Gläserne Barrieren? Szenen neben und unter der Käseglocke 

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Der Mann und ich unterhalten uns in der Küche (Sommer 2017)

Es geht um ein neues Familienauto bzw. die Finanzierung desselben.

Ich stöhne „Orrrr! Ist das dann genauso viel Papierkram, den wir wieder zusammen bei einem Termin ausfüllen müssen?! Das sind ja wieder 2 Stunden, die mit Hin- & Rückfahrt dafür drauf gehen“

Mann: „Ich weiss nicht… Mmmh. Eigentlich müsste das schneller gehen. Ist ja lange nicht so viel Kredit wie beim Haus.“

Ich: „Halt! Geht der Autokredit nicht auch wieder allein über Dich? Genauso wie es schon beim Bausparvertrag fürs Haus war? Da zählt doch auch wieder nur der, der Hauptverdiener ist, oder?“

Mann: „Könnte sein. Bestimmt! Du musst aber garantiert wieder als Ehefrau zustimmen.“



Szenenwechsel: Ich sitze mit den Kindern im Auto, wir sind auf dem Weg zur KiTa (Frühsommer 2017)

Bub: „Mama? Wir hatten doch mal Blumen auf dem Auto?“ fragt er ganz unvermittelt.

Ich: „Äh, ja mein Schatz. Das war letzten Sommer, da haben Mama und Papa geheiratet.“

Bub: „Ihr sollt nochmal heiraten, ja? Bittöööh! Und dann kommen nochmal Blumen aufs Auto, ja?“

Ich, lächelnd: „Ähm, nein mein Männlein, das geht leider nicht. Mama und Papa können nur einmal heiraten. Aber wenn Du später größer bist und einen Mann oder eine Frau ganz lieb hast, dann könnt ihr auch heiraten.“

Bub: „Und ein Baby will ich dann auch im Bauch haben!“

Ich muss lachen „Vielleicht, mein Männlein, vielleicht wird das später einmal gehen. Aber auf jeden Fall kann Deine Frau ein Baby bekommen. Momentan können nämlich nur Frauen schwanger sein. Aber später… wer weiss? Vielleicht bekommen später auch mal Männer Babys.“
Und ergänze im Stillen: Und nehmen ein Jahr Elternzeit. Verkürzen anschliessend auf Teilzeit und haben mehr Cheffinnen, die Vollzeit arbeiten. Oder alle Eltern arbeiten nur 30 Stunden. Oder oder oder…



Szenenwechsel: Im Arbeitszimmer, kurz nach der Hochzeit (Sommer 2016)

Mann: „Hier, unterschreibst Du das mal bitte? Damit wir die Lohnsteuerklassen wechseln können. Du verdienst ja eh weniger als ich und wegen Deiner Teilzeit sowieso. Da macht das wirklich Sinn, wenn wir das jetzt ändern.“

Ich: „Äh, dann bekommst Du aber noch mehr und ich noch weniger. Das ist doch voll unfair?“

Mann: „Aber steuerlich gesehen ist das doch viel besser! Wirklich!“

Ich: „Weiß ich ja. Aber… Und dann zahlst Du mir noch ein Taschengeld oder wie? Ich finde das voll doof! Und was ist mit meiner Rente? Die wird dann ja noch weniger, weil Du ja dann bestimmt noch viel weniger verkürzen würdest! Von „Viel“ geht dann ja auch viel weg!“

Mann: „Sollen wir jetzt tauschen oder was? Willst Du etwa Vollzeit arbeiten gehen? Wie stellst Du Dir das denn vor? Du verdienst dann aber immer noch viel weniger als ich jetzt. Ausserdem wollen wir doch bald ein Haus kaufen und umziehen! Und sowieso!“

„…“ Ich unterschrieb. Natürlich unterschrieb ich. Aber trotzdem!



Szenenwechsel: Zurück in die Küche zum Mann und zu mir, aber an einem anderen Tag (Frühling 2017)

Ich: „Du Schatz, wie machen wir das eigentlich im Herbst mit meinem Wiedereinstieg nach der Elternzeit vom 4. Kind? Ich habe ja dann anfangs 25 Stunden, die ich in Düsseldorf arbeite – wie stellst Du Dir das denn so vor mit dem neuen Haus in Stadtteil XY? Soll ich jeden Tag in der Woche pendeln? Aber für 5 Arbeitsstunden im Büro noch 3 Stunden in Bus und Bahn zu sitzen ist doch totale Zeitverschwendung! Rechne da mal meinen Stundenlohn drauf um!“

Mann: „Ja, da hast Du recht.“

Ich: „Also lieber 3 Tage arbeiten und 2 Tage frei oder wie? Dann müsstest Du an 3 Tagen die Kinder ab Nachmittags alleine managen und ich würde sie wohl nur morgens kurz sehen. Wenn ich dann abends immer erst nach sieben nach hause komme, sind die doch schon alle im Bett.“

Mann: „Das stimmt auch wieder.“

Ich: „Aber ich hätte dann aber 2 volle Tage zuhause, da könnte ich dann die ganzen Arztbesuche mit den Kindern machen, für die Du Dir nicht freinehmen kannst. Oder auch meine eigenen. Oder diese KiTa- Gespräche und mit Glück auch Weihnachtsfeiern und Sommerfeste und so. Und die Große könnte am neuen Wohnort wieder mit Tanzen anfangen. Das wäre irgendwie ganz praktisch mit 2 Tagen ohne Büro.“

