Byebye Social Media? Auf jeden Fall: Zurück zu den Wurzeln!

Am Anfang dachte ich ja, die neue Daten*Schutz*Grund*Ver*Ordnung wäre nur ein (weiteres) notwendiges Übel, das mir nur einen Haufen Arbeit beschert, um weiterbloggen zu können.

Wochenlang las ich Beiträge anderer dazu, speicherte mir Links ab und machte mir einen groben Plan auf einem Schmierzettel, was alles zu tun sei. “Alles gar nicht so schwer! Lästig, aber schaffbar!” dachte ich noch.

Und dann rückte der Tag des Inkrafttretens näher und so langsam realisierte ich, daß meine Arbeit im Hintergrund doch so ein paar mehr Stunden Zeit als gedacht in Anspruch nehmen würde. Dann kam endlich der Tag X, der 25.05.2018 und eine gefühlt neue Ära in der Bloggerwelt brach an.

Viele kleine Blogger_innen nahmen ihre Webseiten offline oder schlossen ihre Blogs für immer. Die Vielfalt in der Bloggerwelt hat extrem abgenommen, das ist schade, so schade!

Einige größere Blogger_innen mussten teure Rechtsberatung in Anspruch nehmen, damit sie ihre Lebensgrundlage sicher weiter betreiben können.

Ich selbst hatte Angst aufgrund der Daten der Storchenliste und nahm sie runter bzw. soll sich jede neu anmelden.

Ich änderte das Kommentarfeld ab und stellte auch das Email- Abo ein. Schnell meldeten sich die ersten Leser_innen, warum sie denn plötzlich keine Beiträge mehr als Email bekämen – ich hatte nicht damit gerechnet, daß sie wirklich so wichtig sei, diese Email- Funktion.

Ich überarbeite gerade alle meine eingebetten Pinterest- Pins, weil auch über sie mehr Daten als gedacht übertragen werden.

Ich bin verdammt froh, nie auf Stockfotos (also frei verfügbare und zur Verfügung gestellte Fotos) zurück gegriffen zu haben.

Ich habe gestern anderthalb Stunden kaputte Links entfernt, die von meinem Blog auf andere, gelöschte Blogs führen. Da wurde mir das aktuelle Blogsterben wieder so richtig bewußt :(

Byebye Facebook – aber nun richtig

Und zu guter Letzt schloss ich in dieser Woche meine Facebook- Seite. Ein mehrjähriger Gerichtsprozess kam nun zum Schluß, daß ein bestimmter Betreiber einer Facebook- Fanpage mit dafür verantwortlich gemacht werden kann, daß Facebook Daten über die Besucher dieser Fanpage und ihrer Interaktionen sammelt, darüber aber nicht informiert. Auch wenn man diese Informationen nur anonymisiert bekommt und eigentlich gar nicht haben will. Ob und wie dieses Urteil Rechtskraft besitzt, bleibt abzuwarten (aktuelle Einschätzung hier).

Aber die Unsicherheit ist groß. Da mir Facebook mit dem Blog schon länger keinen Spaß mehr macht und ich alles auf minimalen Einsatz heruntergefahren hatte, fiel mir mein Entschluss nicht schwer. Es war mehr der letzte Schubser, der noch gefehlt hatte, um einer mir sehr unangenehm gewordenen SocialMediaPlattform Adieu zu sagen.

Also: Back to the roots

Was daraus resultiert: Ich ärgere mich nicht mehr über schlechte Sichtbarkeit auf Facebook (von fast 1000 Followern sahen im Schnitt etwa die Hälfte meine Beiträge, weil ich keine Werbung dafür bezahlen will und nicht ständig dort präsent bin, keine ClickBaiting- Überschriften verwende, keine anderen Beiträge mehr teile etc…), sondern kann mehr Zeit hier rein stecken, ins Bloggen.

Was das Urteil für andere SocialMedia- Kanäle bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Instagram, das ebenfalls dem Betreiber von Facebook gehört, sammelt bei Business- Profilen ja auch Daten, die dann als anonymisierte Insights zur Verfügung gestellt werden – ob man will oder nicht.

Mein erster Gedanke war: “Ach, dann schalte ich Instagram einfach auch noch ab, kann das Foto ja hier immer als Kurzbeitrag veröffentlichen und brauche mir keine weiteren Gedanken mehr zu machen. Es würde alles gebündelt auf dem Blog sein, hätte weniger Aufwand etc pp”

Doch ganz so einfach ist es ja auch wieder nicht. Ich mag Instagram, neben seiner Scheinheiligkeit vor weissen Hintergründen gibt es dort noch viele andere wie mich, die reales (Familien-) Leben zeigen. Ich trage da auch einen gewissen Anteil zu bei (hoffe ich zumindest). Die Bilder, die dort schon von mir sind, reichen inzwischen auch weit zurück und sind wie ein Fotoalbum für mich. Schwierig…

Die Zukunft?

Schon oft habe ich sauer aufgestossen, weil sich alles so zerfasert auf den verschiedenen SocialMedia- Kanälen. Immer und überall präsent sein, das klappt für mich nicht und muss auch nicht. Ich mag auch nicht abhängig sein von sich ständig ändernden Nutzungsbedingungen oder gar ein Verfahren riskieren, weil ich dort mit dem Blog agiere und den Datenschutz nicht selbst in die Hand nehmen kann.

