Eine kleine Geburt, ein kleines Wochenbett {Sternenkind 10/2015}

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Ich bin müde, so sehr müde.

Die letzten Tage hätte ich nur im Bett verbringen können, so als wären die Schwangerschaft, der Jobbeginn und das Verstecken anstrengend wie ein Marathonlauf gewesen. Wahrscheinlich sind es aber eher der Eingriff samt Vollnarkose und die abfallenden Hormone, die mich so antriebslos machen.

Als ich vor 6 Tagen das große Fehlen auf dem Ultraschall sah, sickerte es nur langsam in mein Bewusstesein. Wie betäubt fuhr ich anschliessend mit dem Bus nach hause, schickte dem Mann vorab noch schnell eine Nachricht, bevor wir uns mit den Kindern am Abendbrottisch treffen würden. Wie wir danach den Abend verbrachten, weiss ich schon gar nicht mehr. Für mich war nur eines klar: ich kann nicht warten, daß es von alleine losgeht. Daß es mich irgendwo überrascht und womöglich so heftig wird, dass es ausser Kontrolle gerät. Meine Gyn legte mir den Gang ins Krankenhaus ebenfalls sehr nahe.

Am nächsten Morgen brachte der Mann also die Kinder zur Kita und Schule. Als er sich dann zuhause fertig machte, schrieb und veröffentlichte ich diesen vorigen Beitrag – also eigentlich schrieb ich einen vorbereiteten Beitrag ein bisschen um und zuende. Diese Worte hätte ich sonst nie alle so zusammenbekommen.

Kurz vor 10 waren wir dann im Krankenhaus und ich war auf Tipp meiner Ärztin nüchtern geblieben, was sich als sehr vorteilhaft erwies. So konnte ich nach einer bestätigenden Untersuchung im Schnelldurchlauf alle Aufnahmestationen inklusive Anästhesieaufklärung durchlaufen und fand mich um 12 Uhr mittags endlich alleine auf meinem Zimmer wieder. Den Mann schickte ich heim – es war nicht klar, um wieviel Uhr ich dran kommen würde und irgendeiner musste die Kinder wieder einsammeln.

Ich hatte Glück im Unglück und ein sehr komfortables Einzelzimmer, wobei mich einzig und allein nur das Bett interessierte: Ankommen. Ausruhen. Heulen.

Ich führte die beiden Tabletten Cytotec ein und wartete darauf, dass das leichte Ziehen, welches mich schon den ganzen Morgen begleitete, stärker werden würde. Auch mit Krämpfen oder leichten Wehen rechnete ich, aber ich merkte kaum etwas von dem Medikament, welches den Muttermund aufweichen und damit die Operation erleichtern soll.

Mir war weder schlecht noch hatte ich andere Anzeichen, dass ich noch schwanger bin. Obwohl ich das letzte Mal vor mehr als 12 Stunden etwas gegessen hatte, verspürte ich keinen Hunger. Ich lag in diesem riesigen Krankenhausbett, fror wie ein Schneider und döste mit Nebel im Kopf vor mich hin. Aber es war okay. Ihr da draussen habt an mich gedacht und Eure Nachrichten haben mich eingehüllt wie eine warme Decke und davon getragen. Das war einfach nur wunderbar! Ich weiss gar nicht, wie ich mich dafür bedanken soll… Die Zeit stand still und ich dachte nach über das kleine Wesen in meinem Bauch und die vielen Möglichkeiten, die es in sich getragen hatte. So viele Möglichkeiten, die es nun nicht mehr geben sollte. So viel Freude, die ich mir selber versagt hatte, weil ich es geheim gehalten habe. So viele Male, wie so etwas tagtäglich auch anderen Frauen passiert. So viele Gründe, warum es passiert.

