Trauerbegleitung

Abschied, Tod und Trauer – wie macht man das als Mutter von 3 Kindern?

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Familie | Eltern | Patchwork, gedacht | geherzt | gefühlt

Es fällt mir nicht leicht, das hier zu schreiben, obwohl ich schon sehr lange im Kopf überlege, wie und was ich schreibe.

Und dass es mir gut tun wird.

Es bedeutet es zuzulassen und es noch ein bisschen realer werden zu lassen – „Wenn ich es keinem erzähle, ist doch nichts passiert, oder?“ Aber es ist nicht mehr wegzuschieben…

Mein Vater, mein über siebzigjähriger Vater liegt seit kurz vor Silvester im Krankenhaus. In den letzten Jahren war er zwar etwas schmaler und anfälliger geworden, aber er ist eben auch schon etwas älter. In den letzten Monaten aber ist er regelrecht verfallen. Ende September, als wir zum ersten Mal ein gemeinsames Familienfoto schiessen liessen, war es schon auffällig.

Ich ahnte damals schon, dass sich bald einiges ändern würde. Dass bald nichts mehr so sein würde wie früher. Es machte mir Angst. Und doch wusste ich, dass es der Lauf der Dinge sein würde.

Ein paar Wochen später Anfang November auf der diamantenen Hochzeit meiner Großeltern (mütterlicherseits) war er noch schmaler geworden und hatte in dieser Zeit schon erste körperliche Aussetzer. Aber zum Arzt gehen? Iwo! „Geht vorbei!“ sagte er. Wir bzw. meine Mutter mussten ihn regelrecht dazu zwingen, aber viel kam nicht dabei herum. Auffällige Blutwerte, Antibiotika, weitere Abstriche und dann brachen auch schon die Weihnachtsferien an. Gleichzeitig ging es los mit seiner Appetitlosigkeit.

An Weihnachten selbst wurde sein Zustand immer kritischer, so dass wir kurz danach einen anderen Arzt mit geöffneter Praxis anriefen. Meine Mutter bekam sofort eine Einweisung für ihn ins Krankenhaus.

Seitdem liegt er dort, ein Schatten seiner selbst. Wird künstlich ernährt, weil er gar keinen Hunger mehr hat. Nach Tagen sprachen meine Ma und ich endlich mit einem Arzt. Schnell bestätigte sich unser Verdacht, dass er lungenkrank ist. Das Wort irreversibel kam ins Spiel. Jahrelang 2 Schachteln Pall*Mall ohne Filter und zuletzt immer noch täglich ein gute Schachtel Zigarillos haben Spuren hinterlassen – schweres COPD (Raucherlunge). Zudem entschuldigte sich der Arzt häufig, es tue ihm leid uns das jetzt sagen zu müssen: Der Schatten im CT sehe sehr nach Knoten und damit nach Lungenkrebs aus. Keine große Überraschung für mich.

Ich war aber geschockt, meinen Vater so klein und zusammengekauert im Bett liegen zu sehen. Zufrieden mit seiner warmen Decke, dem Fernseher und dass man ihn in Ruhe lässt. Allerdings immer noch der Überzeugung, wieder auf die Beine zu kommen. Einfach das Thema zu wechseln, wenn es darum geht dass er dafür aber etwas essen muss.
Früher wusste er doch immer, was richtig und gut ist! Warum müssen wir ihn jetzt dazu überreden?
An anderen Tagen nuschelt er, liegt flach gekrümmt und wirkt auf mich wie ein schwaches Tier, dass sich am liebsten alleine in seine Höhle zurückziehen würde.
Ganz allein.
Um auf immer allein zu bleiben.

Begriffe wie Sorgevollmacht und Patientenverfügung wurden greifbar. Schlafanzüge wurden gekauft, ich brachte ihm unser Familienbild beim Besuch mit.

Der Schatten erwies sich als Knoten in der Lunge, dem man beim Wachsen fast zusehen kann und von dem wir seit dem letzten Samstag wissen, dass es definitiv Krebs ist. Die künstliche Ernährung, immer größere Schwierigkeiten einen Zugang zu legen, sein desolater Allgemeinzustand – Chemo oder OP sind unmöglich. Uns wurde gleichzeitig mitgeteilt, dass er nicht mehr auf die Intensivstation verlegt werden würde, sondern – wie gewünscht – im Fall der Fälle direkt ins Hospiz käme. Schmerzen hat er zum Glück keine.

Und jetzt? Jetzt ist es das erste Mal dass ich gerade richtig heulen kann.

Papa ist alt.
Er ist in den letzten Jahren immer älter geworden und hat sich natürlich verändert. Wurde schrullig, gar depressiv. Sprach immer öfter von der Vergangenheit, seinen Erlebnissen in der Nachkriegszeit. So prägend auch sein Elternhaus, seine schlechte Beziehung zum eigenen Vater. Er hatte zuletzt gar keine Kontakte nach aussen, zog sich zurück. Nun ist er ein richtig alter Mann. Der Kreislauf des Lebens. Er hat genau gewusst, dass er nicht gesund ist und es trotzdem nicht abklären lassen.