Mann: „Mmmhh“

Ich: „Aber ob mein Arbeitgeber da mitmacht? Nur 3 Tage pro Woche anwesend? Und dann geht’s doch in den Winter rein… wenn die Kinder dann immer genau an meinen Arbeitstagen krank sind, dann bin ich wahrscheinlich ganz schnell weg vom Fenster. Du kannst ja kaum noch Kindkrank- Tage nehmen – das Haus hängt doch an Deinem Einkommen! Aber ob ich einmal gekündigt mit 4 Kindern was Neues finde? Wer stellt mich denn dann überhaupt noch ein?“



Damals, als es auf mein Abitur zuging, da hat mir keiner erzählt, zu welchem Nachteil mir mal meine Kinder werden könnten. Da hieß es immer nur, ich könne dies oder jenes werden und ich wusste selbst, daß ich einige Sachen zwar nur mit viel Anstrengung würde erreichen können, aber ich würde es schaffen. Fast alles könnte ich schaffen!

Ich sah zwischen mir und meinen männlichen Klassenkameraden oder Kommilitonen keinen Unterschied (allerhöchstens in Bezug auf Talent oder Vitamin B.), aber wie gesagt: Ich dachte immer, ich müsste mich nur anstrengen und ich könnte (fast) alles werden! So toll, oder?

Erst jetzt realisiere ich: Das war gelogen!

Denn dass meine Kinder zu einem Einstellungskriterium und auch meinen Lebensstandard als Rentnerin bestimmen würden, das hat mir keiner erzählt.

Dass man sich besser einen Beruf aussucht, bei dem man Anspruch auf verschiedene Arbeitszeitmodelle hat, wurde mir auch nicht als wichtiger Punkt bei der Wahl der Ausbildung genannt.

Stattdessen hieß es bei den möglichen Leistungskursen, bei der Studien- und der Berufswahl: „Schau, was Dir liegt, worin Du gut bist und was Dich interessiert!“

Nicht nur in der Schule, sondern auch in meinem Elternhaus hörte ich das. Meine totale Freiheit bei der Ausbildungswahl erkläre ich mir inzwischen so: Meine Mutter wurde von ihrem eigenen Vater sehr in eine bestimmte Berufsgruppe gedrängt und hatte dadurch sehr wenig Wahlmöglichkeiten bei ihrem Ausbilungsweg. Mein Vater studierte trotz schlechter Noten ein bestimmtes Fach, einfach weil er es super interessant fand. Leider fand das sein Vater überhaupt nicht unterstützenswert („Eine 4 hattest Du darin im Abitur!!! Und das willst Du studieren?!“) und so musste er als Student schauen, wie er über die Runden und vor allem auch halbwegs warm durch den Winter kam. Er brachte das Studium übrigens zuende und arbeitete bis zur Pensionierung in diesem Beruf.

Fällt Euch auf, daß beide Male die Väter entschieden hatten? Die Mütter (also meine Omas) waren im Haushalt tätig bzw. arbeitete die Mutter meiner Mutter nur Teilzeit und verdiente „etwas dazu“, kümmerte sich aber sonst um fast alles im Haus. Hauptverdiener und Bestimmer waren die Männer. Und damit auch die Altersvorsorge der Frauen.

Natürlich fand ich meine Entscheidungsfreiheit damals toll und kann auch meine Eltern verstehen, die mir alles offen liessen. Alles könnte ich werden! Ärztin oder Schreinerin oder doch lieber was mit Pharmazie? Im Gegenteil: ich fühlte mich fast überfordert mit den vielen Möglichkeiten und blätterte wochenlang in diesem grünen Buch, dass es damals als Übersicht über Ausbildungs- und Studiengänge von der Agentur für Arbeit gab.

Jedoch interessiert eine freie Wahl und auch ein guter Abschluss später keinen mehr, wenn man als Frau sogar mehrere Kinder hat. Selbst wenn man es schafft, im Bewerbungsgespräch um die genaue Anzahl herumzuschiffen – bei mir klappte das mit „meine Kinder sind in KiTa und Ganztagsschule bestens betreut!“ und jeder dachte, ich hätte nur zwei Kinder – spätestens aber beim Blick auf die Lohnsteuermerkmale kommt alles auf den Tisch. Bei mir sind das nun 2 ganze Kinder sprich vier halbe. Bämm. Würde mich damit überhaupt jemand einstellen?

Durch Hochzeit (Steuerklasse) und Hauskauf (Kreditvergabe) wird für mich alles noch verstärkt: Die Kinder sind allein „mein Problem“, nicht das meines Mannes – gleichberechtigte Elternschaft hin oder her. Finanziell bin ich mit mehreren Kindern einfach weniger wert – weil nach wie vor davon ausgegangen wird, daß ich beruflich zurückstecke und der Mann weiter arbeitet wie gehabt, durchgängig bis zur Rente.

Ich werde diejenige sein, die trotz 4 Kindern arbeitet.

Mein Mann ist derjenige, der arbeitet und 4 Kinder hat.

Daran hat sich immer noch nichts geändert.

Ich fühle mich eingeschränkt und reduziert. Ich war doch erst vor wenigen Jahren mit Kind und Vollzeitjob ganz allein für mein (finanzielles) Glück verantwortlich und hänge nun durch die Anzahl der Kinder und das gekaufte Haus so sehr von meinem Mann ab, daß ich mich beim Gedanken daran echt unwohl fühle. Natürlich kann ich separat vorsorgen. Sollte ich sogar. Las ich auch letztens wieder etwas zu. Versuche ich auch, doch das ist schwer (schwer in der Partnerschaft, schwer diese Mittel nicht doch anzutasten wenn es finanziell wo brennt).