Plötzlich ging alles ganz schnell: die Schwester betrat das Zimmer und wartete, bis ich mich umgekleidet hatte (OP-Hemdchen, Einwegslip und Thrombosestrümpfe). In der nächsten halben Stunde lernte ich sehr viele Menschen kennen, die sich alle irgendwie um mich kümmern mussten und dabei so nett waren, dass ich mich am liebsten nochmal dafür bedanken würde. Zum Abschied wünschte mir jeder „Alles Gute!“ doch dabei musste ich immer schlucken.
Nix war gut. Nix würde gut werden.
Ich wurde mit dem großen Bett nach unten gefahren, was mir sehr unangenehm war: Ich hätte doch laufen können! Anstatt selbst auf eine OP- Liege umzusteigen, wurde ich über einen witzigen Tisch mit verschiebbarer „Tischdecke“ umgebettet. In einem Vorraum wurde mir dann nach einem schmerzhaften Fehlversuch der Zugang gelegt. Ich weiss nicht, wie oft mein Name und mein Geburtsdatum in dieser kurzen Zeit kontrolliert wurden. Immer hiess es: „Ach, Sie sind doch noch so jung! Machen sie sich keine Sorgen wegen dem Eingriff, es wird alles gut gehen!“
Nein, nichts war gut!!!

Die Ärztin, die ich 4 Stunden vorher kennengelernt hatte, konnte die OP doch selber durchführen, begüßte mich kurz und dann begann auch schon die Narkose. Ich liess mich wegdriften… endlich schlafen und vergessen.

Viel zu schnell wurde ich keine halbe Stunde später wieder wach. Leer. Ohne Kind im Bauch. Unschwanger.

LeereHuelle

Die nächsten Stunden verbrachte ich wieder auf meinem Einzelzimmer. Döste, weinte, las weitere liebe Nachrichten auf meinem Handy, schaute etwas fern und wartete irgendwann ungeduldig auf meine Entlassung. Der Mann und die Kinder warteten knapp 2 Stunden (mit einer Pommes- Unterbrechung) unten im Auto auf mich.

Fast 12 Stunden nach meinem Aufbruch kamen wir wieder zuhause an. Die Große schlief direkt weiter, die Kleinen brauchten noch etwas und wollten unbedingt zu mir ins große Bett. Nach dem großen Krankenhausbett kommen mir „meine“ 60 Zentimeter im Familienbett plötzlich sehr kuschlig vor. Der Bub zog plötzlich seinen Schlafanzug hoch und bestand darauf, dass ich meine Hand auf seinen warmen Kinderbauch lege. Eine Geste, die meiner Hand noch sehr bekannt vorkam.

Schon am Samstag ging es mir bis auf die Mattheit schon wieder ganz okay, also körperlich. Der Beckenboden schwächelt, das merke ich deutlich. Und schlafen könnte ich ständig.

Seitdem schlage ich mich so durch: Familienalltag, letzte Geburtstagsfeierlichkeiten für die große nun 6jährige Tochter und nicht zuletzt die Bindehautentzündung der Kleinen, die mir mein sehnsüchtig erwartetes kleines Wochenbett zuhause in den letzten beiden Tagen etwas verhagelt hat. Dazu weicht mir die Kleine aktuell nicht mehr von meiner Seite – schon seit Wochen schläft sie die 2. Nachthälfte nur in meinem Arm weiter und ist auch tagsüber etwas anhänglicher gewesen – ich dachte jedoch, das gibt sich wieder und hätte mit meiner Jobabwesenheit zu tun. Aber seit einigen Tagen ist es noch viel extremer geworden: ich kann nicht den Raum verlassen, ohne dass sie mir hinterher kommt. Alleine auf Toilette gehen? Nur mit Gebrüll auf der anderen Seite der Tür. Mal in Ruhe auf dem Sofa liegen? Sofort sitzt sie auf mir, will hüpfen, zubbelt an meinen Haaren. Es ist anstrengend, dabei überhaupt etwas Raum und Ruhe für mich zu bekommen. Ich muss darum kämpfen, heute ist der erste Tag an dem ich wirklich ganz allein bin. Gestern abend hätte ich die Wände hochgehen können, als sie nur unter Gebrüll ins Bett ging. Ich konnte einfach nicht mehr und bin ins Wohnzimmer geflüchtet. Der Mann musste übernehmen.