Und doch schiebt sich immer noch sei jüngeres Bild vor meine Augen. Als er mit uns Fahrräder reparierte, als er mir bei Hausaufgaben half, als er mein Held war. Stark und allwissend.

Ich weiss, dass ich Abschied von ihm nehmen muss, nur wie?

Was sage ich ihm? Sage ich ihm überhaupt noch etwas oder lasse ich ihn einfach in seiner Welt?

Und wo finde ich Raum, das als Tochter zu tun, wo mich doch als Mutter meine drei eigenen Kinder immer wieder daran erinnern, dass es noch etwas anderes gibt? Dass es richtig ist, ihn gehen zu lassen, dass seine Zeit bald gekommen sein wird?

Der Alltag in meiner eigenen Familie überlagert vieles, dazu der Kurztrip vor einer Woche nach Berlin – so lange im Vorfeld gebucht, mit großer Vorfreude fürs Tochterkind verbunden und doch eine anstrengende Zeit für mich. Kaum eine Minute allein hatte ich, war immer mit der großen Tochter zusammen. Der muss ich aber vieles erklären, ohne sie zu viel belasten zu wollen. Tränen wurden heruntergeschluckt, stattdessen Saftschorle gemacht und fürs Baby eine neue Windel.

Heute ist dann endlich wieder ihr erster KiTa- Tag nach den Ferien. Schon lange geisterte das Buch „Ente, Tod und Tulpe“ im KiTa- Regal in meinem Kopf herum. Heute lieh ich mir es aus, bekam noch ein weiteres empfohlen, erste Tränen liefen noch vor der Erzieherin und nun kann ich endlich etwas loslassen.

Hier. Und jetzt. Und nicht nur unten im Auto vor dem Haus.

Als Mutter trauert man also wenn die Kinder in der Kita sind und das Baby schläft.

Und dann kommen alle heim oder man muss los, man macht weiter irgendwie, denn eigentlich ist es so natürlich und das Leben ist jetzt in diesem Augenblick.

Das macht es einerseits schwer, und andererseits auch wieder leichter.

Die Männer kommen gerade vom EEG zurück, weil der Bub doch kurz vor Weihnachten in der KiTa einfach so vom Podest fiel. Ich muss leider los…


Wie es weiterging? Bitte –> hier entlang


 

60 Gedanken zu „Abschied, Tod und Trauer – wie macht man das als Mutter von 3 Kindern?

  1. Oh Gott da stehen mir beim lesen schon die tränen in den Augen. Fühl dich gedrückt und ich wünsche dir ganz viel Kraft!!!

  2. Ich finde keine Worte für das, was du und deine Familie gerade durchmachen.
    Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um mit der Situation umzugehen.
    Viel, viel Kraft!

  3. Viel Kraft Dir und Deiner Familie!

    Mein Leben mit Kind machte es mir damals ein Stück weit leichter, den Tod meiner Mutter zu verkraften. Durch die ganzen kleinen Alltagsdinge wurde ich, wie Du es auch schon schreibst, an den Lauf des Lebens erinnert.

  4. Deine Worte zu lesen macht mich unglaublich traurig und ich würde Dich gerne in den Arm nehmen und drücken!

    Meine Mama hat ihren Vater mit knapp 40 verloren und gesagt ihr haben die Kinder damals geholfen damit zurecht zu kommen. Denn sie lenken einen ab, zaubern einem ein Lächeln auf die Lippen und geben einem so viel Liebe.

    Ich wünsche Dir, dass es bei Dir auch so ist und du dennoch genug Momenten findest in den kommenden Wochen, in denen Du einfach nur Tochter sein darfst!

  5. Wir haben etwas ähnliches vor drei Jahren mit meinem Großvater mitgemacht … es ist eine sehr schwierige Zeit! Ich wünsche dir viel Kraft und nimm dir auf jeden Fall die Zeit zu trauern, auch wenn das mit kleinen Kindern nicht ganz einfach ist. Fühl dich gedrückt …

  6. Oh man, das ist nicht einfach, glaube ich. Was du über die letzten Jahre deines Vaters schreibst, erinnert mich so sehr an meinen Schwiegervater, dass es schon gruselig ist. Ich wünsche dir, die Kraft, die du brauchst und immer mal wieder ein paar Momente zum loslassen.

  7. Ohje ((( ))) Das gleiche hatten wir bei meinem Papa vor 2 Jahren auch (bis auf den Krebs, er hatte was anderes). Ich weiß wie Du/ihr euch fühlt. Alles alles Gute für Euch. Auf dass es wieder bergauf geht <3

  8. Toll geschrieben und so traurig. Weiß nicht, was ich dir sagen oder raten soll. Ich habe meine Mama früh verloren. Sie war erst 53 und nicht wirklich krank. Ein geschwächtes Herz, sie hat auch viel geraucht. Ich kann nur sagen, ich hätte ihr gern noch vieles gesagt oder ihr einfach mal etwas bewusst und intensiv zurückgegeben. Vielleicht ist das eine gewisse Möglichkeit/ein Rat. Steh ihm bei und zeig ihm, dass du/ihr hinter ihm steht. Egal, wie es ihm geht, wie eigenartig er geworden sein mag und was auch kommen mag.
    Ich wünsche dir, deiner Familie und deiner Mutter viel Kraft. Ich drücke dich.