Die Bloggerwelt hat sich in den letzten Wochen extrem verändert und nun werden weitere Änderungen auf uns als Leser_innen und auch als Blogger_innen zukommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mich hier weiterhin besucht, hier zuhause auf dem Blog. Denn damit fing es an, das ist der Kern, das ist meins.

Ich selbst nutze Feedreader, um andere Blogs zu lesen. Auf dem Handy habe ich feedly installiert, damit lese ich Blogbeiträge und andere Internetangebote, die einen RSS- Feed anbieten (das ist dieses Zeichen da ganz oben rechts bei mir, das so aussieht wie ein W-Lan- Symbol). Ich bin mit dem Blog aber auch bei Bloglovin zu finden, ausserdem teile ich alle Beiträge immer bei Twitter. Und wenn ich Zeit habe, dann vertiefe ich mich mal in das Thema Newsletter.

Dann gibt es vielleicht bald wieder neue Beiträge (oder zumindest gesammelte Beiträge) wie gewohnt per Mail als Abo. Wenn ich mal halbwegs durch bin mit dem Aufräumen hier ;)


6 Gedanken zu „Byebye Social Media? Auf jeden Fall: Zurück zu den Wurzeln!

  • 7. Juni 2018 um 16:02
    Permalink

    Hallo,
    meistens lese ich hier eher still mit, aber jetzt musste ich mich doch mal melden, denn: Das finde ich eigentlich einen sehr schönen Gedanken: Zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Anfängen, zurück zum Bloggen. Ich betreibe diese ganze Social Media-Geschichte nicht so intensiv, zumindest nicht in Bezug auf meinen Blog, meine Profile sind alle meine privaten und keine Blog-Profile, ich teile meine Beiträge dort, aber das war es dann auch schon. Und auf Reichweite schaue ich sowieso nur höchst selten, weil mein Blog einfach wirklich nur ein Hobby ist und ich häufig genug sowieso nicht zum Schreiben komme. Deswegen finde ich wahrscheinlich diesen Aufriss, der mancherorts betrieben wird, fast ein bisschen viel. Ein guter Beitrag und ein schöner Blog können (oder sollten?) eigentlich auch “alleine” stehen können.
    Da ich aber ehrenamtlich Facebook-Fanpages für unsere Kirchengemeinde betreibe, bin ich bei diesem Urteil zur gemeinsamen Verantwortung auch hellhörig geworden. Vielen Dank daher für den Link zu dem sehr informativen Artikel dazu, was das Urteil eigentlich bedeutet (ich brauche leider immer jemanden, der mir dieses Juristen-Deutsch noch einmal übersetzt).
    Liebe Grüße,
    Hannah

    Antwort
    • 11. Juni 2018 um 17:34
      Permalink

      Hallo Hannah!
      Danke für Deine Rückmeldung :)
      Ich brauche muss auch immer ein wenig quer lesen, bevor ich mich gut informiert fühle. Gerade, wenn es um juristische Dinge geht.
      Natürlich sollte ein schöner Blog für sich alleine stehen, aber ich kenne einige, deren Blog ihr Lebensunterhalt geworden ist und kann einiges nachvollziehen. Andererseits gibt es auch einige, die mal eben einen Blog aufziehen und einen riesigen Reibach veranstalten, um damit die schnelle Kohle zu machen – die werden nun ein wenig ausgebremst. Das finde ich nur fair.
      LG und bis bald,
      Susanne

      Antwort
  • 8. Juni 2018 um 12:06
    Permalink

    Kurz: I feel you! <3
    Lange Version: Mich nervt das Ganze. Sehr. Sowohl als Webseitenbetreiber, als auch als Leser/Webseitenbesucher. Überall muss man drölfzig Mal klicken, damit man was abschicken oder teils sogar überhaupt erst lesen kann. Jetzt das Urteil mit Facebook, da werden Pinterest, Instagram, Twitter und Co. folgen (müssen).
    Bei FB kann ich es ebenso verschmerzen und überlege eh schon länger, abzuschalten. Ich mag keine Werbung (mehr) bezahlen, nur damit es die Leute sehen, die es eh sehen wollten. Von anderen ganz zu schweigen. Instagram mag ich, da hänge ich schon dran. Pinterest ist eine gute Inspirationsquelle und ich würde auch da ungern drauf verzichten, auch als Betreiber der Seite, Privat würde mich das ja kaum tangieren.
    Insgesamt nervt mich, wie sehr es um Zahlen, Follower, Abonnenten, Gefällt mir Angaben, Herzen, Shares, etc. geht. Klar, kann einem auch egal sein, aber Fakt ist, dass dann auch kaum ein wirtschaftlicher Betrieb des Blogs/des Drumherums möglich ist. Möp. Ich will mit dem Blog keine Reichtümer verdienen, aber die Kosten wieder drin haben, ist dann schon ganz nett…

    Ich muss meinen Feedreader wieder aktivieren. Zuletzt hab ich den gar nicht mehr genutzt, der verwaist. Aber da viele Blogs "zurück" gehen, werde ich die dann eben darüber verfolgen.

    Antwort
    • 11. Juni 2018 um 17:37
      Permalink

      Ich sehe bei Pinterest aktuell wenig Probleme, weil man dort nur Dinge sieht, wenn man angemeldet ist ergo deren AGBs zugestimmt hat. Aber mal sehen, wo das alles noch hinführt. Ich für mich finde die aktuellen Veränderungen zwar genauso nervig wie Du, hoffe aber auf langfristige Änderungen zum Besseren.

      Antwort
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