Mein Herz blutet – mein Körper blutet. Wie geblendet stand ich in der Drogerie vor dem Regal mit den Binden: mit Flügel oder ohne? Vollplastik, Halbplastik oder sogar mit Seidenoberfläche? Nach jedem Aufstehen fühle ich unangenehm, warum ich die Dinger brauche. Im richtigen Wochenbett, stillend und mit Neugeborenem war mir das irgendwie immer ziemlich egal gewesen. Jeder Toilettengang erinnert mich momentan daran, was passiert ist. Die blauen Flecken der Zugänge tun es in der Zeit dazwischen (ich sehe am Unterarm aus wie verprügelt). Ich kaufe wieder Schwangerschaftstests – um zu sehen, wie schnell das HCG aus meinemKörper wieder verschwindet. Denn noch mehr Fehlen im Büro will ich in nächster Zeit nur im Notfall und nach Möglichkeit nicht alle 2 Wochen zur Blutabnahme müssen.

Das Paket mit der bestellten Umstandskleidung kam doch tatsächlich einen Tag nach dem Eingriff hier an (und ist schon wieder auf dem Rückweg, weil eh nichts passte). Ich begrüßte am Sonntag irgendwie den neugeborenen Babyneffen und frage mich ständig, ob ich eine neue Schwangerschaft überhaupt noch aushalten könnte. So viel Kraft, die mir gerade fehlt. So viel Hoffnung und Freude, die ich zuerst versteckte und die sich dann einfach so zerschlug.

Geht das irgendwann wieder? Und wie viel Angst werde ich dann haben?

(Hätte ich vielleicht doch weniger Kaffee trinken sollen? Und was ist mit meinem geliebten Lakritz – war das zuviel? Wäre es anders gewesen, wenn ich mich mehr ausgeruht hätte? War es der Wein in der 1. Zyklushälfte? Habe ich am Wickeltisch nicht genug auf Tritte aufgepasst? Die Erkältung hatte ich auch nicht richtig auskuriert… Das alles geht mir manchmal noch durch den Kopf – auch wenn ich weiss, dass es sehr wahrscheinlich überhaupt gar nichts damit zu tun hat)

Viele von Euch haben mir so liebe Zeilen geschrieben, haben etwas Ähnliches bereits auch erleben müssen. Viele haben anschliessend ganz normale Schwangerschaften erlebt und gesunde Kinder bekommen, das macht Mut.

Ich danke Euch für Eure Offenheit <3


Ich habe wirklich überlegt, was ich mit den ganzen unveröffentlichten Beiträgen mache – schon gestern habe ich einen ersten Teil online gestellt, weil sie dazu gehören. Der zweite Teil ist seit eben zu lesen. Sie würden auf dem Blog sonst fehlen.

Eine Ahnung und ein leichter 2. Strich

11 Tage nach Eisprung ist es deutlich: Da ist etwas unterwegs!

Wie sage ich es dem Mann?

4+0 bzw. Beginn der 5. Woche

Zusammenfassung der 5. Schwangerschaftswoche

Die 6. Schwangerschaftswoche

Der neue Job (7. SSW)

Wubttika und ein erster Arztbesuch (8. SSW)

Zusammenfassung 9. Schwangerschaftswoche


 

31 thoughts on “Eine kleine Geburt, ein kleines Wochenbett {Sternenkind 10/2015}

  1. Bei mir wurde es besser, langsam aber nur und aktuell, im errechneten Geburtsmonat ist es wieder ganz schlimm. Es ist nicht einfach für mich und wird es vielleicht nie sein, nur mal weiter weg und wieder näher dran. Ich wünsch dir viel Kraft und viel Liebe von deinen Lieben für dich. ((()))

