Schule & Bildung – bewegt sich etwas?

Dieser Beitrag werden wohl eher diejenigen von Euch lesen, die ein Vorschulkind oder schon richtige Schulkinder daheim haben. Oder die beruflich mit dem Thema Schule und Bildung zu tun haben.

Ich kann mich nämlich noch gut daran erinnern, wie wenig mich Schulthemen interessierten, als meine Älteste noch fröhlich in die KiTa ging. Der erste allgemeine Info- Abend fand 2 Jahre vor dem Schulbeginn statt, welcher dann aber ganz schnell wieder in weiter Ferne lag. Doch spätestens seit ihrer Einschulung im Sommer 2015 hat sich das geändert und Schule/ Bildung ist hier gelebter Alltag.

 

Buffet zur Einschulungsfeier

 

Schule und Bildung – ein Reizthema?

Ich selbst bin immer gerne zur Schule gegangen, habe überwiegend gute Erfahrungen gemacht und nur wenig Druck wegen schulischer Leistungen gespürt. Für meine Kinder wünsche ich mir ähnliche Erfahrungen und bisher erzählt mir meine Tochter immer sehr fröhlich, was sie Tolles in der Grundschule erlebt hat. Ich selbst schätze den guten Kontakt zu den Lehrer_innen und auch zu den Angestellten im offenen Ganztag (OGaTa), meine Tochter kann viele Dinge in ihrem Tempo erlernen und spürt das Engagement der Schule im Hinblick auf gute Ernährung, ein friedliches Miteinander ohne Rassismus und auch bei der Integration.

Aber das ist nicht überall so. Viele Eltern sind zwar im Groben mit der Schule an sich und der Schulpolitik im Allgemeinen zufrieden, dennoch gibt es noch viele Baustellen.

 

Einen stark gefilterten Eindruck dieser Zwiegespaltenheit bekomme ich selbst oft auf Twitter und Facebook mit:

Da ist von Hausaufgabenbergen die Rede, die von den Müttern gemeinsam mit dem Schulkind abgearbeitet werden müssen, überall fehlen Ganztagesplätze und Kinder bekommen von zuhause Mittagessen mitgegeben weil die Mahlzeit in der Betreuung so eklig sei.

Auf der anderen Seite lese ich dort oft von Lehrer_innen, die sich mit Haut und Haar engagieren, die den Staub von den Lehrinhalten abklopfen wollen, die den Unterricht nachts vor- und nachbereiten (weil sie ihre eigene Familie und den Beruf nicht anders vereinbart bekommen) und die tagtäglich mit Inklusion unter bescheidensten Umständen arbeiten (müssen).

Und dann gibt es da Bea Beste (die Wirtschaftsingenieurswesen sowie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studierte und u.a. mehrere bilinguale Schulen gründete, die von über 3000 Kindern in 5 Bundesländern besucht werden), die ich on- und auch offline nun schon seit mehreren Jahren kenne. Ich verfolge gespannt, wie sie sich für bessere und vor allem kindgerechte Bildung einsetzt. Auf ihrem Blog TOLLABEA gibt sie Einblicke, Anregungen und auch mannigfaltige Anleitungen, wie man Kinder spielerisch fördern kann, ohne zu fordern.

 

Was denkt eine Edupreneurin über Verbesserungen im Bereich Schule? Bea meint:

Bea Beste von Tollabea„Zu allererst würde ich die Stimmung verändern, mit der wir ALLE an das Thema herangehen. Ich habe hier schon mal für mehr Heiterkeit plädiert – ich tue es wieder. Ich habe selten in einer „Branche“ so viel Verbissenheit und Verkrampftheit gesehen… und ich habe als Beraterin viel gesehen, von Lebensmittel- bis zum Chemiekonzern, von Reiseanbieter bis zur Pharma. Die Bildung ist für Kinder da, und unser Kinder brauchen Ansätze, die ihrer spielerischen, von Neugier getriebenen Mentalität entsprechen. Kinder brauchen kein Defizitblick, sondern einen Chancenblick. Nicht: „Was fehlt dem?“, nicht das Diagnostische, das unsere angehenden Lehrer bereits in der Uni lernen… Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Stärken erkennen, die ihnen ein High Five geben und sagen: „Du schaffst das. Du kannst das. Hab Freude erstmal!“

Denn Kinder lernen durch Spielen: Sie beobachten frei und ungezwungen Dinge und Phänomene in ihrer Welt, probieren sie aus, experimentieren damit. Das ist etwas, bei dem sogar Scheitern Freude macht! Phantasie und Kreativität können so viel bewirken, wie in einer Startup-Garage im Sillicon Valley. Und wenn Bildungsbeauftragte an ihre Themen mit weniger „Ja, aber…“ und mehr „Warum nicht?“ rangehen würden, wäre uns allen mehr geholfen.

Wenn wir es schaffen…

> den Bildungstrend zu immer mehr Inhalten und Strukturstress zu stoppen,
> mehr auf Fähigkeiten statt auf vereinzeltes Wissen Wert zu legen
> den engagierten Pädagogen mehr Freiheit und Anerkennung zum Ausprobieren neuer Methoden zu geben,
> und Raum für den eigenen Forscherdrang über alle Jahrgangsstufen hinweg möglich zu machen,

…dann wird Schule besser werden.