Aber warum muss das so sein?!

Muss erst mein Sohn ein Baby bekommen, damit sich gesellschaftlich und politisch etwas ändert, so daß Mütter nicht automatisch zum Wenigverdiener werden beziehungsweise Väter viel leichter Hauptverdiener bleiben?

Und warum sagt man einem als Mädchen, es stünden einem alle Türen offen, wenn dann doch wieder so viele wieder zufallen?

Ist Mutterschaft zwingend eine berufliche und finanzielle Käseglocke und spürt Ihr sie auch, diese unsichtbaren Glaswände? Oder reagiere ich da über?


 

31 Gedanken zu „Gläserne Barrieren? Szenen neben und unter der Käseglocke 

  1. Warum nehmt ihr nicht Steuerklasse 4 mit Faktor? Dann wird entsprechend des Anteils am Familieneinkommens besteuert, das ist viel gerechter und gerade bei Lohnersatzleistungen ist das ein echtes Argument…. wir haben es seit dem Start und es hat sich schon beim Elterngeld positiv bemerkbar gemacht…

    1. Wir werden das definitiv mit dem Steuerberater_in besprechen. Nach der Hochzeit hatten wir so viel um die Ohren (vor allem ich mit Namensänderung), dann kam ja schon die Geburt und ich bzw wir waren nur froh, dass wir alles über die Bühne gebracht hatten.

  2. Du reagierst nicht über. Aber vielleicht tröstet dich der Gedanke, dass es nicht gelogen war – eher Wunschdenken. Und der Wunsch, gleichberechtigt zu leben, ist ja nach wie vor da. Mit und trotz Kindern. Aber wie das mit der Ehe, unserem Steuersystem und dem Vollzeitverdiener zu vereinbaren ist, weiß ich auch nicht. Daran scheitern so viele!

    1. Das mit dem Wunsch nach einer besseren Zukunft – das könnten meine Eltern auch gedacht haben, als sie es verschwiegen. Oder einfach die Hoffnung, dass ich diese gläsernen Wände nicht mehr zu spüren bekomme

  3. Das hast Du toll geschrieben! Oh ja, genau so kenne ich das auch aus meiner Ehezeit. Und das sogar mit zwei (damals aber noch recht kleinen) Kindern. Und um die Sache noch prekärer zu machen. Du trägst das Risiko alleine. Vor allem wenn es irgendwann – was ich Euch nicht wünsche – zu einer Trennung kommen sollte. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das für unsere Kinder irgendwann besser wird.

  4. Ich verstehe Dich! Letztlich kämpfen alle Mütter irgendwie an der Front. Selbst die, die zu Hause bleiben und nicht extern arbeiten gehen. Ich verstehe sogar die Arbeitgeber! Was ich nicht verstehe ist, dass so viele (gut ausgebildete) Frauen ihren Männern die Show durchgehen lassen. Wenn es normaler wird, dass Männer Elternzeit nehmen, Kindkranktage, Teilzeit etc. Dann brauchen wir vielleicht bald nicht mehr diskutieren, wer aus Gehaltsggründen Teilzeit macht oder beim Kranken kind bleibt. Solange das politisch nicht als selbstverständlich angesehen wird, sollten Frauen ihren Männern hier mehr Druck machen. Stattdessen hört man dann aber immer wieder, dass frau es ja so wollte, die Kinder das so brauchen weil sie ja noch sooo klein sind, dass man dem Mann nicht mehr zumuten kann, wo er doch schon so viel macht und tut.
    War jetzt vielleicht gar nicht Dein Thema! In jedem Fall viel Eefolg beim Wiedereinstieg!
    Das wird spannend! ;-)
    VG von Anni

  5. Hallo Susanne,
    ja leider ist das so.
    Bei uns auch 3 und 5 seit wir verheiratet sind.
    Kind krank übernehme ich und meine Schwiegermama, wenn es geht. Also nicht
    bei Kind hat 40 Fieber.
    Dazu kam noch, dass mein Chef mich in der
    Schwangerschaft freigestellt hat (2013).
    Hieß 1 Jahr Elternzeit, 2. Jahr Minijob, mit Einzahlung in Rente, ha ha.
    Zu meinem Arbeitgeber: Er bot mir Teilzeit an: 12 Wochenstunden am Nachmittag 14:30! Uhr bis 17:00 Uhr, ergo kündigte ich selbst diese Stelle. Notgedrungen
    Während des 3. Jahres fand ich eine Teilzeit stelle am Vormittag, war leider nur eine Vertretungsstelle.

    Von Aug 16- März 17 suchte ich wieder und arbeite nun über einen Dienstleister bei einer tollen Firma. Sie wollten mich gern übernehmen bis ich schwanger war und wie du weißt nun nicht mehr bin.

    Ein langer Kommentar das musste mal raus und ja ich hätte zB Lehrerin werden sollen, für haben diese Probleme nicht ! Habe mehrere Freundinnen, die das bestätigen!

    Viele Grüße

    1. Ja, das mit den Arbeitszeiten ist auch so eine Krux. Da kann man einen wunderbar mit rausekeln, das ist echt unter aller Sau. Ich drücke Dir alle Daumen, dass sich bald eine gute Lösung für Euch alle findet!