  2. Oh Du Liebe, ich wünsche Dir von Herzen die Zeit und die starken Arme, die Du brauchst, um mit allem umgehen zu können. Danke, dass Du auch dieses intensive Thema mit uns teilst. In der Theorie weißt Du sicher, dass es am Lakritz nicht lag und das viele Frauen dann wieder ganz problemlos schwanger wurden und gesunde Kinder bekamen. Ich wünsche Dir, dass auch das Herz und das Gefühl das bald so sehen können.
    Alles Liebe
    Lena

  3. Bei so etwas gibt es einfach nicht die richtigen Worte und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gut gemeinte Ratschläge eben nicht gut sind.
    So hoffe ich, dass es dir hilft zu wissen, dass ich mit dir fühle und dich in Gedanken ganz fest umarme.
    Liebe Grüße

  4. Es tut mir so unendlich leid für euch. Ich hoffe du findest deine Zeit um damit besser klar zu kommen. Ich wünsche dir viel Kraft und drück dich ganz fest :-)

  5. Unendlich viel Zuneigung, Dankbarkeit, Demut und Respekt. Die Offenheit, mit dem Erlebten so umzugehen, die Menschen daran teilhaben zu lassen, den Hilfe Suchenden, die in ähnlichen Situationen nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.
    Ich habe am gleichen Tag, als ich vom abrupten Ende erfuhr, eine Kollegin den letzten Tag in den Mutterschutz begleitet. Sie sah meine feuchten Augen, fragte, was sei. Ich konnte nur hauchen „Danach!“ und deutete liebevoll auf ihre Molle. Und sie verstand.
    Die Kraft, in dieser Situation damit umgehen zu können, hab ich in diesem Moment vom vermeintlich schwächsten Glied der Kette bezogen: Von dir.
    Nochmal: Einfach nur <3. Danke, dass du bist.

    Dein Steffen

  6. Ach man, du Arme, fühl dich gedrückt.
    Ich finde mich so sehr wieder in deinem Beitrag, du schreibst so viele Dinge aus, die mir genauso durch den Kopf gehen und die ich nicht in Worte fassen konnte. Danke Danke Danke dafür.
    Mein Sternchen hat sich Samstag früh am morgen verabschiedet, in der 8.SSW. Zuhause, es hat mir die Entscheidung Klinik oder nicht abgenommen und ich danke ihm dafür.
    Jetzt stehe ich wie du doof vor dem Bindenregal und hasse es.
    Es ist, als wäre man plötzlich in einem Club in dem man sie sein wollte.

    Ich wünsche dir Kraft und positive Gedanken für die nächste Zeit.

    Missy

  7. Nichts und niemand hat Schuld daran, insbesondere nicht der Kaffee, nicht das Lakritz, nicht der Wein vor Eisprung.

    Die Gedanken sind aber normal, lass sie ruhig zu. Es wird (aus eigener Erfahrung raus) besser! WIRKLICH!!!

    Fühl dich umarmt!

  8. Es WIRD besser! Und der Kinderwunsch kehrt zurück , so wie auch die Selbstzweifel und die Schuld bei sich selbst zu suchen verschwinden werden. Was hilft , nach der Anfangstrauer, ist das Wissen das man bereits gesund und munter um Einen wuselnde Kids hat. Ich war sehr dankbar darum, denn so wusste ich zumindest das mein Körper prinzipiell in der Lage ist , ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.
    Und auch wenn ich immer noch traurig deswegen bin und das der ET vom WUTZ exakt 1 Jahr nach dem ET des Sternchens liegt , macht es nicht besser – aber im Nachhinein (und das kannst du im Moment so gar nicht hören und brauchen und auch ich tue mich mit der Wortwahl schwer)… ist der Zeitpunkt aktuell viel besser. Erna hat mich damals oft in den Bauch getreten , jetzt unterstützt sie mich unbewusst so gut sie kann , läuft alle Treppen usw. komplett selbst. Auch das diese Schwangerschaft nicht so einfach ist , lässt sich mit ihr im jetzigen Alter besser überstehen. Ich vermisse mein Sternchen und ab und an holen mich Gedanken ein (würde es jetzt hier bereits fröhlich rum krabbeln? ) , aber das ist normal.
    Und auch du wirst deine Kraft und deinen Mut wieder finden! Doch aktuell hast du auch jede Berechtigung traurig zu sein und auch zu trauern und Ruhe einzufordern!

