„Der erste Besuch des besten Kumpels“ oder „Die überforderte Ein-Kind-Mutter“ {Gastbeitrag Zora von 2kindchaos}

Über die Gastautorin:

Autorengitter_Rote_Zora

 

Liebe Susanne,

es ist mir eine besondere Ehre, Dir einen Gastartikel zu schreiben, denn Dein Blog war der erste, den ich jemals gelesen habe. Du bist mein Einstieg in die Welt der Elternblogs und hast für eine Bereicherung in meinem einsamen Mutter-Alltag während meiner Elternzeit gesorgt!

Vielen Dank dafür!

Da ich selber nur ein Kind habe, möchte ich meinen Gastartikel nicht im Bereich „Ratschläge fürs Wochenbett“ ansiedeln, da ich dir als 4-fache Mutter einfach nix neues erzählen kann.
Ich bin es, die Tipps und Coolness dringend benötigt! Jede neue Situation, die ich mit meinem Sohn erlebe, erlebe ich das erste (und vermutlich auch das letzte Mal) und verunsichert mich auch oft. Wie folgende Situation, als ich das erste Mal einen Kindergarten Freund mit nach Hause nahm.

Alle Mehrfach-Mütter sind herzlich dazu eingeladen sich bei folgendem Artikel mit den Händen an die Stirn zu klatschen und herzlich zu lachen :)

Viel Spaß!

 

„Der erste Besuch des besten Kumpels“ oder „Die überforderte Ein-Kind-Mutter“

Mein Sohn hat einen Kindergarten Freund, der den Titel des „best friend forever“ wahrlich verdient.

Die beiden lieben sich einfach. Begrüßen sich mit Freudenschreien, verabschieden sich mit Küssen auf den Mund und sind einfach unzertrennlich.
Ich dachte mir es sei eine gute Idee ihn mal mit nach Hause zu nehmen nach dem Kindergarten. Er ist immerhin schon 4. Wird ja nicht so schwierig sein 2 Kinder gleichzeitig zu beaufsichtigen…

 

Ich war total aufgeregt!

Als ob mein Sohn sein erstes Date hätte. Ich kaufte extra leckere Sachen ein, putzte alles, lieh mir den Kinder-Toiletten-Aufsatz von den Nachbarn.
Der Weg war schon mühselig. Mein Sohn war natürlich platt von der Kita und wollte lieber getragen werden als selber laufen.
Zu Hause angekommen, wurde direkt alles bespielt was so rum stand. Im 2 Minuten Takt wurde das Spiel oder der Ort gewechselt. Rein-raus-rein-raus. Ich war schon ganz kirre und der Verzweiflung nahe.
Der best friend (der Einfachheit halber nenn ich ihn folgt nur noch „bff“) verkündete mir irgendwann dass er hungrig sei. Also schnell die Smarties Muffins gezückt. Mochte niemand. (Grml. Extra für euch gekauft den Scheiß.) Na gut, Paprika und Gurke geschnitten.

Das ging. Jetzt wollten sie Fernsehen. Ich war etwas (sehr) erleichtert und machte ihnen die Glotze an. Kurze Verschnaufpause für mich.
Während sie schauten, machte ich mich daran das Abendessen vorzubereiten.
Der bff rief, dass er Toast mit Butter wolle.

Ok… Haben wir da.

 

Null Problemo

Er: „Nein, nicht so! Ein Toast mit 4 Ecken.“ Ähm… Jeder Toast hat 4 Ecken? Bis ich drauf kam, dass er wollte, dass ich sein Toast vierteln sollte, vergingen schweißtreibende Minuten. Mein Sohn wollte dann natürlich haargenau dasselbe…
So, beide glotzten und mümmelten ihre Toasts. Also Pause für mich und die Rückkehr zu meiner Arbeit.
Nach ein paar Minuten steht der bff vor mir:
„Was machst du da?“
„Möhren schälen“
„Ich mag keine Möhren“
„Du musst die Möhren auch nicht essen. Du kannst bei dir zu Hause Abendessen.“
Nach weiteren 5 Minuten. ..
„Ich möchte Nudeln essen.“
„Nudeln mache ich jetzt nicht. Du kannst Gemüse essen oder dein Toast oder Obst. Vielleicht gibt es ja Nudeln bei dir zu Hause heute Abend?“
Nach 3 Minuten steht er wieder vor mir und schaut mir zu: „Ich mag keine Möhren.“
Gedanklich knalle ich meinen Kopf auf den Tisch.
Ich schneide Äpfel für ihn. Das ist okay.
Nach 10 Minuten stehen beide vor mir: „Wir wollen auch Kaffee trinken.“ *Kreisch*
Ich schalte die Glotze aus und gehe mit ihnen in den Garten, gebe ihnen Kaffeefilter, Gefäße und Wasser. Nun können sie sich selber Kaffee machen und ich bin ganz stolz auf mich, dass ich diese grandiose Idee hatte.