  6. Puh. Da geht mein Puls wieder hoch…genau diese vielen kleinen Faktoren sind es, die uns das Leben schwer machen. Ich fühle mich immer im Rechtfertigungzwang. Im Nachteil. Dabei habe ich zwei abgeschlossene Studiengänge. Ein gutes Gehalt. Und trotzdem werde ich nur als „Zweitverdienerin“ gesehen. Arghhh. Danke für den Text…

  7. Ich kenns zwar nicht wegen Mutterschaft, sondern sonst. Ich habe Fotofachfrau gelernt, als Jahrgangsbeste abgeschlossen uuuund…. nichts. Keiner hat einem gesagt, dass man damit kaum eine Arbeitsstelle findet! Dass es nur noch ganz wenige gibt und viele Betriebe kostensparend Azubis ausbilden statt ausgebildetes Personal…. Das war eine grosse Ernüchterung :-(

  8. Ich war seit längerem eine treue, wenn auch stille Leserin deines Blogs. Deine beiden jüngsten sind praktisch gleich alt wie unsere beiden Kinder. Ich fand es immer interessant von dir zu lesen, zum einen weil bei uns auch die Familienplanung mit zwei Kindern definitiv noch nicht abgeschlossen ist, zum anderen um in eine andere Welt zu schauen und meinen Horizont zu erweitern. Ich habe große Hochachtung vor dir und wie ihr euer Leben so meistert. Ich lebe das komplette Gegenteil. Bis jetzt fand ich das immer total spannend und konnte mitfühlen/mitfiebern. Mit diesem Eintrag aber fühle ich mich dir einfach nur sehr fremd.
    Mein Mann und ich haben uns bewusst dafür entschieden in den traditionellen Rollen zu bleiben. Hierzu möchte ich etwas ausholen. Wir kommen beide aus einem kleinen Dorf in BW und kenne uns schon immer. Nach unserem Studium und diversen Auslandsaufenthalten seitens meines Mannes war klar, dass wir keine Wochenendbeziehung mehr führen wollen, woraufhin mein Mann ein lukratives Jobangebot ausschlug und den sicheren Bürojob annahm. Ich stand nach dem Referendariat zwei Jahre ohne Festanstellung da, weil ich ebenfalls nicht zu weit vom Arbeitsort des Mannes weg wollte. Nach vielen Diskussionen und Abwägungen haben wir uns entschieden ins Heimatdorf zurückzukehren und hier zu bauen. Für den Mann bedeutet das eine Stunde Arbeitsweg, aber dank inzwischen neuer Position in der Firma hat er auch Außendiensttage in der Nähe. Dass es erst nach meiner Verbeamtung mit dem Kinderwunsch klappte, war so nicht geplant aber okay. Dadurch bin ich abgesichert, jederzeit in den Beruf zurückkehren zu können. Denn ich habe mich entschieden meine Kinder erst mit drei Jahren in der Kindergarten zu geben und sie solange zu Hause zu betreuen. Ich bin in dieser Zeit natürlich vom Gehalt meines Mannes abhängig, aber das sehen wir anders. Jeder von uns leistet einen Beitrag zum Erhalt der Familie, der gleichwertig ist. Mein Mann arbeitet tagsüber und verdient so Geld für unseren Lebensstandard, ich manage Haushalt und Kinder. Ist mein Mann daheim sind wir absolut gleichberechtigte Eltern. Ich fühle mich weder als Heimchen am Herd, noch vom Geld meines Mannes abhängig.
    Seit unserer Verlobung hatten wir die Kontovollmacht des jeweils anderen. Ich hab da noch studiert und nur einen Nebenjob gehabt, was bedeutet, damals hat mein Mann schon den Großteil zu unserem Lebensunterhalt beigetragen. Mit der Heirat haben wir nur nach ein gemeinsames Konto geführt, auf das beide Gehälter gingen. Es gab nie ein mein oder dein. Die Kredite für Bauplatz und Haus laufen auf uns beide. Größere Anschaffungen besprechen wir, ohne den anderen um Erlaubnis zu fragen. Jeder von uns hat eine Altersvorsorge, die monatlich abgebucht wird.
    Ich sehne mich an blöden Tagen daheim natürlich danach 8 Stunden mal nicht nur Kinderkram und Haushalt zu haben , genauso wie mein Mann nach anstrengenden Tagen sich danach sehnt meine Freiheit daheim zu haben. Doch wir wissen beide, dass wir eigentlich gleich viel leisten.
    Ich verstehe es, wenn andere Mütter nach einer kürzeren Elternzeit wieder in den Beruf zurückkehren (wollen/müssen). Wir sind da unheimlich privilegiert, dass uns das eine Gehalt reicht und wir die Wahlfreiheit haben. Auch dass ich nicht um meinen Wiedereinstieg bangen muss, erleichtert natürlich vieles. Aber ich hätte mich auch mit einem anderen Beruf immer zuerst für das bei-den-Kindern-Bleiben entschieden. Das ist doch ein relativ kurzer Zeitraum in meinem Leben, den möchte ich intensiv erleben und mitgestalten. Arbeiten kann ich noch dreißig Jahre lang. Ich sehe mich nicht als benachteiligt meinem Mann gegenüber sondern als bevorzugt. Ihm erzähle ich abends von den Fortschritten und Entwicklungen unserer Kinder, ich war dabei. Wir Frauen sind damit gesegnet Kinder auf die Welt zu bringen. Mutterschaft ist einfach etwas anderes als Vaterschaft. Das ist mir so viel kostbarer als eine erzwungene künstliche Geleichberechtigung bzw. Gleichstellung zwischen Mann und Frau, die es so in der Realität wohl nie geben wird.
    Sorry, das stört mich nicht nur hier sondern in so vielen Blogs und Berichten. Das musst einfach mal raus.