  9. Vielen Dank für deinen ehrlichen und bewegenden Bericht. Auch wenn man vom Kopf her weiß, dass Eltern irgendwann alt und krank werden und dies ein natürlicher Prozess ist, so ist man vom Herz her doch immer noch ein kleines Kind, das von seinen Eltern beschützt werden und sie niemals gehen lassen will. Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft in dieser schweren Zeit.
    GLG, Manati

  10. Hallo,

    Das liest sich sehr nach unserer Geschichte, diverse Unterschiede, der grösste wohl, das wir leider schon einige Schritte weiter sind :-( der Anfang klingt exakt wie bei uns. Dann im April letzten Jahres bekam ich unsere wunderbare und so lange herbeigesehnte Tochter. Ich hatte schon da ein „komisches Gefühl“, im Mai dann die niederschmetternde Diagnose und was soll ich sagen, 4,5 Monate später ist er gestorben. Der einzigste Trost, er war daheim und wir waren bei ihm, wir wissen also wie er gegangen und das ist so wichtig!! Die Trauer und das als Mutter, mehr als schwierig…ein balanceakt. Auch ich habe meine „Zusammenbrüche“, wenn die Kinder nicht da sind oder schlafen. Die kleine weiss ja von alldem nichts, der Grosse hat Schwierigkeiten, er war ein Opikind… mit ihm weine ich auch gemeinsam, das tut uns beiden gut… es zerreist mir das Herz, dass ihm sein Opi so früh genommen wurde. (er war anfang 60) Auf der anderen Seite fühle ich mich schlecht, weil ich funktioniere um das Familienleben aufrecht zu erhalten, die Trauer quasi unterdrücke und nicht zulasse und dadurch sicher manchmal „kalt“ wirke – dieser Zwiespalt ist schwierig in Worte zu fassen. So richtig wird dir mein „geschwafel“ nicht helfen. Leider kann man das auch nicht, jeder geht mit solchen Situationen anders um, jeder muss seinen Weg finden – und danach suche ich heute manchmal noch. Nichtsdestotrotz wünsche ich dir und deiner Familie Kraft und Stärke in dieser zeit, diesen so schweren Weg gemeinsam zu meistern euch gegenseitig zu stützen und zu helfen!

  11. Das macht mich sehr traurig zu lesen. Ich weiß wie es ist loslassen zu müssen – hinter uns liegen auch harte Jahre mit vielen Personen, die gehen mussten.

    Ich wünsche euch alles Gute, drücke dich ganz fest in dieser schweren Zeit! :'(

  12. Ich wünsche dir ganz, ganz viel Kraft in dieser schweren Zeit. Ich kann die Situation gut nachvollziehen, mir ging es im vergangenen Jahr ähnlich, als mein Vater starb. Aber die Kinder haben es oft auch für mich leichter gemacht, weil ich für sie da sein musste, Alltag eben. Der Große (6) hat auch viel nach Geschichten vom Opa gefragt, ich habe ihm viel erzählt, das hat gut getan. Und auch der Kleine mit seinen damals 3 hat mich manchmal einfach gedrückt, oder als es bei einem Spaziergang Pollen schneite, sagte er: Schau mal, die schickt uns der Opa. Sie haben mich auch weinen gesehen, aber dass war für sie auch okay, schließlich ein Zeichen, dass ich ihn lieb habe und vermisse.
    Nimm die Kleinen oft in den Arm, das hilft ein bisschen…
    Lieben Gruß, Rosa

  13. Ich wünsche Dir viel Kraft im dieser schwierigen Zeit.

    Ich erlebte vor dreieinhalb Jahren das gleiche mit meinem heissgeliebten Grossvater. Der Zerfall eines so vitalen, lebenshungrigen Menschen hilflos anschauen zu müssen war mehr, als ich manchmal ertragen konnte. Ich weinite viel, obwohl ich sonst immer ‚die Starke‘ bin. Ich versuchte soviel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Ihm die Hand zu Halten und meine Eltern und meinen Onkel so weit es geht zu entlasten. Er ‚bestellte‘ kurz vor seinem Tod zum ersten Mal die Frau Pfarrer zu sich (er war noe religiös), damit sie mit ihm und seiner Familie zusammen Abschied nehmen kann. Irgendwie gab das uns allen Trost. Wir hielten so oft es ging seine Hände, damit er uns zeigen konnte, dass er noch bei uns war. Er ging mit einem Lächeln, im Schlaf.

    Man darf leiden und traurig sein, dass einem nicht mehr Zeit bleibt. Man darf weinen und muss nicht immer stark sein.

    Ich wünsche Dir, dass Du gut damit klar kommst und dass die guten Erinnerungen überwiegen.