Rote_Zora_Titel
Foto: Rote Zora

Das klappt auch ganz gut und das ist das längste Spiel am Stück was sie an diesem Tag durchhalten.
Da ich jetzt aber endlich kurz mein Gemüse fürs Abendessen fertig schneiden will, setz ich mich wieder hin und mache weiter.
Kurze Zeit später kommen sie wieder zum Tisch, holen sich was zu essen und setzen sich ins Spiel-Zelt.
Die Mutter vom bff schreibt mir, dass sie sich jetzt auf den Weg mache. Ob das okay sei, dass sie ihre Mutter mitbringe, sie seien gerade zusammen unterwegs.

„Na klar“, schreib ich. Insgeheim frag ich mich aber, ob die Mutter neugierig ist und wir jetzt gleich von Zweien abgecheckt werden.

 

In diesem Moment höre ich alarmierende Geräusche aus dem Zelt

Schnell hin und sehe gerade noch wie mein Sohn würgt und dann das ganze Zelt vollkotzt. Er hatte wohl zu viel Möhren im Mund und sich daran verschluckt. Ich könnte mich Ohrfeigen, dass ich nicht darauf geachtet habe. Normalerweise hab ich ihn im Blick wenn er isst.
Der bff sitzt daneben mit weit aufgerissenen Augen und Hände vor dem Mund. Er verkündet „ich geh jetzt spucken“ und drückt sich an uns beiden vorbei (direkt durch die Kotze) und verschwindet im Bad.
*Oh Gott!!!*
Ich sitz mit heulendem Sohn auf dem Schoß, den bff haben wir traumatisiert und alle sind vollgekotzt.

Und in 5 Minuten stehen fremde Mutter und Oma vor der Türe, auf die man eigentlich einen guten Eindruck machen wollte. Oder immerhin einen normalen Eindruck. Auf jeden Fall nicht so einen!

Ich möchte jetzt bitte auch kotzen. Oder weinen.

Aber hilft ja nix. Den Sohn erstmal ausziehen und mit seinen Klamotten das Gröbste aufwischen. Er heult natürlich in einem durch und ich kann nicht richtig trösten, da ich die Situation noch irgendwie retten will. Ich muss nach oben um neue Anziehsachen zu holen.

Auf dem Weg den bff fragen ob´s ihm gut geht. Er musste nicht spucken. Puh. Er wirkt aber irgendwie leicht apathisch, wie er still den Puzzleteppich bearbeitet…

Halbnackt komme ich wieder runter, ziehe mir ein frisches T-Shirt an und habe die Sachen für den Sohn dabei, da klingelt es auch schon an der Tür. Fuck. Hättet ihr euch nicht noch 5 Minuten länger Zeit lassen können?

Ich öffne und erkläre die Situation. Ich rieche nur noch Kotze und hoffe, dass es in Realität nicht ganz so schlimm ist.

„Jaja, alles kein Problem.“ Wer’s glaubt.
Der bff wird fertig gemacht, ich zieh Meinen an. Immerhin weint er jetzt nicht mehr. Der bff wird gefragt wie es war. Innerlich zucke ich zusammen. „Gut!“ schreit er und das er nochmal kommen will. Ein lachendes und ein weinendes Auge bei mir.
Die Verabschiedung ist lang und speichelreich. Na lecker. Ich unterdrücke ein Würgen.
Als die Tür ins Schloss fällt, fühle ich mich als hätte mich ne Dampfwalze überfahren.

Erstmal sauber machen,  ab auf´s Sofa und Kuschel-Stillen. Und Lüften. Gaaanz viel Lüften!

 

Dieses „Springen“ zwischen verschiedenen Bedürfnissen hat mich echt geplättet. Wir schaffen das Mehrfach-Eltern bloß im Alltag? Meinen größten Respekt an alle da draußen, die sich täglich mit mehreren Kindern rumschlagen müssen! Ob beruflich oder innerhalb der Familie.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt ob der bff nochmal zu uns kommen darf… Ich werde berichten ob das zweite Date ähnlich horrormäßig abläuft oder das Erste sogar noch toppen kann. Fast wie bei den Erwachsenen, mh?

Eure Zora


Und hier schreibt die Gastautorin eigentlich:

Blog: www.2kindchaos.com/

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