    1. „Wir sind da unheimlich privilegiert“
      Yep, seid ihr. Viele andere Frauen haben nicht die sichere Beamtenstelle auf Lebenszeit, die auf einen wartet, bis man wieder in den Beruf zurückkehren möchte, oder die Beamtenpension am Ende der Berufslaufbahn. Und wenn man diese Privilegien nicht hat, bekommt man einen anderen Blick auf die Dinge – und fühlt sich z. B. abhängig vom Mann, ganz einfach, weil man es ist: Beziehungen/Ehen können scheitern (tun sie auch regelmäßig), dann ist auf einmal der Versorger weg und frau muss ihren Unterhalt (und den der Kinder, denn die bleiben ja in 9 von 10 Fällen bei der Mutter) wieder selbst verdienen und natürlich auch fürs Alter vorsorgen. Und dann mach das mal, wenn du vorher zig Jahre zu Hause warst, dir jetzt keiner mehr einen Job gibt oder höchstens nen Minijob/bissl Teilzeit (Stichwort: „Arbeiten kann ich noch 30 Jahre lang“ – eben nicht …). Und im Alter wartet die Grundsicherung …
      Es hat schon seinen Grund, warum Alleinerziehende mit das höchste Armutsrisiko haben und auch die Altersarmut bei Frauen so ein Problem ist.

      Für viele Frauen ist Gleichstellung/Gleichberechtigung kein Luxus oder eine unrealistische Fantasie, sondern ein Bedürfnis und eine ganz reale Notwendigkeit.

      Wenn für dich Muttersein an erster Stelle kommt und das in deinem Leben auch so funktioniert, ist das schön. Aber nicht jede Frau kann das, und auch nicht jede will das – Lebensrealitäten sind vielfältig. Warum stört es dich so, dass es Frauen gibt, die ihre Mutterrolle anders definieren als du? Warum stört es dich, dass es Frauen gibt, denen Gleichstellung wichtig ist und die nicht denken, dass Muttersein grundlegend anders (oder besser?) ist als Vatersein? Dein Leben ist deins, deren Leben ist deren Leben, und jeder sollte das tun können, was ihn/sie zufrieden macht.

      1. Liebe Andrea, liebe Irene,
        jede von uns hat eine unterschiedliche Antwort auf die Frage: „Wie lange will ich bei den Kindern bleiben?“. Diese Antwort wird oft dadurch beeinflusst, wieviel Geld die Familie zum Leben zur Verfügung hat. Wie sicher der Job ist. Und natürlich auch, wie gern man in diesem Job arbeitet.
        Es tut mir leid, Irene, Dich da enttäuscht zu haben. Ich mag meine Kinder, ich mag aber auch meinen Job. In den letzten 8 Jahren war ich gefühlt dauernd schwanger oder stillend. Die Zeiten, in denen ich gearbeitet habe, habe ich genossen. Genauso aber wie die Elternzeiten zuvor.
        2010 als Alleinerziehende blieb mir kaum eine Wahl: Entweder Vollzeit oder zunächst Hartz 4. Ich habe mich für Vollzeit entschieden und habe das nur so gut gestemmt, weil ich auch Spaß an meinem Job habe. Ausserdem hat mich die damalige Zeit schmerzhaft gelehrt: Nicht alles, was als Paar funktioniert, funktioniert auch als Familie. Das bezieht sich nicht nur auf die Arbeitsrollen und -teilung, sondern auch auf die Beziehung. Die Folgen hast Du, Andrea, treffend beschrieben.
        Ich war (glaube ich) schon immer eine starke Frau, die sehr viel Unabhängigkeit ausstrahlte und leg(t)e dies auch nicht mit dem Eintritt in den Mutterschutz ab.

        Das Priviligium des Beamtentums würde ich mir mit meinen 4 Kindern jetzt sehr wünschen – auf dem freien Arbeitsmarkt habe ich aktuell wohl nur ziemlich kleine Chancen. Wenn ich nach dem Arbeitsamt gehe, waren diese Chancen schon nach der Geburt des 3. Kindes verschwindend gering. Ich fand trotzdem einen guten Job, den ich trotz erneuter Schwangerschaft ziemlich gut machte. Und dennoch muss ich fürchten, aus rein wirtschaftichen Gründen nach der Elternzeit gekündigt zu werden. Meine Fehlzeitenauswertung sah damals nämlich gar nicht gut aus dank Kindkranktage (obwohl auch mein Mann einige nahm) und wird sich wohl wieder ähnlich gestalten, da dann der Winter kommen wird. Ich wünschte, ich müsste mir keine Gedanken darum machen.