  14. Es ist so schwer Abschied zu nehmen von den eigenen Eltern. Ich weiß das auch. Ich kann dir nur raten ehrlich zu sein. Mit dir und auch mit deinem Vater. Sag ihm was er dir bedeutet. Seine Ignoranz ist seine Angst vor dem Sterben, vlt? Den Kindern kann man das erklären, ich empfehle auch immer Bücher zum Thema. Stark bleiben musst du nicht immer, das erwartet keiner,auch deine Kinder nicht. Dich traurig zu sehen, gehört auch dazu zur Liebe!!viel kraft. Ich freue mich auf ein persönliches Kennenlernen mal. Lg alu

  15. Danke für den berührenden Text und viel Kraft und gute Gespräche! Ich finde es sehr gut, dass du das Thema angesprochen hast, für viele ist es so oder ähnlich irgendwann Realität und es ist wichtig, darüber zu schreiben / reden.
    LG, Micha

  16. Es ist so unfair, wenn man hilflos zusehen muss. Und total surreal, wie schnell das alles oft geht. Ich würde dich gerne lange und feste drücken, aber das geht momentan eben leider nur virtuell. Du darfst auch vor den Kindern traurig sein! Es ist schließlich ihr Opa.

  17. Ich kenne dich nicht und lese das erste Mal in deinem Blog…aber deine Worte haben mich so berührt, dass ich dich einfach in den Arm nehmen möchte!

    Es tut mir sehr sehr leid, dass ihr das durchmachen müsst. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft sich an Schönes zu erinnern und das Schlimme zu überstehen.

    Alles Liebe!
    Tanja

  18. Ich kann das sehr gut nachfühlen, denn ich habe das so ähnlich im vergangenen Sommer erlebt. Mein Vater starb mit 73 Jahren nach langer Krebserkrankung. Ein knapper Monat verging zwischen dem Anruf meiner Mutter, der mir klar machte, dass es bald zu Ende sein würde und seinem Tod. Der Juli 2014. Die Fußball-WM. Mein Vater, der jedes Spiel anschaute, selbst die späten, auf der Palliativstation. Seine Odyssee zwischen Krankenhaus, Palliativstation, Pflegeheim, Krankenhaus und wieder Pflegeheim. Viele schöne und innige Stunden mit ihm. Viele Tränen. Und irgendwie doch zu wenig Zeit, im Nachhinein. Wie er mich darum bat, dass ich ihm die Haare schneiden sollte, ein letztes Mal, und wir uns dabei daran erinnerten, wie ich als kleines Mädchen immer Friseur mit ihm spielte, ihm Alufolie ins Haar wirkte, gegen Pfefferminztalerbezahlung. Was gut war: Wie ich bei dm 250 Fotos aus dem letzten halben Jahr ausdruckte, von den Kindern und mir und uns, von Urlauben, Ausflügen und aus dem Alltag, und sie mit ihm zusammen anschaute. Wie wir uns zusammen an früheres erinnerten und Dinge besprachen, die in der Zukunft lagen, einer Zukunft ohne ihn. Was nicht gut war: Dass ich ihn im Pflegeheim nicht mit den Kindern besuchen konnte und durfte. Dass ich ihn und sie ihn deswegen am Schluss nicht mehr sahen. Dass er kurz vor seinem Tod noch seinem Zimmergenossen erzählte, die Enkelkinder kämen ja heute und dass das nicht ging … Ich hätte es trotzdem machen sollen. Mich einfach über das Verbot hinwegsetzen. Hätte, hätte, Fahrradkette.

    Es ist schwer, Tipps zu geben in so einer individuellen Situation. Jeder trauert anders. Aber die Stunden zusammen sind kostbar, egal, wie man sie verbringt, was man spricht oder ob man überhaupt spricht. Und nach dem Tod geht es weiter – natürlich ist da die Trauer, aber es ist auch eine Art der Erleichterung da. Ich fand den Abschied vor seinem Tod schwieriger als den danach, wobei ich natürlich noch mittendrin bin.

    Alles Liebe!
    Anette

  19. Das tut mir sehr leid für dich. Ich habe im Sommer meinen Schwiegervater an den Krebs verloren – mein Großer war gerade 3, der Kleine noch im Bauch, er hat ihn um nicht mal 4 Wochen verpasst :-(
    Ich kann dir für die Kids noch „Abschied von Opa Elefant“ empfehlen. Und die Empfehlung, dass du nicht nur nachts u zu kita-zeiten weinst. Mein Großer war fast täglich mit im Krankenhaus und es gab (wie ich im Nachhinein erfuhr) Diskussionen, ob das denn gut sei für einen 3jährigen. Für mich steht fest, dass das die absolut richtige Entscheidung war. So hat er den Verfall langsam mitbekommen und Opa war nicht plötzlich einfach weg.
    Ob du deinen Vater in seiner Welt lässt oder ihr darüber redet…da kann ich dir nur raten auf dein Bauchgefühl zu hören. Ich hätte meinem Schwiegervater gerne noch den Kleinen mittels Ultraschallbild vorgestellt, aber er hat sich so gegens Sterben gewehrt, dass ich es nicht konnte. Ich hätte damit seine Hoffnung, den Zwerg noch persönlich kennenzulernen, zerstört.
    Alles Gute!!!

  20. Ich musste heute morgen beim lesen direkt ein bisschen mit weinen.
    Das ist alles so traurig, mächtig und unaufhaltbar.
    Mir tut es sehr leid, das ihr alle mit solch einer schweren Situation zurecht kommen müsst.
    Ich wünsche Dir und deiner Familie ganz viel Kraft für die Zeit die nun auf euch zukommen wird.