  9. Es wird besser. Aber es braucht Zeit. Und vergessen kann man es nie. Ich hatte mit 16 eine Fehlgeburt in der 17.SSW und konnte damals auch keine Unterstützung aus dem Umfeld bekommen, eben weil keiner Bescheid wusste. Aber irgendwie war das auch ganz gut so, denn so musste ich auch nicht immer wieder erleben, wie ich gefragt werde und dann erzählen muss. Deshalb war ich hinterher sehr vorsichtig und habe mindestens 12 Wochen gewartet bis ich auch nur der Familie von einer Schwangerschaft erzählt habe, weil ich Angst hatte hinterher nicht nur die Freude sondern auch den Schmerz so oft „auffrischen“ zu müssen. Nachdem ich eine gesunde Tochter hatte bin ich jetzt wieder in der 18. Woche schwanger und ja…diese Zeit in der Schwangerschaft ist für mich jedes mal schlimm und ich renne irgendwann zwischen den Terminen zum Arzt, nur weil ich sehen muss, dass der Zwerg noch lebt. Was für mich ganz schlimm ist: ich habekeine Erinnerungen an das Sternenkind, also empfehle ich alles was man so hat aufzubewahren, seien es Ultraschallbilder, den Mutterpass, was auch immer. Selbst wenn man es im ersten Moment nicht sehen will…dann irgendwo in die hinterste Ecke legen und warten. Aber später keine Erinnerungen zu haben ist schlimm. Ich habe jetzt eben „Erinnerungen“ in anderer Form, einen sternförmigen Kerzenständer, dessen Kerze oft brennt, ein gläsernes Fensterbild mit einer Sternschnuppe… Der letzte Satz ist so wahr…

  10. Mach Dir keine Sorgen! Du bist nicht schuld daran!! Niemand ist schuld.

    Und ja – Du wirst die Kraft wieder gaben für eine Schwangerschaft, aber Du wirst dabei Sucher auch mehr Angst haben, Dir ständig Gedanken machen, viel vorsichtiger sein.

    Doch am Ende wird alles gut. Glaub mir! Ich habe es selbst erlebt…

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft! Liebe Grüße, Nadine

  11. Ich habe deinen Beitrag gelesen und fühlte mich direkt zurückversetzt in den Herbst 2010, als ich unsere Zwillinge verlor (11. Woche), nur dass ich mich heute gegen den Eingriff und für den natürlichen Lauf der Dinge entscheiden würde.
    Alles, was an dem Tag, an dem festgestellt wurden dass die kleinen Herzen aufgehört hatten zu schlagen und der Tag danach in der Klinik passierte, liegt irgendwie im Nebel und ist doch so klar.
    Danach verlor ich noch ein Kind, sehr früh in der 6. Woche.
    Das ist nun 5 Jahre her und ich halte nun meinen wunderbaren 4 jährigen Sohn im Arm.
    Von Jahr zu Jahr wird es besser, ich brauchte viel Zeit. Schreib und rede dir alles von der Seele, vielleicht auch bei einer Hebamme. Die Hebammen waren es, die mir das Vertrauen in meinen Körper wieder zurückgaben und mir dabei halfen die Schwangerschaft mit unserem Regenbogenkind sogar zu genießen.
    Ich wünsch dir alle Kraft und Zuversicht der Welt !

  12. Ich sende dir unbekannterweise eine Umarmung und einen Sonnenstrahl.

    Es wird besser. Mit der Zeit. Und auch gut, nur ein anderes gut. Ein bißchen fühlt es sich an wie eine Welt in der es mehr „hätte“ und „wäre“ gibt, wie eine Parallelwelt.
    Bald 3 Jahre ist die Geburt meines ersten Sternenkindes her, 2 Jahre seit dem zweiten Sternenkind. Und noch immer tut es weh. Aber es hat seinen Platz im Leben eingenommen. Ist ein Teil unserer Familiengeschichte geworden.
    Es wird niemals Sinn ergeben und niemals werde ich das „Alles im Leben hat seinen Grund“ akzeptieten. Meine Kinder sind gestorben und mit ihnen ein Teil von mir und die Zukunft, die wir uns schon ausgemalt hatten.
    Dennoch bin ich wieder glücklich und ich wünsche dir, dass es auch dir gelingt.