    2. Liebe Andrea, liebe Irene,
      jede von uns hat eine unterschiedliche Antwort auf die Frage: „Wie lange will ich bei den Kindern bleiben?“. Diese Antwort wird oft dadurch beeinflusst, wieviel Geld die Familie zum Leben zur Verfügung hat. Wie sicher der Job ist. Und natürlich auch, wie gern man in diesem Job arbeitet.
      Es tut mir leid, Irene, Dich da enttäuscht zu haben. Ich mag meine Kinder, ich mag aber auch meinen Job. In den letzten 8 Jahren war ich gefühlt dauernd schwanger oder stillend. Die Zeiten, in denen ich gearbeitet habe, habe ich genossen. Genauso aber wie die Elternzeiten zuvor.
      2010 als Alleinerziehende blieb mir kaum eine Wahl: Entweder Vollzeit oder zunächst Hartz 4. Ich habe mich für Vollzeit entschieden und habe das nur so gut gestemmt, weil ich auch Spaß an meinem Job habe. Ausserdem hat mich die damalige Zeit schmerzhaft gelehrt: Nicht alles, was als Paar funktioniert, funktioniert auch als Familie. Das bezieht sich nicht nur auf die Arbeitsrollen und -teilung, sondern auch auf die Beziehung. Die Folgen hast Du, Andrea, treffend beschrieben.
      Ich war (glaube ich) schon immer eine starke Frau, die sehr viel Unabhängigkeit ausstrahlte und leg(t)e dies auch nicht mit dem Eintritt in den Mutterschutz ab.

      Das Priviligium des Beamtentums würde ich mir mit meinen 4 Kindern jetzt sehr wünschen – auf dem freien Arbeitsmarkt habe ich aktuell wohl nur ziemlich kleine Chancen. Wenn ich nach dem Arbeitsamt gehe, waren diese Chancen schon nach der Geburt des 3. Kindes verschwindend gering. Ich fand trotzdem einen guten Job, den ich trotz erneuter Schwangerschaft ziemlich gut machte. Und dennoch muss ich fürchten, aus rein wirtschaftichen Gründen nach der Elternzeit gekündigt zu werden. Meine Fehlzeitenauswertung sah damals nämlich gar nicht gut aus dank Kindkranktage (obwohl auch mein Mann einige nahm) und wird sich wohl wieder ähnlich gestalten, da dann der Winter kommen wird. Ich wünschte, ich müsste mir keine Gedanken darum machen.

  9. Puh, schweres Thema. Gedanklich habe ich schon nen halben Roman dazu verfasst, da ich aber am Tablett schreibe, musst du dich mit der Kurzfassung zufrieden geben ;o)

    * Steuerklasse 3/5 lohnt sich nur in Elternzeit oder wenn das 2. Gehalt im Minijobbereich liegt. Ansonsten 4/4, gegebenenfalls mit Faktor!
    * Ich denke zwar, dass bei euch da gerade nicht die Mittel zur Verfügung sind, aber in eine private Altersvorsorge (von dir abgeschlossen und auf dich laufend!) könnte ja auch dein Mann einzahlen, wenn es deine finanzielle Lage (noch) nicht hergibt. Wenn der Staat es (noch) nicht vernünftig auf die Reihe bekommt, einen Versorgungsausgleich zu schaffen, dann müssen halt private Lösungen her. Und ganz ehrlich, genauso wenig wie Nichtmütter eine Ahnung von den finanziellen Abgründen haben, genauso wenig ist das der Männerwelt bewusst!
    * Ich stimme Anni weiter oben vollkommen zu: Die eigenen Männer müssen mit in die Pflicht genommen werden bei Kranktagen, Sommerfesten, Kinderbetreuung, etc. Nur dann wird sich auch das gesellschaftliche Bild irgendwann ändern.

    Ich finde, es wichtig, dass über diese Themen gebloggt, gesprochen und diskutiert wird, allerdings finde ich den zweiten Teil des Artikels sehr traurig! Ich finde es toll, dass deine Eltern dich so ermutigt haben! Und wir sind jetzt die Vorbilder für unsere Kinder: Sowohl in Sachen ‚Mama arbeitet‘ als auch beim Thema ‚Papa macht kindkrank‘.

    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr eine für euch alle passende Lösung findet!

    Alles Liebe,
    Nadine

    1. *Also Elternzeit liegt ja hier gerade vor, von daher scheint es ja nicht ganz falsch gewesen zu sein mit 4/4 ;)
      *Meine bisherige private Altersvorsorge ist ein Riester- Vertrag, der Dank vieler Kinder (-zulagen) fast von alleine läuft. Allerdings weiss ich nicht, ob dieser später einmal ausreichen wird.
      *Vielleicht muss ich nochmal groß über unsere Aufgabenverteilung zuhause bloggen, aber mein Mann macht nicht „nichts“ hier zuhause. Im Gegenteil: Er bringt und holt die Kita- Kinder, ist dort im Elternbeirat und übernimmt (aufgrund von saisonalen Zeiten ohne Anwesenheitspflicht im Job) auch andere Termine mit den Kindern alleine. Und zwar gerne! Kücheaufräumen abends übernimmt er zwar weniger gerne, aber auch das sowie de Wäsche teilen wir uns unabgesprochen. Gerade so, wie jeder von uns kann. Von daher leben wi runseren Kindern schon mehr Dinge vor, als ich (und auch mein Mann) in der Kindheit vermittelt bekamen.

