Wünsche und Erfüllung und Enttäuschung

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Schon häufiger habe ich angedeutet, dass ich ein 4. Kind nicht wirklich ausschliessen möchte, aber mit dem Zeitpunkt etwas hadere…

Zwiespalt pur!

Lieber sofort?
Ich bin doch gerade noch so drin bzw noch nicht richtig raus aus dem Thema? Aber raus wäre ich ja dann aus dem Job bzw. wohl gar nicht erst wieder rein gekommen? Und meine Hebamme – würde sie dann überhaupt noch arbeiten?
Aber ich, ich würde doch auch so gerne wieder arbeiten und wichtige Dinge machen und eigenes Geld verdienen! Und dieses Gefühl von diesem Leben in mir drin spüren, eine Geburtshausgeburt erleben und diesen unverwechselbaren Babyduft einatmen!

Eine Geburt im Krankenhaus möchte ich unter allen Umständen vermeiden, wenn es irgendwie geht. Wer aber kann mir versprechen, dass ich in 2 oder 3 Jahren überhaupt noch eine Hebamme finde, die meine Geburt ausserklinisch begleiten darf? Für mich ein ganz wichtiger Grund, mit der Umsetzung des Kinderwunsches nicht noch Jahre zu warten.

Und dann kommt alles anders…

Dann war da dieser Stress mit meinem alten Büro, dann die Fügung mit dem neuen Büro und trockene Tinte unter einem Arbeitsvertrag. Ein letzter Zyklus vor dem Arbeitsbeginn und ein Eisprung, der wohl doch noch nicht vorbei war. Aber in den Monaten vorher war ja nie was passiert, dann würde jetzt doch auch nix…
Nein, oder?
Oder doch?

Etwa 10 Tage danach sass ich auf der Terrasse, langweilte mich einerseits und schaute auf neue schicke Blusen, während in mir drin ein kleiner Sturm tobte und ich diesen 2. schwachen Strich auf dem Test nicht aus dem Sinn bekam!

Mein Baby! Mein Wiedereinstieg!
Mein BABY!
Mein neuer JOB!
Und die Gewissheit: ALLES WIRD GUT!
Irgendwie.

Ich bzw. wir haben es also irgendwie bewusst unbewusst drauf ankommen lassen. Vor allem ich, die sonst für alles einen Plan braucht und gerne noch 2 Alternativen in der Hinterhand hat… *bitte hier trockenes Lachen einfügen* Aber es war ganz einfach, wirklich!
Was sollen wir denn gross planen, wenn wir beide doch ganz genau wissen, dass hier noch ein Platz frei ist?

Und dann kommt wieder alles anders…

Es fiel mir wirklich soooo schwer die Klappe zu halten, ehrlich! Wochenlang sass ich auf meinen Fingern, tippte Beitrag um Beitrag während der Zugfahrten in mein Smartphone – alle als Entwurf. Ich legte den ersten Termin bewusst erst spät (in die 8. Woche) um auch wirklich ein Herzchen schlagen zu sehen. Und das tat es! 1cm Würmchen bekam ich als Foto mit nach Hause.

Eigentlich sollte es heute der Arbeitgeber erfahren, denn gestern hatte ich die 1. richtige Vorsorge und bestand auf einen Ultraschall. Mit dem Verbergen des Bauches ist es nämlich gar nicht so einfach gewesen und ich wollte sicher gehen, dass alles in Ordnung ist.

Und eigentlich sollte dieser Beitrag heute die frohe Kunde endlich in die Welt verbreiten.

Stattdessen werde ich gleich ins Krankenhaus aufbrechen und mich dort vorstellen. Die Ärztin fand gestern nämlich keinen Herzschlag mehr und wurde plötzlich ganz still. Auch der Wechsel zum anderen Ultraschallgerät brachte kein anderes Ergebnis. Selbst bei der Doppler- Untersuchung blieb alles schwarz-weiss und ruhig.

Kein Herzschlag mehr, obwohl ich ihn am Wochenende sogar zuhause schon mit einem kleinen Sono- Gerät selber finden konnte. Ansonsten ist aber alles zeitgerecht entwickelt und das kleine Wesen ist 2,7cm gross, aber eben ohne Herzschlag. Irgendwas lief wohl schief im geheimen Bauplan der Natur.

Ende der 10. Woche bin ich jetzt, eigentlich seit heute in der 11.

Ich hatte mich sooo sicher gefühlt!

Ich war so glücklich, hatte schon so viele Pläne und Gedanken in meinem Kopf!

Ich habe Tage voller Übelkeit und Müdigkeit im neuen Büro überstanden und mir nichts anmerken lassen, habe #WUBTTIKA gewuppt, habe den Bauch versteckt und mich mit dem Mann über unseren kleinen Maikäfer gefreut. Ich habe bestimmt 10 fertige Beiträge im Entwürfe- Ordner nur über diese Zeit und im Kleiderschrank fällt mir die Umstandskleidung entgegen. Demnächst wird noch ein Paket mit Schwangerschaftsblusen und -shirts hier ankommen.

Ich werde sie wohl nicht mehr brauchen.