    7 Wochen alt ist übrigens das große Wunder, das ich im Arm halten darf.

    Ich wünsche dir viel Kraft und Verständnis von den Menschen um dich herum.

  13. Ach Mensch, es tut so weh deinen Text zu lesen. Ich bewundere es, dass du so offen damit umgehst. Vielen Dank.
    Aber tröste dich, die Ursache wirst du vermutlich nie erfahren. Und du bist nicht schuld!!!
    Meine Tochter hat nach 2 Sternenkindern 2012 ihre Tochter bekommen und vor 7 Wochen nach weiteren 2 Sternenkindern ihren Sohn. Du siehst, du bist nicht allein.
    Aber wenn du es dir wirklich wünschst, wird es auch wieder klappen. Lass dir Zeit.
    Viel Kraft dir und deinen Lieben.
    LG Manuela

  14. Hut ab, nur selten traut sich jemand so offen zu sein. Ich hatte in den letzten Jahren 3 solcher „Missed Arbotionen“. Ich finde es richtig und wichtig, wie du beschreibst das es sich um eine „kleine Geburt“ und auch um eine kurze Wochenbettzeit handelt. Das habe ich mir bei den ersten beiden mal nicht zugestanden, erst als ich beim 3. mal heftige Komplikationen hatte, habe ich mir gegönnt. Mit der Traurigkeit lebe ich Tag für Tag und ich finde es wichtig sie zu zulassen. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Zuversicht.

  15. Es ist wirklich toll, wie offen und ehrlich du über diese schlimme Erfahrung schreibst.

    Bevor meine Tochter zur Welt kam hatte ich auch einen Missed Abort, festgestellt in der 13. SSW. Vieles was du schreibst kenne ich daher gut und es ging mir in vielerlei Hinsicht ähnlich.

    Ich habe mir auch Vorwürfe gemacht und mich immer wieder gefragt, ob ich etwas falsch gemacht habe – zu viel Stress, etc. Aber so sollte man wirklich nicht denken. Damit hat es eigentlich nie etwas zu tun.

    Als ich mit meiner Tochter schwanger war, musste ich bis zum 4. Monat arbeiten (in der Altenpflege – schwer heben inklusive) und es ist alles gut gegangen.

    Eine neue Schwangerschaft wird sicherlich mit Ängsten verbunden sein, aber lass dich dadurch nicht entmutigen oder gar abhalten. In deinem Sternchen hast du doch jetzt einen tollen Schutzengel für das nächste Wunder :)

    Alles alles liebe wünsche ich dir!

    Liebe Grüße, Biene

  16. Der Schmerz über den Verlust Deines Kindes wird immer zu dir gehören, aber er wird dich auch für immer mit diesem ungeborenen Kind verbinden! Nach meinem Sternenkind, das ich in der 10. Woche verlor, wurde ich vier Monate später wieder schwanger. Auch dieses Kind verlor ich – es hatte Trisomie 18. Nie habe ich Schlimmeres erlebt. Ich habe mich noch einmal getraut, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon 42 Jahre alt war. Der kerngesunde, wunderbare und süße kleine Junge, der heute vor zwei Jahren geboren wurde, hat mich wieder mit meinem Schicksal versöhnt. Meine Sternenkinder werde ich aber trotzdem nie vergessen! Ich wünsche Dir alles Gute!