  10. Oh je. Aber bei der Steuerklasse und den Rentenbeiträgen kann ich beruhigen. Egal welche Steuerklasse, die Sozialabgaben also auch Rente bleiben immer gleich. Nur die Lohnsteuer ist eine andere. Also ob Steuerklasse 4 oder 5, die gesetzliche Rente bleibt gleich. Mein Mann und ich haben neben den persönlichen Konten ein Gemeinschaftskonto von dem alle gemeinsamen Ausgaben abgehen. Als wir beide in Steuerklasse 4 ungefähr dasselbe verdienten haben wir hälftig darauf eingezahlt. Als wir nach der Heirat und meiner Teilzeittätigkeit die Steuerklassen optimiert haben, haben wir ausgerechnet, wieviel bei ihm mehr rumkommt. Das zählt er jetzt mehr aufs gemeinschaftskonto und ich weniger. Außerdem laufen die Kosten meiner privaten Rentenversicherung auf unser gemeinsames Konto, da ich aufgrund der Familienarbeit nicht so viel von der gesetzlichen Rente haben werde. Und diese Benachteiligung wird von meinem Mann mit ausgeglichen. Wir sehen das beide so, dass durch die von mir getragene Care Arbeit erst das berufliche Fortkommen meines Mannes inklusive Beförderungen, Gehaltserhöhungen möglich wird. Würde er sich Hälftig an der Familienarbeit beteiligen, wäre in seinem Job schnell Zappenduster. Deshalb ist sein Erfolg und Gehalt auch Hälftig meiner. Wir haben übrigens zwei Familien im Freundeskreis bei der der Mann in Teilzeit arbeitet und die Familienarbeit und Elternzeit übernimmt. Weil dort jeweils die Frau mehr verdient oder die besseren Erfolgsaussichten im Job hat. Ich sehe Paare und Familien als Team, die das beste aus ihrer Situation machen sollten. Damit der Partner, der die Familienarbeit übernimmt bei einer Trennung nicht um Regen steht, sollte man finanziell vorarbeiten.

  11. Wow, dass es Dir so geht, hätte ich – nach langem stillem Mitlesen – ja gar nicht gedacht. Altersvorsorge ist doch eigentlich klar: die wird 50/50 aufgeteilt, was nicht automatisch durch die Gehlater zusätzlich de kommt, zählt eben der Besserverdienende Teil für den geringverdienenden Teil ein – sollte doch heuer Standard sein.
    Dass aber Du als Ehefrau und Mutter Deinen Wegfall als Arbeits- und Pflegekraft bei der Beschäftigungswiederaufnahme allein regeln musst, finde ich schon arg. In der Partnerschaft (und Ehe erst recht) ist man doch ein Team? Wer wann wie die Kinder abholt, bringt und betreut sollte doch beide gleichermaßen angehen und kümmern? Das Gespräch, in dem Dein Mann außer „Hm“ nicht viel anzubringen hatte, tut mir wirklich leid. Es scheint ihn nicht sehr interessiert zu haben und dass von „Du müsstest die Kinder dann so-und-so-oft allein ‚managen‘ “ die Rede ist, spricht ja Bände. Schade. Ich wünsche Euch, dass ihr trotzdem eine gute Lösung für Euch findet und Euch eine Trennung (bei der schnell klar würde, wer außer Altersarmut nicht viel zu erwarten hat) erspart bleibt.
    Und natürlich können Frauen alles werden und haben die Wahlfreiheit, auch, wenn Kinder ins Spiel kommen. Dann muss man aber evtl auf ein eigenes Haus verzichten oder direkt nach dem Mutterschutz wieder einsteigen, bei einer Firma, die solches Engagement entsprechend würdigt, oder sich selbständig machen. Es gibt nichts umsonst – manchmal hat man aber das Gefühl, frau erwarte, dass das Leben ihr „mehr“ schenkt. Finanzielle Unabhängigkeit muss durch harte Arbeit für Leute, die das zu schätzen wissen, jeden Tag in Vollzeit neu erarbeitet werden. Dein Mann scheint das für sich verstanden zu haben, auch wenn Dein Tun bei ihm wohl nicht in diese Einschätzung fällt – was doppelt schade ist. Ihr seid doch eins! Ich wünsche Dir mehr Unterstützung, einen klaren Blick und den Mut zu harten Entscheidungen.
    Wenn Mädchen aufhören würden zu denken, sie könnten alles haben und nichts dafür bezahlen, wäre schon viel erreicht. Männer bezahlen eben einfach den geforderten Preis. Männer arbeiten UND haben 4 Kinder, weil sie die selten sehen, jeden Tag am Atbeitsplatz kämpfen und eine Frau haben, die ihnen den Rücken freihält. Frauen arbeiten TROTZ 4 Kindern, weil die meisten Männer den Teufel tun und ihr den Rücken freihalten. Arbeitgeber wissen genau: im Zweifelsfall rennt Mutti nach Hause zum kranken Kind, anstatt alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass es abgeholt und gut versorgt zuhause von Papa/Oma/Tante/Freunden gepflegt wird, weil ihr der Job (nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familie) wirklich wichtig ist. Männer tun das ständig. Will man da den Arbeitgebern verübeln, dass sie entscheiden, wie sie entscheiden?
    Es fängt nun mal in der Familie an: Wenn man als Frau für seine Wünsche nichts bezahlen will und keinen Mann hat, der sich in wichtigen Feldern nicht mindestens 50/50 mit einbringt weil es IHM wichtig ist, kann man sich alles andere abschminken. Aber das weiß man ja zum Glück vorher. Und wenn man es nicht wissen will, weil man in der Beziehung oder am Arbeitsplatz nie Geld, Verteilung, Konten und Arbeitsteilung diskutiert hat, sollte man sich nicht wundern, wenn man am Ende schlechter dasteht. Das ist dann eben der Preis, um den man nicht herumkommt.
    Zum Gluck ist es nie zu spät, daran zu arbeiten – drücke Euch ganz fest die Daumen, dass es bald wird.

