Von Familie und Netzen

Am Wochenende war ich ja auf der Blogfamilia, dem grössten Treffen für Elternblogger, gut 200 Erwachsene und bestimmt nochmal 100 Kinder waren dort. Ich traf viele bekannte Menschen wieder, lernte neue Menschen kennen und war ganz überwältigt von den vielen Eindrücken, von der positiven Stimmung und der Kraft der Frauen, mit denen ich mich unterhielt (Sorry guys, sorry alle anderen Geschlechter, aber irgendwie hatte ich sonst keinen Kontakt zu nichtweiblichen Bloggern – das ergab sich einfach so).

Einige Sachen blieben mir ganz besonders hängen:

Das Private ist politisch.
Jede Stimme ist wichtig und zusammen sind wir laut.
Wir sind vielfältig und genau diese Vielfalt muss gezeigt werden.
Wir müssen mehr zusammen arbeiten und weniger gegeneinander.
Und die Sachen, die in den Familien gut laufen, gehen oft ein bisschen unter.

 

Und wer kümmert sich um die Kinder?

Dann fange ich doch mal mit den guten Sachen an: Ich und die grosse Tochter hatten nicht nur eine tolle gemeinsame Auszeit, sondern der Mann zuhause auch eine tolle Zeit mit den kleineren Kindern. Natürlich war mir das Herz ein wenig schwer, als er die weinende Jüngste auf dem Arm hatte und die Haustür nach unserer Verabschiedung von innen schloss. Aber ich wusste ganz genau: Sie werden das Wochenende auch wunderbar ohne mich verbringen. Ich hatte zwar noch ein paar Dinge im Haushalt vorgearbeitet und wusste ganz genau, dass die frisch aufgehangene Wäsche nach meiner Rückkehr maximal im Wäschekorb liegen würde – aber (und darauf kommt es ja an) ich wusste ebenfalls, dass mich weder die Kinder sehr stark vermissen noch der Haushalt komplett zusammenbrechen würde. In den Schränken lagen genug Anziehsachen, die Geschäfte haben am Samstag noch bis 22 Uhr offen und keiner würde Hunger oder Durst leiden müssen. Einzig an die Sonnencreme erinnerte ich noch mehrfach vor meiner Abreise, aber das war es auch schon.

Ich bin sehr glücklich, dass unsere Aufteilung und unser Leben mit Kindern auch in meiner Abwesenheit reibungslos läuft, was wohl auch einiges mit unserer Vereinbarkeit von Jobs & Familie zu tun hat. Dennoch gibt es nichts Schöneres, als von seinen Lieben am Bahnhof wieder abgeholt zu werden. Denn vermisst habe ich sie natürlich trotzdem ganz viel! Aber ich wie auch die Kinder wussten sicher: wir werden nicht lange getrennt sein!

Jeder braucht seinen Lebensraum

 

Öffentlichkeit? Und wieviel davon?

Was so eine Veranstaltung allerdings auch mit sich bringt, sind viele Kameralinsen, die sich auf einen richten. Ich mag das nach wie vor nicht und kam wieder und wieder ins Grübeln, wie sehr ich in der Öffentlichkeit stehen und auch wieviel ich hier auf meinem Blog von mir, von uns Preis geben möchte. Die Dreharbeiten seitens der Veranstalter, die Fotoboxen der Sponsoren und auch die ganzen privaten Handykameras haben mir nur wieder zu deutlich gezeigt, wie wenig Einfluss ich auf gewisse Dinge in dieser Onlinewelt habe. Dazu kommen noch meine Bauchfotos, die ich ja kürzlich auf einer ausländischen Webseite entdeckte (deren Betreiber immer noch nicht auf meine Nachricht reagierten – argh!). Vielen Dank an dieser Stelle an Runzelfüsschen, die das Thema immer wieder anschneidet und auch an einige andere Leute, die zwar Fotos von mir machten, aber nur als Offline- Erinnerung (wie z.b. MamaOTR)!

 

Meine Zeit, unsere Zeit, zu wenig Zeit – ein Tausch?

Bloggen ist auch Arbeit; gerade jetzt, wo viele Änderungen zum Thema Datenschutz umgesetzt werden müssen (nervig, aber kein Weltuntergang). Aber auch alles andere drum herum kostet Zeit, es gibt ja neben Texten auch Fotos und die ganze Software im Hintergrund und noch einiges mehr; Zeit der ich gefühlt nur noch hinterher renne, weil sie nie für alles und alle reicht reicht.

Warum mache ich mir also noch die ganze Mühe? Fühle mich auf Veranstaltungen unwohl, wenn ich im Mittelpunkt stehe und schreibe Sachen ins Internet, die ich weiß Gott nicht jedem persönlich erzählen würde? Knappse hier und da eine halbe Stunde ab, um zu tippen – Zeit, in der ich etwas nur für mich tun könnte?

Weil Bloggen für mich ganz viel mit Austausch zu tun hat. Mit Menschen, die ich mag (auch wenn sie manchmal weiter weg wohnen). Mit einem Gefühl der Gemeinschaft, ganz besonders jetzt, wo ich wieder so viele tolle Menschen in echt getroffen habe. Wo man sich Sachen erzählt, die man nicht schreiben möchte, die einen aber enorm beschäftigen. Wo man plötzlich geflasht ist, weil es um einen herum nur so summt vor Energie und Erfahrung und diese wunderbaren Menschen so stark sind, auch wenn ein jeder sein Päckchen zu tragen hat. Andererseits hätte ich viel mehr Zeit für echte Kontakte direkt in meiner Umgebung, würde ich nicht so oft hinter meinem Laptop sitzen oder ins Smartphone tippen. Ein Punkt, der mich gerade auch sehr nachdenklich macht.

So viel zu tun - lassen wir es liegen?

Flipperkugeln und das Netz

Und doch ist da das Gefühl, etwas bewegen zu können – aus kleinen Ideen werden große Dinge, wie zum Beispiel unser Bloggertreffen hier in Wuppertal. Eine winzige Keimzelle, damals im Mai 2014, die wuchs und wuchs, die plötzlich real wurde, nun schon zu einem festen Bestandteil unseres Lebens wurde und auch für andere Menschen da draussen ein wichtiger Termin geworden ist.

Irgendwie muss also für mich etwas dran sein an diesem Motor, vorwärts kommen zu wollen. Gemeinsam und zusammen (auch wenn nicht alle das gleiche Ziel vor Augen haben, wie man leider manchmal feststellt). Gleichzeitig muss ich aufpassen, dabei nicht innerlich auszubrennen. Eine tägliche Gratwanderung zwischen Vereinbarkeit, Zeit für meine Familie und der Endlichkeit eigener Ressourcen. Manchmal fühle ich mich gefangen zwischen diesen ganzen Herzensdingen und titsche hin und her wie eine Flipperkugel, BingBingBing in meinem Kopf und schon wieder ist Abend uns dann ganz schnell Morgen und ein neuer Tag fängt an mit neuen Aufgaben, Ideen und Eindrücken.

Aber diese Gratwanderung lohnt sich immer wieder, denn das Internet kann ein verdammt guter Ort sein und Netze sind gerade für uns Familien verdammt wichtig – online wie offline!

Wir sind unterschiedliche Familien und doch ist uns vieles gemeinsam


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