Elternblogger beim BMFSJS

Als Elternblogger_in zu Gast beim BMFSJS

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Ich will jetzt hier gar nicht beweisen, warum Elternblogs politisch sind, das haben andere bereits wunderbar getan und zeigt sich auch aktuell wieder bei der Aktion #Muttertagswunsch bzw. #Vatertagswunsch – es steht für mich daher auch gar nicht zur Debatte.

Es gibt nämlich noch eine ganze Menge Themen mit großem Diskussionsbedarf, wie sich im Netz (siehe oben), aber auch beim 1. Berliner Elternbloggercafe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJS) zeigte, zu dem ich mit 34 weiteren bloggenden Eltern Ende April eingeladen war.

 

Anreise durch Berlin im Bus
Mit 2 Kindern im Berliner ÖPNV unterwegs

#fambloggercafe

Als warm-up gab es eine kleine Einführung in die Barista- Kunst. Begründung für diesen äusserst leckeren Programmpunkt: in der Kaffeeküche finden oft die Gespräche mit dem wichtigeren Inhalt statt. Dort erfährt man mehr über die allgemeine Stimmung, über Tendenzen und auch persönliche Belange. „Unter dem Radar“ fiel als Begriff öfter und natürlich spricht es sich in der Kaffeeküche anders als im Konferenzraum. Ausserdem sind Eltern fast immer müde, oder? ;)

Es blieb aber auch den restlichen Tag über wirklich viel Zeit für Gespräche mit bekannten und unbekannten Blogger_innen, aber auch mit den Mitarbeiter_innen vom Ministerium, das hat mir richtig gut gefallen.

 

Bild im Bild
Bloggercafe für Eltern: Kaffee, Spaß und gute Gespräche mit Kind auf dem Arm oder an der Hand

Meine Kinder vergnügten sich mit den beiden wirklich engagierten Erzieherinnen und anderen Kindern im Nebenraum oder waren in der Babytrage mit dabei. Das lief wunderbar, vor allem als das Baby beim Hauptprogrammpunkt des Tages einschlief: Eine gut moderierte und interaktive Diskussionsrunde mit Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek, dem höchste Beamtem im BMFSJS, der als Schnittstelle zwischen den politischen Organen und der nicht-politischen Beamtenschaft fungiert.

 

BMFSJS interaktiv & kommunikativ
#fambloggercafe

 

Die 90minütige Diskussion wurde live auf Twitter übertragen, die dortigen Reaktionen von mehreren Mitarbeitern des BMFSJS rege verfolgt und getwitterte Fragen direkt in die Runde weitergegeben.

Hier kann man sich den Mitschnitt noch anschauen und hier die Zusammenfassung des BMFSJS lesen.

Aber nicht nur die aktuellen Tweets werden ausgewertet, sondern auch bei uns Elternbloggern will man (weiterhin) am Ball bleiben, liest mit und möchte sich gerne weiter austauschen (nächste Gelegenheit: auf der Blogfamilia)

 

Das BMFSJS twittert
Zum Twitteraccount des BMFSJS >>>KLICK aufs Bild<<<


Politik und Elternblogs?

Familien haben es heutzutage nicht immer leicht. Die Familie als solches ist ein unglaublich schützenswertes Gut, trägt sie doch unsere Gesellschaft in die Zukunft. Ich selbst empfinde die Lebensphase „Mutter kleiner Kinder“ als unglaublich intensiv, aber auch als unglaublich anstrengend und manchmal sehr ungerecht.

Anbei einige der Themen, die in der geführten Diskussionsrunde aber auch in meiner Filterbubble bei Familien und Eltern großen Raum einnehmen:

 

Familie und Job

Immer noch gibt es Arbeitgeber, die Mütter erst gar nicht einstellen, abwertend behandeln oder gar geltende Mutterschutzgesetze mit Füßen treten. Solche Geschichten sammelt Sarah unter dem Stichwort „Arbeitgeber from hell“ auf ihrem Blog.

Aber auch der Wiedereinstieg nach der Elternzeit und die Vereinbarkeit von Job und Familie ist für etliche Mütter (bisher nur wenige Väter, denn die nehmen gar keine oder nur kurz Elternzeit) ein sehr anstrengender Weg, oft gespickt mit fiesen Ungerechtigkeiten, deren sich die Arbeitgeber oft nichtmals schämen. Mir selbst tat sich nach der Elternzeit mit dem 3. Kind ein Abgrund auf, mit dem ich nie gerechnet hätte nach meiner fast 10jährigen Betriebszugehörigkeit.