    Fühl dich gedrückt ♥

  21. Ich fühle so mit dir :(
    Mache gerade das selbe durch und erwische mich morgens mit Tränen aufwachend. Ich denke der Zeitpunkt ist nie der richtige und es schmerzt sehr sie schwach zu sehen…

  22. Beim lesen kullern die Tränen. Ich habe vor 5 Wochen meine Mama verloren. Keine 60 Jahre. Habe 2 Kinder und das Leben geht weiter, kein Platz für Trauer. Leider!!!!
    Ich weiß wie du dich fühlst und wünsche dir ganz viel Kraft für kommende Zeit!
    Liebe Grüße

  23. Ach, es ist einfach sch****, wenn das passiert :(
    Habe meinen Opa letztes Jahr verloren und teilweise immernoch das Gefühl, daß ich noch nicht „richtig“ getrauert habe, weil irgendwie mit unseren drei Kindern nicht die Zeit und der „Platz“ dazu ist… Wir – meine Mutter und ich – haben ihn zu Hause begleitet und waren bis zum Ende da. Ich denke oft, es gibt so viele Parallelen zwischen der Geburt (ins Leben) und dem Tod (aus dem Leben) und daß es da irgendwie wichtig ist, dem Menschen zu helfen und da zu sein. Hammerhart ist es, aber hilft vielleicht – bestimmt – auch allen. Ob das organisatorisch immer so machbar ist, ist eine andere Frage… Du hast ja schon so viel Zuspruch von allen bekommen, und auch ich wünsche dir Kraft und Zuversicht. Finde es toll, daß du das hier thematisierst :)

  24. Komme immer noch nicht klar mit dem Button ‚gefällt mir‘, aber ich hoffe, Du weißt, was ich meine. Ich wünsche, Dir und der Familie noch viele schöne, würdevolle und hoffentlich auch noch ein paar lustige Momente mit dem Opa.

  25. Wie schön, dass Du bereits so viele liebe Kommentare bekommen hast. Ich hoffe, es hilft Dir ein wenig.
    Es ist berührend, wie Du Deinen schweren Weg zum Abschied beschreibst. Und Abschied nehmen ist einfach furchtbar schwer, daran gibt es erst einmal nichts zu deuten.
    Und doch kann man es. Sich in Liebe verabschieden und vergeben, was vergeben werden will und danken, wo Dank gebührt.
    Es klingt nicht so, als sei Dein Vater unglücklich darüber, wie es nun gekommen ist. Wenn er sich da in sein Bett einrollt und fernsieht. Vielleicht nimmt auch er auf diese Weise selber Abschied von der Welt.
    Ach, das Thema Tod drückt immer sehr auf das Herz.

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie von Herzen ganz viel Kraft für diese schwere Zeit.

    Für die Kinder läuft so etwas anders ab als für uns – so war unsere Erfahrung als vor drei Jahren die Oma an den Folgen der Chemotherapie starb (Krebs war besiegt, Körper völlig geschwächt). Sie haben sehr geweint und auch uns Erwachsene weinen sehen. Wir haben alle Fragen beantwortet, sie haben sich von der aufgebahrten Oma verabschiedet, um die Endgültigkeit der Situation zu begreifen. Wir haben alle zusammen die Beerdigung durchlitten. Und danach waren wir ein bisschen stärker und viel näher zusammen als vorher. Nun teilen wir Erinnerungen an die Oma. Lustige und schöne, traurige und auch nicht so schöne. Alles gehört dazu. So bleibt sie immer ein Teil der Familie.
    Ich habe den Kindern gesagt: „Trauer ist Liebe, die heimatlos wurde, aber man darf jemanden auch lieben, wenn er für die Augen nicht mehr sichtbar ist. Die Oma ist ja nicht verschwunden, sondern lebt in uns weiter.“ Das hat ihnen gut geholfen.

    Alles Gute!

  26. Hallo,
    ich kommentiere selten irgendwo, aber jetzt kann ich grad nicht anders.
    Mein Vater ist vor fast 7 Jahren gestorben, mit 67 Jahren an Darmkrebs.
    Wir hatten genau 3 1/2 Monate Zeit, uns damit auseinander zu setzen. Meine Tochter war damals 1 1/2 Jahre. Rückblickend gesehen würde ich viel früher ein Gespräch suchen. Ich hätte ihm gerne einfach „danke“gesagt und was ich an ihm schätze und mag. Ich hoffte auf den richtigen Zeitpunkt. Doch ich befürchte mittlerweile, den gibt es nicht. Man findet leider immer einen Grund, es nicht zu tun.
    Mein Vater hat dann irgendwann soviel Morphium bekommen, dass er fast nur noch geschlafen hat und wir haben gewartet. Er konnte erst „gehen“, als meine Schwester und ich beschlossen hatten nach Hause zu fahren, nachdem wir tagelang in der Klinik waren.
    Trauern mit Kind ist nicht so einfach, wie in anderen Kommentaren auch schon angeklungen. Ich wurde 3 Monate später schwanger und dann hab ich mir relativ schnell das Weinen „verboten“…. Da kam dann einiges im Wochenbett und auch viel später immer wieder hoch, vor allem, im Auto auf dem Weg zu meiner Mutter.
    Heute ist mein Vater vor allem bei der Oma „präsent“ und wir sprechen ganz normal von und über ihn. Ich hab mir irgendwann überlegt, was ihm wichtig war (was möchte ich von ihm in Erinnerung behalten) und dass versuche ich, an meine Kinder weiterzugeben.