55 Gedanken zu „Wünsche und Erfüllung und Enttäuschung

  1. ? Das tut mir wirklich sehr, sehr Leid! Ich weiß genau, wie Du Dich jetzt fühlst. Letztes Jahr im Sommer habe ich den gleichen schweren Weg zum Krankenhaus gemacht, um mich für immer von meinem Sternchen zu verabschieden. Das tut sehr weh. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft! Alles Liebe, Nadine

  2. Ich habe nur eine leise Ahnung davon, wie es dir jetzt gehen mag, trotzdem: ich denk an dich, fühl dich gedrückt!

    Alles Liebe ♥
    Nadine

    Ps.: Es gibt ein tolles Buch von Hannah Lothrop: ‚Gute Hoffnung – jähes Ende‘

  3. Vor vier Jahren habe ich in der zehnten Woche exakt das gleiche erlebt. Und muss bei der ruhigen Schilderung Deines Verlustes direkt weinen. Ich wünsche Dir, dass Du Dich bald mit Deinem Schicksal ausgesöhnt fühlst!

  4. Meine Liebe, es tut mir so leid, was du gerade erleben musst. Ich wünsche dir viel Kraft und dass nach dem Regen wieder Sonnenschein kommt – und ihr bald Mut für einen Juni-, Juli-, August-, September- oder Oktober-Käfer fasst.
    Ich umarme dich in Gedanken!

  5. Das ist so traurig und wird wohl immer ein Loch in deinem Herzen hinterlassen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man sich in diesem Moment fühlt und dass man denkt, es würde nie wieder hell werden… Man lernt, damit zu leben aber es wird trotzdem für immer ein Teil von dir bleiben.
    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.
    Eigentlich fehlen einem nach dem Lesen so eines Blogposts die Worte. Aber ich wollte auch nicht einfach wieder gehen, ohne einen Kommentar hiergelassen zu haben.
    Es tut mir wirklich unfassbar leid und ich würde dich jetzt gerne fest in den Arm nehmen! ((( )))

  6. Liebe Susanne,

    das tut mir wahnsinnig leid. Natürlich passiert das öfter, als man denkt und manchmal vielleicht, ohne dass man es weiß. Trotzdem ist es für die meisten Mütter ein echter Verlust, den man gründlich verarbeiten muss, damit er einen nicht eines Tages einholt. Es ist wichtig, sich die Trauer einzugestehen und Zeit dafür zu nehmen. Das Sternenkind zu verabschieden, am besten mit irgendeiner Zeremonie. Leider weiß ich das durch die Erfahrung, die eine gute Freundin von mir machen musste :(

  7. Liebe Susanne,
    mir fehlen die Worte, es tut mir so leid für dich und euch.
    Ich wünsche dir viel Kraft und sende dir eine feste virtuelle Umarmung.

  8. Das tut mit sehr leid :(
    Ich habe es dieses Jahr auch erlebt. Es ist alles andere als schön. Ich/wir durften direkt im Anschluss wieder versuchen. Und obwohl es auch nicht so richtig geplant war, eher so.. platz ist da.. wäre ok.. aber passiert ja schon nicht.. danach wollten wir dann! Und es klappte im ersten Versuch direkt nach der Ausschabung. Jetzt bin ich in der 29.Woche und hoffe, dass weiter alles gut geht.
    Also schick die Sachen nicht zurück.. :)

  9. Hallo liebe 0.2
    Es ist so unsagbar schlimm ein winziges, aber geliebtes Wesen zu verlieren, es nicht ein einziges Mal im Arm halten zu können. Ich fühle mit dir.
    Ich nähe in einer Gruppe für Sternenkinder, auch so kleine Winzlinge wie deines. Hast du etwas für den kleinen Stern zum anziehen?
    Ich persönlich gehe in Urlaub aber eine liebe Freundin von mir hilft gerne für mich aus. Diesen Beitrag sende ich in unsere Gruppe „nähen für Sternenkinder 2.0“ alles Liebe und ganz viel Kraft für dich und deinen Mann. ????

  10. Es tut mir sehr leid!
    Ich habe vor drei Wochen auch einen Maikäfer ziehen lassen müssen. Es ist einfach nur traurig. Und man kann gar nichts sagen was hilft. Viel Kraft wünsche ich dir.

  11. Liebe Susanne,

    ich kann sehr gut mit dir mitfühlen, auch ich habe dies in der Frühschwangerschaft erlebt. Ich möchte dir meine Erfahrung mitgeben, dass es mir unglaublich gut tat, mich in Ruhe von meinem Kind zu verabschieden. Ich habe gewartet, bis mein Baby sich von selbst verabschiedet hat, nicht einfach ein paar Tage später ins Krankenhaus zu fahren und mir das Kindchen entfernen zu lassen. Meine Hebamme hat mich in dieser schweren Zeit zu Hause begleitet.

    Viel Kraft für dich und deine Familie!

  12. Ich kann so gut nachvollziehen wie du dich fühlst:(
    Geplant ungeplant, zwei so kräftige Striche, und beim ersten US nichts. Okay, vielleicht noch warten, beim zweiten NICHTS, kein Herzschlag.
    Fühl dich gedrückt!

  13. Auch wenn wir uns nicht kennen, fühl Dich ganz ganz fest gedrückt ❤️. Es tut mir sehr leid für Euch und ich schicke Dir ganz viel Kraft!

  14. Ich fühle mit Dir, hatte diese Erfahrung vor rund 20 Jahren in meiner ersten Schwangerschaft machen müssen. Wurde danach aber dreimal Mutter von gesunden Kindern, insofern wünsche ich Dir jetzt einfach Kraft und alles Gute.

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