Und das mit Spaß dabei!“

 

 

Sind unsere Bildungsinhalte und Schulen gut?


* Die Bildungsstudie regional NRW wurde initiiert von Jako-o: 500 Elternteile (350 Mütter & 150 Väter) aus NRW mit schulpflichtigen Kindern bis 16 Jahren wurden dazu im November und Dezember 2016 von Cantar EMNID am Festnetztelefon befragt. Davon besuchten die ältesten Kinder: 130 Grundschule | 130 Gymnasium | 99 Gesamtschule | 77 Realschule


Was denken die Eltern* in NRW über Schule & Bildung?

Die Bildungsstudie regional NRW* gibt Auskunft, wie Eltern hier in Nordrhein- Westfalen aktuell Schule und Bildung einschätzen. So denken z.B. 43% der befragten Eltern, dass sie Aufgaben übernehmen (vor allem Unterstützung bei den Hausaufgaben), die eigentlich die Schule leisten müsste – allerdings ist dies ein geringerer Prozentsatz als im bundesweiten Vergleich (62%). Ich selbst glaube aber, dass umgekehrt viele Lehrer_innen ebenfalls denken, sie müssten viel zu viel übernehmen, was eigentlich das Elternhaus leisten sollte – aber das ist meine persönliche Meinung.

Allerdings schätzen die befragten Eltern die Lehrer- Kompetenzen an den Grundschulen wesentlich besser als z.B. am Gymnasium – vor allem im Bereich neue Unterrichtsmethoden, bei der Förderung von schwächeren Schülern und bei den Fähigkeiten, das Interesse der Schüler für den Stoff zu wecken und ihn gut zu erklären. Diese Meinung teile ich im Grundsatz, denn die Kinder am Gymnasium sind schon wesentlich älter als Grundschüler und müssen meiner Meinung nach eine gewisse Selbstständigkeit erlernen, um später zur Abturreife zu gelangen. Wenn ich aber meine damaligen Gymnasiallehrer_innen und die jetzigen Lehrer_innen an der Grundschule meiner Tochter vergleiche, lässt sich ein deulicher Altersunterschied erkennen, der die Unterschiede der Unterrichtsgestaltung zu einem Teil erklären kann.

Eine große Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Ganztagsschulversorgung habe ich kürzlich selbst miterleben müssen, als ich umzugsbedingt eine neue Grundschule samt Nachmittagsbetreuung für meine Tochter suchte. So würden 72% der befragten Eltern ihre Kinder gerne auf eine Ganztagsschule schicken, aber nur 49% hatten zum Zeitpunkt der Befragung einen eben solchen Platz. Über die Qualität bzw. Zufriedenheit mit diesem Platzes wurden keine Daten erhoben – das hätte mich ja mal interessiert. Mit der aktuellen Ganztagsbetreuung meiner großen Tochter waren und sind wir nämlich sehr zufrieden – ob das aber am neuen Wohnort auch so sein wird? Dort haben wir nämlich nur einen Platz erhalten, weil die OGaTa vergrößert wird. Hoffentlich sind auch die Kapazitäten der Betreuung angepasst worden…

Heilfroh bin ich um den Umstand, dass wir uns aktuell noch keine großen Gedanken um G8 oder G9 machen müssen. Dass G9 (zumindest teilweise) schon wieder zurück ist, lässt mich allerdings aufatmen. Weiterhin gehe ich ganz konform mit den Eltern, die sich für das Gymnasium eine komplette Rückkehr zu G9 (40%) oder für eine Wahlmöglichkeit der Schüler zwischen G8 und G9 an der Schule selbst aussprechen (39%). Nur 8% der Eltern sind für die Beibehaltung von G8 an allen Gymnasien, obwohl – und das finde ich jetzt wieder sehr erstaunlich – nur 15% der befragten Gymnasialeltern halten momentan ihre Kinder an der Schule mit G8 für überfordert (Vergleich: 23% der Eltern schätzen ihr Realschulkind als überfordert ein).

Vielleicht liegt das aber auch am Unterrichtsausfall? Denn an der Realschule fällt bei 43% der Unterricht fast wöchentlich aus – an Gymnasien aber nur bei 27%.

 

Wahlfreiheit? Wahlfreiheit!

Abgefragt wurde auch, was den Eltern aus NRW bei ihrer Wahlentscheidung für die kommende Landtagswahl bzw. bei den Aufgaben der Landesregierung wichtig ist.

Ganz klar: Bildungs- und auch Familienpolitik liegen da an 1. und 2. Stelle (72% | 65% „sehr wichtig“ zuzüglich 24% | 27% „wichtig“).

 

Um die Schule also zu einem guten Ort für unsere Kinder zu machen, können wir uns nicht nur selbst dort engagieren, sondern müssen auch an der richtigen Stelle ein Kreuzchen machen.

Oder was sind Eure Erfahrungen? Was denkt Ihr über Schule und Bildung?

Fact- Sheet 1 Bildungsstudie regional NRW
>>>Klick für größere Ansicht<<<

 

 

Fact- Sheet 2 Bildungsstudie regional NRW
>>>Klick für größere Ansicht<<<

 

2 Gedanken zu “Schule & Bildung – bewegt sich etwas?”

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