  17. ein emotional bewegender Bericht. Ich wünsche dir viel Kraft dieses traurige Schicksal gut zu verarbeiten. Ich selbst habe das vor genau 6 Monaten durchlebt und gedacht nie wieder danach lachen zu können. Was hilft sind die warmen Momente mit vorhandenen Kindern,dem Ehemann, der Familie oder guten Freunden. Manche Seelen müssen einfach nochmal geboren werden,damit sie ihren Platz beim lieben Gott endlich finden.

  18. Danke dass du das Unsagbare aufgeschrieben hast! Es tut gut zu wissen wie es ist, auch wenn man natürlich niemals möchte dass es einen selbst trifft.

    Unsere alte TaMu hatte das erste Ultraschallbild eingerahmt im Wohnzimmer auf der Fensterbank stehen und so war dieses Sternenkind immer präsent, während drumherum das Leben tobte. ❤

  19. Meine Liebe! Meine Starke! Meine Schwache! Ich sitze hier und weine – ich weine um Dein Sternchen und um die schönen Gedanken, die Pläne und Gefühle, die beraubt mit dem Sternchen gehen.
    Ich weine, weil ich weiß wie DU Dich fühlst, weil ich die Bilder wieder vor Augen habe und die Gefühle spüre. Weil ich den Geruch des OPs in der Nase habe und die Augen der Ärzte sehe, die um mich herum standen und warteten, dass ich endlich einschlafen würde…. Ich höre die Geräusche und spüre den Schmerz nach der Geburt. Noch niemals zuvor hatte ich ein Kind bekommen und doch spürte ich Wehen – Wehen die mir kein Kind bringen sollten. Wehen die mir viel mehr bewusst machten „nun ist es vorbei, für immer“.
    Ich würde Dir gerne so vieles sagen, ich würde Dich gerne umarmen und einfach neben Dir sitzen. Aber ich glaube ich weine einfach mit Dir. Um Dein Sternchen- um mein Sternchen. Darum das Sterne am Himmel stehen – vielleicht nun gemeinsam.
    Es wird alles gut – das waren die schlimmsten Worte in der Zeit für mich – nichts war gut und es fühlte sich auch nicht so an, als wenn wieder alles gut werden würde. Es wird besser, aber das fühlt sich jetzt nicht so an für Dich. Das fühlt sich nicht immer so an für mich, denn noch heute denke ich an meinen kleinen Stern.
    Wenn ich sage es wird besser und dann nach fast zehn Jahren weine, wenn ich Dir diese Zeilen schreibe, schenkst Du mir dann noch Glauben? Ist dann der Satz „es wird alles gut“ realistisch?
    Wenn ich Dir sage, die Zeit wird alle Wunden heilen und mich dann noch so intensiv an Gerüche, Gefühle, Geräusche und Gedanken erinnere, wie kann ich mir dann selber glauben???

    Ich weiß das es weiter gehen wird – aber es wird nicht wie vorher seien. Das Thema wird irgendwann weiter in den Hintergrund geraten, aber es wird niemals verschwinden. Genau wie das Gefühl, dass ich nicht komplett bin. Ist das der Wunsch nach einem zweiten leiblichen Kind oder ist das das Loch in meinem Herzen in dem das Sternchen wohnt????

    Meine Liebe, ich möchte Dir nichts raten, ich möchte Dir nichts vormachen, ich möchte Dir aber auch keine Angst machen, ich möchte Dir einfach meine Hand reichen. Wenn Du möchtest, nimm dem ganzen Arm für eine Umarmung – wenn Du keine Berührungen möchtest, dann nehme Dir meine Gedanken voller Liebe und Kraft und Mitgefühl!!

    Ich denke an Dich
    JesSi Ca

  20. Ach Du Liebe, ich will einfach nur sagen: fühl Dich fest gedrückt. Ich kann Deine Trauer, Deine Gefühle so gut verstehen. Aber mache Dir keine Vorwürfe. Ich wünsche Dir viel Kraft, Momente für Dich und alles Gute für die Zukunft- egal ob da noch ein Zwerg folgt oder nicht. Lass die Trauer zu, Dein kleiner Stern ist für immer ein Teil von Dir. Und er ist jetzt bei all‘ den anderen Sternenkindern und wird es dort gut haben. Alles, alles Liebe, Anna

  21. Du Liebe (Unbekannte),

    ich finde es sehr mutig, dass du deine Eindrücke teilst. Ich danke dir dafür. So fühle ich mich nicht mehr so arg alleine und darf das ein oder andere Tränchen weinen – aus Mitgefühl und über unseren eigenen Verlust im Sommer. Es tut mir sehr leid, dass auch ihr ein Sternenkind habt.