    Sorry, dass das jetzt so lang wurde. Ich wünsch dir viel Kraft und dass du einen guten Weg für dich und für euch als Familie findest. Ich wünsch dir Mut, ein Gespräch zu suchen, wenn dein Herz dich nicht in Ruhe lässt und Menschen, die dich unterstützen und (er-)tragen, in der Zeit, die vor dir liegt.

  27. Gerade Deine Worte am Ende berühren mich, denn genauso ist es …
    Ich musste vor über einem Jahr loslassen … mich von meiner treusten und liebsten „Freundin“ – meinem Pferd – nach beinahe 24 Jahren verabschieden. Manch einer mag vielleicht denken, es ist ja nur ein Tier, aber der hat dann wohl noch nie diese Liebe erfahren, die einem diese Geschöpfe entgegenbringen – bedingungslos.
    Und als alleinerziehende Mama trauere auch ich in den kurzen Momenten des Alleinseins … die Große in der Schule, der Kleine macht Mittagsschlaf oder abends, wenn beide schlafen, kurz bevor mir selbst die Augen zu fallen.
    Man trauert in Etappen.
    Viel Kraft für Dich und alles Liebe!!

  28. Dass die eigenen Eltern irgendwann gehen müssen, ist ein Thema was auch ich gerne verdränge. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit! Liebe Grüße

  29. Es ist schwierig, was vernünftiges zu Schreiben. Weil ich genau weiß, dass einerseits nichts von dem was ich schreiben könnte, Dir irgendwie helfen würde. Und andererseits weiß ich nur zu gut, dass es irgendwie trotzdem gut tut, wenn man bei diesem Kummer in den Arm genommen wird, auch virtuell.
    Meine Mutter ist vor knapp einem Jahr gestorben und als ich eben Deine Worte las, da knotete sich mein Herz wieder zusammen, denn auch nach 11 Monaten tut es immer noch weh. Wir haben meine Mama auch fast 2 Jahre noch durch eine schwere Krankheit in einem Pflegeheim begleitet. Dieser „Abschied auf Raten“ tat verdammt weh. Wenn die Eltern, die uns immer so stark und irgendwie unsterblich vorkamen, leiden und sterben und man hilflos dabei zusehen muss, wie sie ihren Körper, ihre Persönlichkeit und Seele verlieren, dann trifft einen das mitten in´s Herz.
    Hat man eigene, kleine Kinder, die man vor jedem Schmerz ja schützen will, kommt man arg in Bedrängnis. Man will stark sein, aber der Schmerz wird einen einholen.
    Rückblickend denke ich, war es gut, mit dem Großen darüber zu reden. So hat er verstanden, wenn plötzliches Heulen mich überfallen hat, dass er nicht dran schuld ist und auch, dass es ok ist zu weinen, schwach zu sein und zu trauern.
    Ich wünsche Euch von Herzen alle Kraft der Welt. Ich drücke Dich feste und denke an Euch.
    Alles Liebe
    Tanja

  30. Ohjeee, ich kann dich so gut verstehen….
    Was soll ich scbreiben….ich musste vor etwas mehr als zwei Jahren plötzlich und unerwartet meine Mama in das „Leben“ nach dem Tod gehen lassen, sie ging über die Regenbogenbrücke….ich konnte mich von ihr nur noch nach ihrem Tod verabschieden….hätte ihr gerne noch soooo vieles, soooo wichtiges gesagt…aber leider ging all das nicht mehr….sie hatte einen schönen Tod, wenn ich das so sagen darf…sie durfte einfach im Schlaf für immer einschlafen….jahrelang, jahrzehntelang musste sie büßen, was scheiß Ärzte und Hebammen ihr bei ihrer Geburt angetan hatten….jaaahrelang Schmerzmittel nehmen, die Nebenwirkungen hatten, die bekämpft wurden, deren Nebenwirkung wieder und diese Nebenwirkung auch wieder bekämpft wurden…sie hatte eine tolle Ehe mit meinem Papa, sie beide sind meine allergrössten Vorbilder…hätte ich gekonnt, ich hätte sie gerne umarmt und ihr wenigstens im Sterben noch gesagt, wie sehr ich sie liebe….
    Tu, was dein Bauchgefühl dir sagt…lass bleiben, was dein Bauchgefühl sagt nicht zu tun…geh einfach deinen Gefühlen nach…lasse sie vor allem zu…
    Ich ärgere mich bis heute, dass ich meine Mama nicht beim letzten Verabschieden, bei dem noch keiner ahnte, was kommen wird, nicht in die Arme nahm….dieses Nichttun werde ich immer in mir tragen, werde mich auch in Jaaaaahrn noch darüber ärgern…aber auch gelernt habe ich daraus: Wenn mein Vaddi sich für ein paar Tage verabschiedet, weil er zu seiner neuen Partnerin fährt, umarme ich ihn und drücke ihm ein Küsschen auf die Wange….auch wenn er wieder zurückkommt…oder wenn ich länger als nur zur Arbeit wegfahre…
    Nimm dir die Zeit, die du für dich brauchst, die du mit ihm verbringen magst, allein oder mit deinen Lieben…und fühl dich jetzt einfach gedrückt und ich wünsche euch viel Kraft…

  31. So ein ehrlicher Text, mir fehlen wirklich die Worte! Ich möchte keine Ratschläge geben, würde aber versuchen die, wenn auch schwere und triste Zeit, die ihr noch habt, gemeinsam zu genießen, wann es nur geht.