    1. Also sein „HMMM“ bezog ich eher darauf, daß vier Kinder nachmittags einsammeln, mit Essen zu versorgen, zu waschen und ins Bett zu bringen ziemlich anstrengend ist. Auch für mich als Mutter übrigens. Wir versuchen so etwas in der Regel zu vermeiden, denn wir kennen es beide in etwas abgeschwächter Form von denFreitag abenden, wenn einer von uns die Älteste ins Umgangswochenende fährt und der andere die restlichen Kinder ins Bett bringen muss.

      Ich glaube allerdings nicht, dass meine Wünsche mit Abstrichen bezahlt werden müssen. Wären diese Versorger- Ehen nicht viele Jahrzehnte normal gewesen, dann würden die Mütter nicht immer noch den Kindern zugeordnet – vor allem den kranken. Und dann müsste ich mir keine Gedanken machen, ob ich mit 4 Kindern noch einen Arbeitsplatz bekäme.

  12. Ich verstehe sie. Ich habe sechs Kinder und war zweimal verheiratet. Meine erste Frau hat mehr verdient als ich, als unser erstes Kind kam, ich wäre gerne daheim geblieben, sie mochte ihren Job jedoch nicht, also habe ich weiter gearbeitet. In der zweiten Ehe war das Gefälle beim Einkommen riesig und ich musste arbeiten, wir hatten bei vier Kindern keine Wahl.

    Jetzt lebe ich allein, zahle Unterhalt für sechs Kinder und sehe sie kaum.

    Worauf ich hinaus will, sie sind weder ihr Beruf noch ihr Einkommen. Sie bekommen das Schönste, was es gibt, eigene Kinder. Man vergisst viel zu leicht, wie wunderbar sie sind und was für ein Privileg es ist, bei Ihnen seien zu können.

    Ich würde meine sogenannte Karriere gerne dafür eintauschen und sogar auf meine Rente verzichten.

  13. Warum denken alle Mütter immer so rum??
    Ich denke anders: Meine Oma hatte das GLÜCK zu Hause bei den Kindern sein zu dürfen! Damals hat es gereicht das einer verdient hat. Heute kommt man manchmal mit zwei Gehälter plus Kinder nicht über die Runden. Den Haushalt schmeißen ist auch Arbeit.

    1. Den Gedanken hatte ich auch schon. Es hat gereicht – aber oft auch nur, weil die Frau und Mutter gut wirtschaften musste. Sie hat Kleidung gestopft, womöglich selbst genäht und vor allem auch bei Lebensmitteln von A bis Z alles verwertet. Meine Mutter hatte noch ein „Pudding“- Abitur mit Hauswirtschaft.
      Für solch eine Lebensweise fehlt heutzutage aber oft das Wissen und auch etwas die Zeit für. Natürlich ist Haushalt auch Arbeit, die mM nach früher aber nicht gleichberechtigt gewürdigt wurde.

  14. Meinen Werdegang nach der Hauptschule hat auch meine Mutter bestimmt. Berufsfachschule für Bürotechnik hätte es werden sollen. Wirtschaftsschule wurde es. Danach erste eine Ausbildung als Verkäuferin im Einzelhandel (weil ich nichts anderes bekommen hatte), dann noch eine Ausbildung als Bürokauffrau. Als meine Kinder zur Welt kamen, bin ich zu Hause geblieben. Meine Mutter war zu Hause bei den Kindern, die Mutter meines Ex-Mannes war auch zu Hause bei ihm. Als ich mal so frei war und angemerkt hatte, dass ich gerne wieder arbeiten gehen würde wegen meiner Rente, sagte mein Ex-Mann „warum, meine Pension reicht doch für uns beide“. Bei der Trennung sind meine Kinder leider bei ihm geblieben. Als ich intensiv eine Vollzeitstelle gesucht habe, wurde schnell klar, dass ich maximal 2.Wahl bin: zu lange aus dem Beruf raus (17 Jahre zu Hause bei den Kindern), zu alt (ich bin Jahrgang 1966, die Trennung war 2012) und nicht „up-to-date“ mit den aktuellen PC Programmen.
    Leider sind alle meine Jobs mit Jahresverträgen versehen, so dass ich jedes Jahr wieder neu arbeits suchend bin. Das geht an meine Substanz.

    Viele verstehen nicht, warum ich nach den Kindern nicht wieder arbeiten gegangen bin. Zum einen habe ich mich nie mit den Eltern meines Ex-Mannes verstanden und dann bin ich nach dem 2. Kind sehr schwer krank geworden. Bis ich da wieder halbwegs in der Spur war, verging eine Zeit. Wobei ich schon Anfang der 2000er einen Job gesucht habe, aber immer nur Absagen bekommen habe.

    Ich wünsche meiner Tochter, dass es ihr nicht so ergehen wird wie mir. Ihren Beruf hat sie sich selbst ausgesucht. Mein Sohn hat gerade sein Abi geschrieben.

    1. Liebe Pünktchen, ich höre viel wahres Leben aus Deinen Worten.
      Ich hoffe sehr, daß Du Deinen Kindern das Rüstzeug für ihre Leben mitgeben konntest.
      Deinem Sohn noch herzlichen Glückwunsch zum Abitur!

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