Leider kommen immer noch ziemlich viele von diesen Arbeitgebern ziemlich glimpflich davon, sollte es doch einmal vor den Richter gehen. Meistens komme es aber gar nicht soweit, wie die bloggenden Rechtsanwältinnen Sandra Runge und Nina Straßner dem Staatssekretär Dr. Kleindiek beim Bloggercafe deutlich machten.

Das kann einfach nicht sein!

Ganz Allgmein: Die Arbeitswelt muss sich nach der Familie richten und nicht die komplette Familie auf die Arbeitswelt ausrichten!

 

Kinderbetreuung als Arbeitsgrundlage

Keine Kinderbetreuung = keine Möglichkeit arbeiten zu gehen. Eine ganz einfache Rechnung, die für viele Familien leider nicht aufgeht. Weil die Qualität der Betreuung nicht gewährleistet ist. Weil Bedarf besteht, weil eine Rechtsgrundlage besteht, aber dennoch kein Platz angeboten werden kann. Oder nur zu bestimmten Zeiten, die sich aber nicht mit den Arbeitszeiten decken.

Meine Bloggerkollegin Alu möchte z.B. gerne im Herbst wieder beruflich durchstarten, findet aber in Berlin keinen KiTa- Platz für ihr 3. Kind, trotz Bemühungen schon vor Geburt des Kindes. Wie kann das sein?

Auch bei der Betreuung nach dem Unterricht in der Grundschule gibt es noch eine große Schere zwischen dem Bedarf und dem tatsächlichen Angebot. Ich selbst hatte erst kürzlich Existenzangst, weil durch unseren Umzug ein Schulwechsel meiner ältesten Tochter notwendig wird. Einige Wochen lang zitterte ich, ob sie am neuen Wohnort auch einen Platz im offenen Ganztag bekommt. Dieser ist nun glücklicherweise fixiert, aber nur weil die geplante Aufstockung der Betreuungsplätze endlich bewilligt wurde. Die Wahl der Schule musste sich dabei dem Betreuungsplatz unterordnen.

Umgekehrt müssen aber auch die Erzieher_innen und anderes Betreuungpersonal nicht nur bestens qualifiziert, sondern auch dementsprechend bezahlt sein. Die Zukunft werden unsere Kinder gestalten – sollte da nicht besonders auf Qualität geachtet werden?

 

Fragen zur Familienpolitik von Bloggern & über Twitter
Moderierte Diskussionsrunde mit Dr. Kleindiek vom BMFSJS

Weitere Lebensphasen und gleichrangige Familienmodelle

Christine Finke ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und fand trotz Promotion keine Festanstellung, die ihre Familie hätte ernähren können. Bei Maybritt Illner brachte sie kürzlich die Themen Alleinerziehende, Unterhaltsvorschuss und Ehegattensplitting auf den Tisch und erreichte damit ein Millionenpublikum. Weiter so!

Beim Unterhaltsvorschuss ist ja endlich ein kleiner Durchbruch bezüglich der Dauer erreicht, aber Fakt ist: Viel zu wenige der unterhaltspflichtigen Elternteile werden zur Rechenschaft gezogen, wenn sie nicht zahlen. Dem Staatssekretär ist dies mehr als bewusst.

Ganz klar soll auch an der Gleichstellung verschiedener Familienmodelle gearbeitet werden, bestätigte Dr. Ralf Kleindiek in der Diskussion. Adoption (vor allem bei gleichgeschlechtlichen Paaren) ist da ein ganz großes Thema, aber auch die Würdigung anderer Familienmodelle als gleichwertige Formen (Plural!!!) neben dem klassischen Mama-Papa-2-Kinder muss durchgesetzt werden.

Altersarmut, Teilzeit, Mütter und Falle – 4 Worte, die man als Frau mit Kind(ern) gerne von sich schiebt. Weil man eigentlich weiss, dass es später schwierig werden wird. Jetzt als Mutter arbeite ich oft mehr und vor allem länger als kinderlose Vollzeitangestellte – nicht im Büro, sondern zuhause in der Familie – werde aber rententechnisch dafür „bestraft“. Ich persönlich habe allerdings noch keine Lösung gefunden, weil ich es für ein allgemeingesellschaftliches Problem halte.

 

Fazit:

Politik und Elternblogger – da ist ein guter Anfang gemacht.

Es gibt noch viele Baustellen, aber wir müssen alle weiter daran arbeiten, dass das Leben für Familie und Kinder besser wird.

Die kommende Wahl ist da zum Beispiel eine super Möglichkeit!


Mehr Informationen zum BMFSJS und das vielfältige Angebot findet Ihr hier beim Familien- Wegweiser


 

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