    Ich bin besonders berührst, weil dein Blogname uns Inspiration für den Namen unseres Schwangerschaftsblog war. Wir haben ihn für uns passend zugeschnitten und dann wurde aus dem Schwangerschaftsblog sehr schnell ein Sternenkindblog. So war das nicht gedacht.

    Erhole dich gut !

    Viele liebe Grüße
    Andrea, die sich wundert, wie lange es dauert, eine Fehlgeburt zu verdauen.

  22. Da kommen so viele Erinnerungen hoch beim Lesen, ob die Fragen im Herzen, die Zeit im Krankenhaus, das nicht aufarbeiten können, weil da soviel Leben um einen herum tobt, gerade mit mehreren Kindern, die Sätze, die man hören muss, weil einem nicht die Ohren abhanden gekommen sind, der Nebel, das Taube, das Gefühl, nein die Fragen, ob man das jemals wieder durch stehen kann… Irgendwann kommt die Zeit, da braucht jemand anderes deine Kraft und du wirst sie genau dann haben, ob in Unsicherheit und Angst oder ganz stark über dich hinauswachsend und zuversichtlich, du wirst noch mal mutig sein, wenn die Zeit dafür gekommen ist…
    Man hat mir damals auch gesagt, es sei mutig, dass alles zu teilen und öffentlich aufzuschreiben, aber ich wäre stumm verrückt geworden, du hast mich sehr nachdenklich gemacht heute mit deinem Gedanken über sich selbst die Freude nehmen, weil man es geheim gehalten hat… Fühl dich umarmt, ganz fest! Du hast getan, was möglich war, du hast geliebt und dich gefreut- ihr seid Eltern eines Sternenkindes. <3

  23. Ich kann mir gut vorstellen, wie Du Dich fühlst, und ich bin sehr berührt von Deinen Worten. Danke, dass Du dieses sensible Thema mit uns teilst. Ich habe es nicht erlebt, habe aber große Angst davor. Ich versuche gerade zum dritten Mal schwanger zu werden (ich habe zwei Kinder), und die letzte, um 10 Tage verspätete Regel fühlte sich auch an wie ein kleiner Tod, aber es gab in meinem Alltag überhaupt keinen Platz für irgendwelche Trauer. Diese winzigen Tode bekommt keiner mit außer einem selbst. Da habe ich eine klitzekleine Vorahnung bekommen, was es bedeuten könnte, was Du gerade erlebst. Deswegen sei Dir gewiss, Menschen wie ich denken an Dich und sind bei Dir. Wir umarmen Dich aus der Ferne, ohne dass wir Dich kennen.

    Liebste Grüße! Viviane aus Berlin

  24. Ich wünsche Dir Kraft und Liebe und v.a. Mut Dich an das Seelchen zu erinnern, dass da so kurz bei Euch war. Es hat Eure Familie berührt und Spuren hinterlassen, das kann nicht einfach wieder „gut“ sein. Das tut so weh es gehen lassen zu müssen und ist so schwer auszuhalten und so unverständlich, warum es nur so kurz bleiben konnte.
    Fühl Dich unbekannterweise umarmt von jemandem, der auch gerade ein Sternlein gehen lassen musste und obwohl es früher war als bei Dir, hat es mich umgehauen, ist es nach Wochen immer noch kaum erträglich, treibt es mir so viele Tränen in die Augen…
    wie schön, das Euer Kind hier jetzt einen Platz bekommen hat, verewigt wurde.
    Alles Liebe für Dich und Deine Familie.

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