegs zu sein, Dinge zu erledigen und nicht ständig für jemand anderes mitdenken zu müssen (“Musst Du Pipi?” “Ist die Flasche richtig zu?” “Wo ist Deine Mütze?”).

HachHachHach, große Kinder sind schon toll!

Mal sehen, wann die Achterbahnfahrt namens Pubertät losgeht! ;)


Ein Gedanke zu „Auf der Schwelle… Die große Tochter ist jetzt 10 Jahre alt

  • 10. Oktober 2019 um 14:01
    Permalink

    Alles Gute nachträglich!
    Und ja, das ist wirklich meiner Meinung nach, die beste Zeit. Kein Kleinkind mehr und noch kein rebellischer Pubertier.
    Liebe Grüße
    Lena

    Antwort

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