    Ich drück dich fest und schicke dir viel Kraft für die kommende Zeit.
    Alles liebe Mel

  32. Ich wünsche Dir uns Deiner Familie unsagbar viel Kraft in der nächsten Zeit und danke Dir für das Teilen Deiner Gedanken.

    Ganz spontan und aus meinem Gefühl, sag ihm wie Du ihn gerne in Erinnerung behalten möchtest, wie Du ihn in Erinnerung hast und ich wünsche Dir von Herzen das diese Heldenpapaerinnerungen niemals ganz verblassen und überschattet werden mögen.
    Genauso aus dem Bauch heraus, glaube ich das es ein Drahtseilakt ist das normale Leben der Kinder aufrecht zu halten und gleichzeitig zu trauern und zu verarbeiten was passiert. Im Auto weinen, die Tränen wegwischen und weiter machen, ja, aber Du darfst auch auf dem Sofa beim Buch vorlesen einfach anfangen zu weinen und erklären das Du traurig ist. Auch Mama darf traurig sein.

    Das Leben erscheint mir in der Beziehung unheimlich hart, es geht weiter (was gut und richtig und wichtig ist) auch wenn es eigentlich manchmal gerade still steht.

  33. Da mein Vater auch unbelehrbarer Kettenraucher ist, geht mit der Text sehr nahe. Natürlich ist man als Tochter todtraurig, weil man hilflos ist und weil der Vater stur ist.

    Traurig und enttäuscht, weil man all die Jahre nichts ändern konnte oder jemanden zum Nachdenken bringen konnte. Über diesen Lebenszyklus und Abschiednehmen habe ich auch schon oft nachgedacht, weil es ja eigentlich normal ist und jeder von uns irgendwann diesen Weg gehen wird und muss.
    Es ist unausweichlich, aber trotzdem einfach nur hart.

    70 Jahre sind kein Alter. Mit 65 geht man in Rente, hat das ganze Leben geschuftet und dann 5 Jahre später wars das? Es ist irgendwie erschreckend, dass im Ruhestand nicht mehr viel auf uns wartet. Alter, Krankheiten und Gebrechlichkeit.

    Ich wünsche dir viel Kraft für den letzten Weg. Auch wenn es keine Heilung oder Einsicht geben wird, nutze die restliche Zeit!

    Sprich mit ihm, hol ihn aus der Höhle raus, erinner ihn an gute Zeiten. Frage ihn Sachen, die du schon immer wissen wolltest usw.
    Ich würde (wenn er will) viel Zeit mit den Enkeln verbringen und viele Erinnerungen aufnehmen.

    Denn an solche Momente denkt man später zurück.

    lg

  34. Es ist sehr schwer, zu diesem bewegenden Einblick in Deine Situation etwas zu schreiben. Ich hoffe einfach, dass Du Dich über jeden Kommentar freust und es Dir zeigt, dass Du nicht allein bist.
    Ich habe schon einige Sterbende begleitet und auch deren Angehörige. Dabei kam es mir immer so vor, als würden viel zu viele Worte ungesagt bleiben. Nutze die Chancen, die Du noch hast, Deinem Papa alles zu sagen, was Dir auf dem Herzen liegt.
    Ich wünsche Dir viel Kraft!

  35. Ich fühle mit dir, bei meiner Großmutter wurde im September auch inoperabler Lungenkrebs diagnostiziert. Die Chemo musste nach einer Behandlung abgebrochen werden, weil es ihr so schlecht ging. Sie dachte die ganze Zeit sie wird wieder gesund und hat auch immer vergessen, dass sie Krebs hat. Ende November ist sie dann eingeschlafen. Zwei Tage vorher haben mein Sohn und ich sie nochmal gesehen. Mein Sohn ist erst vier und kommt darüber zum Glück schneller hinweg als wir Erwachsenen. Ich wünsche euch in der nächsten Zeit auf jeden Fall viel Kraft!

    Liebe Grüße Carmen

  36. Die richtigen Worte zu Trösten gibt es in so einer Situation nicht. Mir laufen die Tränen übers Gesicht, weil ich so sehr mit Dir fühle. Wir kennen uns nicht, aber ich wünsche Dir viel Kraft und denke an Dich. Nimm´ Dir die Zeit Abschied zu nehmen und behalte Deinen Papa als Deinen Held in Erinnerung. Er wird immer bei Dir sein, auch wenn er nicht mehr da ist. Sei lieb gegrüßt, Anna

  37. Es ist wirklich nicht leicht. Mein Vater starb letzten Sommer, nicht wirklich überraschend, aber unerwartet. Wir haben alle gesehen, dass er krank war, wussten aber nicht wie sehr. Er hat sich niemandem anvertraut. Ein wenig macht mich das wütend, weil ich mich nicht verabschieden konnte. Ich hätte ihm gerne noch gesagt das ich ihn liebe und das ich dankbar bin. Aber er hat wahrscheinlich genau das nicht gewollt. Ich hab noch nicht wirklich Zeit zum trauern gefunden, weine malwenn das kind schläft, nie vor ihm…ich weiß leider nicht wie sich die Trauer entwickelt, aber man kann so einen Moment lang leben, aber wie lange? Ich denke Abschied nehmen zu können wäre hilfreich. LG

  38. Mir tut es unheimlich leid, was du und deine Familie da gerade erleben. Gebt euch gegenseitig Kraft. Wenn man in den Gesicht seiner Kinder schaut, wird es schon besser. Mein Opa ist sehr schnell acht Tage nach der Geburt von der Motte gestorben. Durch die Motte wurde all das, was die Tage danach kam und passierte, erträglicher. Auch für meine Oma und meine Eltern hat die Motte die Tage erhellt!
    Ich grüße dich ganz lieb, Carina

  39. Ich wünsche dir viel Kraft für die bevorstehende Zeit. Einen Menschen gehen lassen zu müssen ist nie einfach und man kann sich darauf vorbereiten wie man möchte, es macht es einem nicht leichter. Ich fühle sehr mit dir und deiner Familie
    Liebe Grüße,
    Nady

  40. Liebe Fräulein Null.Zwo.
    Beim Lesen kommen mir die Tränen und ich verstehe Deine Traurigkeit und fühle mit Dir, auch wenn oder gerade weil ich selbst nie erleben durfte, wie es ist, einen Vater zu haben.
    Daher konnte ich auch bei seinem Tod nicht richtig trauern, als ich als seine älteste Tochter und einzige, die sich um alles kümmern konnte (und wollte), die Nachricht von seinem Tod bekam mit den Worten: „Du musst Dich jetzt darum kümmern“. Ich musste! und ich habe diese Aufgabe angenommen, die Beerdigung für meinen Vater zu organisieren, der mir nie ein Vater war oder es mir zumindest nicht gezeigt hat. Dafür, dass ich es trotzdem auf mich genommen habe, hab ich einiges zurückbekommen, nämlich habe ich beim Ausräumen seines Hauses und beim endgültigen Abschied von einer fremden Person viel persönliches erlebt und auch schöne Momente erleben dürfen. Ich war wohl immer präsent in seinem Leben, denn an seiner Pinwand hing ein Foto von mir als Kind. Und auf dem Tisch lagen Fotos von Momenten, die er erlebt hat, sowie viele wichtige Unterlagen, die ich für die Organisation gebraucht hat. Als hätte er mir helfen wollten, damit ich nicht lange suchen muss. . . Etwas mysteriös schien das schon.
    Ich habe auch viele Gemeinsamkeiten erkannt, wie er Dinge sortiert – in der gleichen Art und Weise, wie ich es auch tue. Obwohl wir keinen Kontakt hatten, scheine ich unterbewusst von ihm eine Menge mitbekommen zu haben – auch wenn er persönlich für mich eine fremde Person war.
    Ich denke, dass er (wenn er seine Beerdigung von oben gesehen hat) stolz war, wie ich das organisiert habe. Es war eine Trauerfeier mit Abschied, Herzlichkeit und auch Vergebung, für das was wir als Vater und Tochter miteinander verpasst haben.

    Wenn man dann noch einen persönlichen Bezug zum Vater als Vorbild und Elternteil hat und zusehen muss, wie es ihm immer schlechter geht, dann ist es wirklich schwer zu verkraften. Dennoch hast Du die Zeit mit ihm gehabt und hast sie noch, auch wenn Du weißt, dass es endlich ist. Sei dankbar für alles, was Ihr gemeinsam erleben durftet und was Du von ihm lernen konntest. Verzeih ihm für das, was Du nicht als positiv erlebt hast, sodass Ihr im Reinen einen Abschied habt.
    Rede mit ihm über Deine Ängste und Sorgen, die er sicherlich versteht und teilt.

    Ich finde es bewundernswert, dass Du Dir nun etwas von der Seele geschrieben hast und so viel Zuspruch und Mitgefühl bekommst. Das tut sicher gut, auch wenn wir Dir nur in der virtuellen Welt zusprechen können.
    Vor Deinen Kindern versuchst Du stark zu sein, was ich gut finde. Allerdings musst Du nicht immer stark sein, denn Kinder haben auch Antennen, mit denen sie spüren, dass es Mama nicht gut geht, auch wenn sie lacht.
    Daher wünsche ich Dir, dass Du die Traurigkeit – auch vor Deinen Kindern und Menschen, die Dir nahe stehen – zeigen und rauslassen kannst und Deinen Kindern mit den richtigen Worten erklären kannst, was Abschied und Tod bedeutet, dass Ihr Euch gegenseitig stärkt und immer wisst, dass Ihr nicht alleine seid.

    In Mitgefühl und Anteilnahme an Deiner schwierigen Situation,
    Renate

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