DingDong, RingRing, Plimm!

[Kurzgebloggtes vom Vorabend]

„Schüß!“ sagte die Jüngste kürzlich zu ihrem Schlafsack und schlief ab da nur noch ohne. So wie sie damals einfach den Kopf wegdrehte und aus dem Nichts heraus nicht mehr stillen wollte – mit 7 Monaten, noch weit entfernt vom Sattwerden durch Beikost. „Willensstark“ hörte ich in der KiTa nun mehrfach, und ja, das ist sie.

Sie verlangt schon länger immer die Patchworkdecke zum Einschlafen, die ich im Winter über meine normale Decke nehme und im Sommer auch mal solo.

Egal ob es mit 24 Grad im Schlafzimmer und im dünnen Schlafsack gut war. Die Patchworkdecke musste drüber!

„Dette!“ verlangt sie auch jetzt immer noch, wenn ich sie hinlege. Ein riesiger Kokon aus unzähligen Quadraten, den meine Mutter vor etwas mehr als 10 Jahren nähte. Einer von mehreren Kokons, mit denen sie ihre Hände beschäftigte und ihre Trauer über den Freitod eines Angehörigen verarbeitete und dann verschenkte, an mich und meine Geschwister. Etliche Stunden nähte sie, wie viel Arbeit das gewesen sein muss, weiß ich jetzt erst, wo ich selber nähen kann.

Das Nähen von Patchworkdecken wurde weniger und hörte irgendwann ganz auf, ihre Hände und auch ihr Kopf brauchten diese Beschäftigung nicht mehr.

Ich dagegen bestellte dann heute einen Schlafsack mit Fußöffnungen für die Jüngste, ich werde nämlich nachts öfter von ihren Bewegungen wach und finde sie immer ganz ohne Decke auf der Besucherritze vor, das kann im Winter einfach nicht so weiter gehen. Gasheizung, you know. Ich hoffe sehr, sie lässt ihn sich anziehen.

Gesucht, verglichen, geklickt, bezahlt. In meinem Kopf ist das Thema vorerst abgehakt und direkt sind die nächsten Punkte da. „Was ist jetzt am Dringensten?“ blinkt der Cursor in meinem Kopf. Meine Augen wandern zur Uhr. „Wieviel Zeit habe ich jetzt noch?“ rattert mein Rechenzentrum los.

Pling! „Ihr Paket wurde versendet!“

Seit Wochen renne ich immer wieder los und hin und her und komme doch nicht von der Stelle. In meinem Kopf sind 57 Tabs gleichzeitig offen, einige lassen ständig PopUps aufploppen, irgendwo läuft noch Musik, parallel dazu WDR5 mit einem Feature zur politischen Lage und im Hintergrund blökt eine Kochsendung – denn Hunger hat hier immer irgend jemand.

Pling! „Ihr Paket hat die Sendungsnummer XY und hier können Sie bald weitere Infos einsehen!“

Pause von allem und mal nur die Hände mit Stoff und Nadel zu beschäftigten, ohne dabei auch noch einen Einkaufszettel zu diktieren und parallel einen Schulzettel zu unterschreiben, das wäre schön.

Pling! „Ihr Paket wird übermorgen zugestellt!“

Aber irgendwie wird es gerade kaum besser und wenn es Dank abgeschlossener KiTa- Eingewöhnung bald besser werden müßte, haut garantiert irgendein Virus seine Faust auf unseren Tisch – Erkältung, MagenDarm oder Corona, der Herbst wird kommen, der Winter auch. Oder jemand macht hier wieder etwas kaputt, was zeitnah repariert werden muss.

Pling! „Ihr Paket kommt heute!“

Immerhin sind wir mit der KiTa- Eingewöhnung nun schon beim Mittagessen angekommen, macht 3 Stunden am Vormittag, in denen ich offene Tabs abarbeiten kann. Da fällt leider der Blog komplett hinten über und für Yoga sind die Tabs zu laut in meinem Kopf. Priorisierung!!!

Pling! „Ihr Paket wird in 15- 20 Minuten zugestellt!“

Heute habe ich z.B. Ablage von über 12 Monaten gemacht, für die vielen Haufen brauchte ich die ganzen 3 Meter Eßtisch. Obwohl ich einen Teil immer schon zeitnah abgeheftet hatte.

Dazwischen 2 Maschinen Wäsche angestellt, 1 davon aufgehangen, 2x am Telefon nur bis zur Warteschleife gekommen und 1 Zeitschriften- Abo- Kündigung geschrieben. Dann musste ich schon wieder los, das kleinste Kind abholen und schon war auch der Sohn zuhause, kurz danach die Große.

DingDong! „Hier, Ihr Paket!“

Morgen Vormittag könnte ich dann mit der Grundsteuererklärung weiter machen. Oder die Steuersachen von 2021 raussuchen. Oder YouTube- Videos gucken, wie man eine Fensterscheibe einkittet. Oder recherchieren, wo man eine kleine Fensterscheibe nachkaufen kann. Oder die kaputte Dunstabzugshaube abnehmen (ich koche seit 2 Jahren ohne Licht und seit über einem Jahr ohne Abzug). Oder, oder, oder…

DingDong! „Nehmen Sie das Paket hier vielleicht für den Nachbarn an? Da war keiner zuhause.“

„Also eigentlich müsste jetzt mal eine Patchworkdecke nähen…“


4 Kommentare

  1. So fühl ich mich auch. Dazu noch irgendwo Erwerbsarbeit einfügen, während heute zwei Kinder krank Zuhause sind. Und da soll ich dann auch wieder fit werden. Hat nicht Mal so einfach. Zumindest bei mir geht’s aber aufwärts.

    1. Ich hatte früher immer das Gefühl, dass es bei mir selbst viel länger dauert, wieder gesund zu werden. Eben weil man sich nicht so lange ins Bett legen kann, wie es der Körper bräuchte. Und über Erwerbsarbeit neben der Betreuung von kleinen Kindern brauchen wir nicht reden, dass sind 2 Jobs gleichzeitig. Ich hoffe sehr, Euch geht es wieder besser!

  2. Ah, herrlich, wie schön du das in Worte fassen kannst, da kann man sogar schmunzeln, obwohl es, wenn man tagsüber so drin ist, gar nicht zum schmunzeln ist (same here).
    Mein Mann fragt, warum liest du sowas, dass macht einen ja verrückt und ich antworte, weil es das in so gute Worte fasst, was ich den ganzen Tag erlebe.
    Vielen Dank dafür <3

    1. Ach, das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt ^^ Da sind ja täglich noch so viele andere Dinge, die man parallel macht und mit denen man dabei noch zusätzlich unterbrochen wird… Es ist schon krass, wie viel mental load da zusammen kommen kann. Danke Dir für Deine Worte ❤

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: