Kinderreich und Kinderlos im Gespräch: „Es gibt viele Sichtweisen, keine ist die einzig richtige“

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Alice ist Anfang 30 und bewusst kinderlos. Sie wünscht sich zwar einen Partner, eine Partnerschaft kann für sie aber nur funktionieren, wenn der Partner ebenfalls keinen Kinderwunsch hat.

Anstoss für unseren Kontakt gab dieser Beitrag von mir über die Veränderungen durch Schwangerschaft und Kinder, auf den sie bei ihrer Suche nach dem Grund für schwierige Freundschaften zwischen Müttern und Nicht- Müttern stiess. Zusammenfassend ging es in meinem damaligen Beitrag darum, dass nicht die Kinder die Freundschaft zwischen zwei Frauen zerstören, sondern der neue Lebensabschnitt zu viele Veränderungen mit sich bringt, die eine Freundschaft gehörig auf die Probe stellen können. Per Email tauschen wir uns seitdem über Fragen und auch Missverständnisse aus.
 
Alice möchte mehr Verständnis für sich bzw. für ihre Entscheidung gegen Kinder und für ihr kinderloses Leben. Hier gebe ich Ihr gerne -anonym- die Stimme, die sie sich wünscht und bekomme andererseits durch unseren Briefwechsel viele Einsichten, die ich in einer kleinen Reihe nun fortan mit Euch teilen möchte.

Nun aber los zum Anfang und zum Kommentar von Alice, den sie mir zum Beitrag hinterließ:

„Wahrscheinlich wird das kaum mehr jemand lesen, so lange, wie der Beitrag schon her ist. Vielleicht aber doch jemand, jemand wie ich, die kinderlos ist und das auch bleiben möchte und sich von Freundinnen, die Mutter geworden sind, im Stich gelassen fühlt.

Bei allem vorhandenen Verständnis für alles neue, was Mütter erleben und sicher auch nur Mütter selbst so emfpinden und verstehen können: Wir Kinderlose sind nicht blöd. Wir können uns sehr wohl vorstellen, dass nunmal eine ganze Zeit lang nichts anderes wichtig ist.
Aber Sätze wie „da muss noch mehr kommen“, „das kann noch nicht alles gewesen sein“ oder auch – was ich immer wieder erlebe – dass Mütter sich nicht mehr mit dem überspitzt gesagt ‚unwichtigen Kram‘ von Kinderlosen beschäftigen, verletzt uns. Denn unsere Probleme sind uns wichtig. Ihr hattet sie auch mal. Euch waren sie auch wichtig. Und nur, weil ihr Kinder habt, ist es nicht ok, solche Probleme der Freunde auf einmal als ‚unwichtig‘ abzutun. Es ist herabsetzend und nicht in Ordnung.

Und das heißt auch, dass ich, die sich gegen Kinder entschieden hat, damit aber zufrieden ist, in euren Augen halt nicht verstanden hat, dass es da ja noch mehr gibt.
Mit solchen Aussagen sagt ihr [die Kinder habt] auch: „Du verpasst etwas. Du weißt nicht, was wirklich wichtig ist. Deine Probleme sind lächerlich. Du bist bedauernswert.“
Es mag ja sein, dass ihr findet, ihr hättet etwas verpasst, hättet ihr eure Kinder nicht bekommen. Aber das muss nicht für andere gelten.

Es ist vermessen, zu beurteilen, dass all eure Probleme plötzlich wichtiger sind. Und für alle Kinderlosen, ob gewollt oder nicht, sind solche Aussagen ein Schlag ins Gesicht.
In vielen Artikeln steht auch, gute Freunde halten das aus. Die sind auch hinterher noch da.
Ich bin anderer Meinung. Ich bin eine gute Freundin. Und ich werde nicht automatisch zu einer schlechten Freundin, weil ich nach Jahren des Zurücksteckens, nach Jahren, in denen ich nicht wichtig war, nicht mehr da sein möchte. Ich bin kein Ding, das man auf ein Abstellgleis stellt. Zurückstecken im gewissen Rahmen, klar. Ich bin erwachsen. Ich verstehe das. Aber alles hat seine Grenzen. Und alles Extreme ist ungesund. Ebenso, wenn kinderlose Freunde extrem unwichtig werden.

Ich verstehe vieles aus der Sicht der Mutter.

Ich wünschte nur, die Mütter würden auch ein wenig mehr Verständnis für Kinderlose aufbringen, für deren Gefühle und sie weniger verurteilen und ihnen vor allem weniger das Gefühl geben, sie seien bedauernswert und lebten ein sinnloses Leben.

 
Ich habe durch vieles den Sinn des Lebens erkannt. Leider auch durch viel Schlimmes. Ich kümmere mich viel um andere Menschen. Nicht um eigene Kinder. Aber um andere Menschen. Das ist nicht minderwertiger als das, was eine Mutter tut.

Ich bin froh, dass ich das hier einmal äußern durfte. Ich wollte gern einmal eine Stimme haben und hoffe, dass eine andere Kinderlose, die ebenso traurig über manche Aussagen und Aktionen von Müttern ist, sich evtl. einmal verstanden fühlen.
Ich wollte niemanden angreifen sondern nur einmal anmerken, dass es mehr als eine Sichtweise gibt und dass viele unbedachte Aussagen andere außerordentlich verletzen können.“

 

Kaffeepause in der Stadt

 

Ich dachte lange nach und schrieb Alice folgendes zurück:

„Hallo Alice! Vielen Dank für Deinen Kommentar!

Zu allererst muss ich aber sagen: Jetzt steckst Du mich mit allen anderen Müttern da draussen in eine Schublade und das finde ich nicht okay. Per se ist das mein Blog, auf dem jeder lesen darf wie er will – oder eben nicht. Zum anderen rede ich von mir, von meinen Gefühlen und Gedanken und wie es bei mir war, als ich als allererste aus dem Freundeskreis schwanger wurde und alle anderen nur Party, Feiern und Spass im Kopf hatten. Die Probleme, die ich mal mit ihnen gleichzeitig hatte, waren nicht insgesamt unwichtiger geworden – aber für mich sind sie unwichtiger geworden. Meine Prioritäten haben sich verschoben (die der ehemaligen Freunde meist nach und nach auch, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt).

Ich persönlich möchte niemanden in seinen Lebensweg und seine Entscheidung für oder gegen ein Kind(er) hineinreden. Das ist sein Leben, nicht meines. Ich lebe meines, er seines. Was steht mir zu, da zu urteilen?

Dass Du Dich von solchen Aussagen angegriffen fühlst, zeigt mir, dass Du Dich verletzt und zurückgesetzt fühlst. Freundschaft ist Geben und Nehmen – wenn Freundschaft aus dem Gleichgewicht gerät, dann muss man etwas daran ändern und das müssen beide wollen. Oder es passt einfach nicht mehr, so weh es auch tut. Menschen und Freundschaften verändern sich auch ohne Kinder, da reicht ein anderer neuer Lebensabschnitt und schon versandet etwas, was früher unverrückbar fest schien. Nur in diesem Alter gibt es eigentlich kaum noch neue Lebensabschnitte und deswegen steht der des Kinderkriegen umso mehr im Fokus.“
 


Im Nachhinein bat mich Alice, noch folgendes hinzuzufügen: „Mit etwas Abstand betrachtet bedaure ich meinen teilweise fast etwas feindlichen Ton und möchte ihn mit meiner Emotionalität in dem Moment entschuldigen. Heute würde ich zwar den Inhalt so belassen, aber anders formulieren. Vielleicht aber auch einfach ein Zeichen dafür, wie sehr einen eine solche Problematik mitnehmen kann.“


Liebe Alice, ich freue mich wirklich sehr, unsere Korrespondenz hier veröffentlichen zu dürfen und bin nun gespannt, wie andere das sehen!


 

12 Gedanken zu „Kinderreich und Kinderlos im Gespräch: „Es gibt viele Sichtweisen, keine ist die einzig richtige“

  1. Danke für diesen bereichernden Beitrag! Er hat mich sehr zum nachdenken gebracht und ich muss sagen: ich verstehe, was Alice meint. Und ich persönlich fühle mich da auch nicht in eine Schublade gesteckt oder angegriffen, sondern berührt. Wie schnell rutscht einem so eine Bemerkung zu den Problemen der kinderlosen Freunden raus mit dem Zusatz, man selbst habe ja mit Dingen ganz anderer Wichtigkeit zu tun. Als Mutter treibt einen halt verstärkt das an, was mit den Kindern zu tun hat. Vielleicht ist es auch ein bisschen Wehmut darüber, sich selbst als Person eben nicht mehr so im zentralen Fokus seines eigenen Lebens zu sehen.

    Ich finde es immer richtig und wichtig sich auch die Gefühle anderer bewusst zu machen. Danke, dass ich das hiermit tun durfte.

    Liebe Grüße,
    Jessi

  2. Ich finde den Kommentar hier auch sehr spannend. Ich merke leider auch, dass es sehr schwierig ist engen Kontakt zu Freunden ohne Kinder zu halten. Da fehlt für mich oft das Verständnis für meine Situation (so werde ich 6 Wochen nach Geburt aufgefordert mit ihr in den Kletterpark zu gehen damit ich mal was anderes sehe und ich denke mir nur wtf). Ich erwische mich auch immer wieder dabei, dass ich denke Mädel das was du als Stress empfindest hätte ich gerne mal wieder. Ich reagiere sehr empfindlich wenn ich jahrelang nicht mehr durchschlafe und dann höre ich das jemand kinderlose schon um 9 aufstehen musste. Meine jüngste Schwester antwortete einmal ganz frech „ich führe nur das Leben das du mal hattest“ und sie hat recht. Auf beiden Seiten sind Gefühle da und man muss wirklich aufpassen was man sagt und sich gegenseitig mehr bewusst machen aber das Leben sollte auch kein Wettbewerb sein wer mehr Probleme oder Stress oder weniger Schlaf hat.

  3. Ein toller Post und vielen Dank auch an Alice, dass du den Mut hattest, dieses Thema in einem Mama-Blog auch mal anzusprechen.
    Ich denke, dass „Problem“ zwischen Kinderlosen und Eltern ist, dass das Kinderkriegen nun mal einschneidendes und lebensveränderndes Ereignis ist. Vor den gleichen „Problemen“ stehen Freundschaften, wenn eine*r eine Weltreise macht, eine Zeitlang humanitäre Hilfe in Krisengebieten leistet oder einen Unfall/Krankheit erlebt hat. Da verschieben sich einfach die eigenen Blickwinkel auf’s Leben.
    Bei einer Verwandten von mit wurde z.B. kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes Schilddrüsenkrebs diagnostiziert und sie wurde 6 Wochen nach der Geburt operiert. Sie meinte damals, dass sie sich dann auch überhaupt nicht mit den anderen Müttern verbunden fühlte, weil sie wirklich ganz andere Probleme hatte als Schlafmangel und After-Baby-Body…

    Was ich allerdings nicht so recht verstehe ist, warum dich, Alice, Aussagen darüber verletzten, dass ich empfinde (oder hier halt Susanne so empfindet), dass in unserem Leben „doch noch mehr sein muss“ als Job und Party. D.h. doch nicht automatisch, dass wir per se denken, dass so ein Leben sinnlos ist…

    Alles Liebe ♥
    Nadine

  4. Dankeschön für die positiven Rückmeldungen. Der Kontakt mit Susanne tut mir sehr gut, auch ihre Rückmeldung, und die Art, wie sie unseren Kontakt auch ernst nimmt.

    Trotzdem war ich einigermaßen nervös bezüglich anderer Reaktionen und umso erleichterter, auf so viel Verständnis und viele warme Worte zu stoßen.

    Ich verstehe natürlich, dass man als kinderlose Freundin einfach zurückstecken muss und solche Aktionen wie mit dem Kletterwald verstehe ich absolut nicht. Da wird sehr klar, dass sicher viele Kinderlose sich eben keine oder wenig Gedanken über sowas machen, und spätestens dann und mit Häufung solcher Dinge geht die Schere zwischen beiden Freundinnen dann auseinander…
    Die Frage ist, ob das verhindert werden könnte, wenn man einfach äußern würde, was man darüber denkt, möglichst wertneutral. Das ist wohl immer abhängig vom Einzelfall.
    Auch solche Geschichten wie um 9 Uhr aufstehen… also ich kenne sowas nicht. Mein Tag beginnt um halb sechs. Ich bin Lehrerin, ich mag zwar am frühen Nachmittag zu Hause sein, doch dann geht es ans Korrigieren, ans Vorbereiten. Dann kümmere ich mich um einige Familienangehörige, die krank sind. Ich engagiere mich im Tierschutz und da gibts auch noch ein paar andere Baustellen, die mir aber doch etwas zu privat sind. Da kann man auch ohne Kinder absolut in Stress kommen. Und ich wünsche mir eine Würdigung dessen. Natürlich kann man über manchen, der etwas absolut Normales als Stress bezeichnet, nur den Kopf schütteln. Obgleich man auch da nie weiß, wie es in der Psyche aussieht. Doch es gibt eben auch sehr ernstzunehmende Geschichten.

    Nadine, es kann sein, dass ich es pauschal dann auf mich übertrage, wenn eine Mutter sagt „da muss es noch mehr geben.“ Ich habe es eben erlebt, dass eine ehemalige Freundin, die Mutter wurde, direkt sagte: „Alice, du wirst schon sehen, das reicht dir irgendwann nicht mehr, du wirs auch irgendwann mehr wollen.“
    Naja, das muss man selbstverständlich persönlich nehmen. Und wenn jemand sagt, es muss mehr geben, heißt das im Umkehrschluss, alles andere ist zu wenig. Und das trifft mich sehr.
    Zumal ich mich gern auch eben gegen „Job und Party“ wehren möchte. Eine Partymaus war ich nie, bin ich nicht und werde ich auch nicht mehr. Ich habe wie gesagt kranke Familienangehörige. Das ist mit viel Sorge, Ängsten und Einsatz verbunden.
    Und eben auch diese Pauschalisierung, dass alle Kinderlosen nur Job und Party kennen, stört mich. Weil es bei mir in keiner Weise so ist und ich denke, auch bei vielen anderen Kinderlosen nicht. Es klingt einfach leicht herabsetzend, denn – auch wenn ich finde, wer so leben kann und es mag, der soll es bitte tun, denn wichtig ist, dass wir tun, womit es uns in unserem Leben gut geht – ist das natürlich nicht eben schwer, sofern man an das Wort „Leistung“ denkt. Und auch wenn ich bewusst kinderlos bin, gibt es glaube ich auch viele, die es nicht sind, und für die Job und Party vielleicht nichts weiter ist, als eine Flucht.
    So ein Satz wie „da muss es mehr geben“ oder salopp gesagt „wenn dein Leben aus Job und Party besteht, ist es doch ok“ kann einfach in beiden Fällen – gewollt und ungewollt kinderlos – sehr verletzend sein. Wie gesagt, wegen des Umkehrschlusses.

    Ich bedanke mich auf jeden Fall ehrlich für die Offenheit, es rührt mich.
    Der Anlass, warum ich schrieb, war eben der, dass eine Freundschaft, die nun 20 Jahre besteht, und in der wir so viel Schlimmes auch gemeinsam durchgestanden haben, plötzlich endet, weil ein Kind da ist. Ich fühle mich total hilflos. Ich hatte selten so ein starkes Gefühl, unwichtig geworden zu sein. Obwohl ich zu keiner Zeit eine Einladung zum Kletterpark (symbolisch gesprochen :) ) ausgesprochen oder anderes Unangemessenes verlangt hätte. Wir waren uns auch immer einig, in allem ehrlich zu sein. Und plötzlich ist der Kontakt einfach weg. Es verletzt mich über alle Maße. So kam das Ganze überhaupt. Und es ist schön, dass hier so viele sind, die mir offen und freundlich begegnen, auch, wenn mein erster Kommentar nicht unbedingt ein Beispiel an Freundlichkeit war.
    Sicher darf auch ich nicht den Fehler machen, zu pauschalisieren. Ich spreche von den Erfahrungen, die ich gemacht habe.

    Also noch einmal: Dankeschön :)

    1. Hast du auch mal mit deiner Freundin darüber gesprochen, über deine verletzung, dein empfinden, deine wünsche und ihre?

    2. Liebe Alice,

      ok, wenn dir eine Freundin, die dich und dein Leben ja schon ein bissel kennen sollte, dann solche Dinge wie „Da muss es noch mehr geben“ an den Kopf wirft, wäre ich auch sauer – zu Recht.
      Und ja, dass mit dem „nur“ Job+Party/Reise-Leben bei Kinderlosen ist sehr pauschalisierend. Ich werde in Zukunft darauf achten :o)

      Aber was ich dir für deine Freundschaft, die jetzt „abrupt “ endet, weil ein Kind da ist, mit auf den Weg geben möchte, ist folgendes: Es braucht Zeit, relativ gesehen sehr viel Zeit bis man aus dem Baby-Kleinkind-Fokus wieder auftaucht. Bis man als Jung-Mutter überhaupt wieder die Kraft, Energie und Lust hat, sich wieder Dingen zuzuwenden, die nix mit Kind zu tun haben. Schätzungsweise eher so zwei-drei Jahre und wenn noch Geschwisterchen folgen, noch länger.
      Ich glaube, dass ist für Kinderlose halt wirklich eine lange Durststrecke und die Freundschaft besteht dann halt auch ersmtal eher aus viel Geben von der kinderlosen Seite her. Der Kontakt muss halt jetzt vorrangig von dir aus gehen. Und wenn es nur einmal im Monat ein Anruf oder eine Nachricht ist. Aber ich denke, es lohnt sich, durchzuhalten und deine Freundin wird dir am Ende wahrscheinlich auch unheimlich dankbar dafür sein, dass du dir die Mühe gemacht hast und am Ball geblieben bist.

      Alles Liebe ♥
      Nadine

  5. Übrigens arbeitet es dank des Kontaktes und eurer Kommentare auch in mir sehr. Ich versuche gerade zu reflektieren, wie einseitig ich vielleicht auch manches sehe.

  6. Hi :)
    Interessante Auseinandersetzung.
    Ich persönlich liebe meine (wenigen ) Freundinnen ohne Kinder. Denn mit ihnen kann ich wenigstens über ganz andere Dinge reden. Und meistens garantiert es mir eine Auszeit von meinem trubeligen 3Kinder-Alleinerziehenden -Leben. Ich finde sogar, dass es auch Menschen ohne Kinder geben muß, denn das ermöglicht einen ganz anderen Austausch /Bindung miteinander. Ob gewollt oder ungewollt, diese Menschen sind auch trotzdem wertvolle Wesen in meinem Leben.
    Weil sie mir helfen, dankbarer zu sein,dass ich diese 3 hab, wenn ich mal wieder fluche. Oder den Kindern auch jemanden „bieten“ zu können, die eben nicht gleichzeitig auch den „Elternzeigefinger“ zu erheben.
    Das Problem an der Geschichte ist doch, dass, wie so oft, jeder alles nur mit seinen Augen betrachtet. Mein Horizont ist der einzig wahre. Oder diese Fixierung auf den eigenen Lebenstil. Alles dreht sich nur noch um die Kinder. Viele trauen sich aber auch einfach nicht, mehr an sich selbst zu denken. Dass es auch noch die Person gibt ohne Mutterrolle. Eben nur „die Eva“. Das ist ebenso ungesund wie nur sich als kinderlose Frau zu sehen.
    Am schwierigsten ist glaub ich die Phase, wenn die Kinder noch sehr klein sind und eben starke Bedürfnisse haben. Da sollten wir einfach grundehrlich zueinander sein. Offen fragen, was genau wünscht Du Dir gerade von mir als Freundin. Sagen, dass man die Freundin vermisst. Dass wir wert auf ihre Existenz in unserem Leben legen. Man kann auch Pausen einlegen, aber einer muss den Mut für den Wiedereinstieg finden.
    Ich denke, wenn die Basis stimmte, dann bleibt die auch. Auf der anderen Seite darf man auch erkennen, dass es wenige Gemeinsamkeiten mehr gibt. Manchmal gehen Menschen auch aus unserem Leben.

    Kinder verändern einem auch. Plötzlich entdeckt man die spießigen Seiten an sich….oder man will sein Kind auch gar nicht beim Babysitter lassen, obwohl man es sich vorher geschworen hat.
    Wahrscheinlich bekommt man dann als Aussenstehender ohne Kinder einen totalen Fritz, wenn die sonst so toughe Freundin plötzlich mit verstellter Stimme „Ja die Mami ist gleich bei Dir“ sagen hört. Ich finde, dann darf man das auch sagen ;)
    Also mir darf man das immer sagen. Allerdings habe ich persönlich immer viel Wert drauf gelegt, ich selbst zu bleiben mit all meinen Facetten, die Mutterfacette ist nun dazu gekommen. Es ist auch so ein Grundproblem, dass viele Menschen gar nicht sie selbst sind, sondern eine Rolle spielen, die von ihnen erwartet wird.
    Es ist ein vielschichtiges Thema, welches ich sehr interessant finde. Ansichten verändern sich auch… Lebensabschnitte gibt’s definitiv, egal ob mit oder ohne Kinder. Mit Kindern nimmt man sie vielleicht extremer wahr?
    Und diese Frage „ist das jetzt alles?“ – die spukt wohl jedem mal im Kopf herum. Da ist es egal ob mit oder ohne Kinder. Ich stellte sie mir vor den Kindern, als auch im Endstadium meiner Ehe, bzw. mit 39. Jedesmal war die Antwort : „Nein, niemals! Womit erfreue/befülle/ändere/erlebe ich jetzt mein Leben? Ich habe nur das – also los geht’s und ich gestalte es, dass es reich wird!“

    Abschließend kann ich eines sicher sagen, nachdem ich nun 3 Kinder halbwegs groß habe: Diese Form der Liebe, die ich meinen Kindern entgegen bringe und die sie mir wiederum schenken, ist etwas, was ich persönlich sonst noch nirgends anders erlebt hab. Das ist vielleicht der einzige Unterschied zwischen kinderlosen und kinderhabenden Menschen. Diese Erfahrung hab ich natürlich erst mit meinen Kindern machen können.
    Das soll mich jetzt nicht höher stellen!
    Und was noch eine Tatsache ist, ist dass kinderlose natürlich gerne Tipps geben, die theoretisch toll sind, und auch oft objektiv, aber es eben sehr oft praktisch nicht machbar sind. Denn Kinder sind eben Kinder, und da ist oft alles anders als man denkt :D

    Ich finde es übrigens viel schlimmer von anderen Eltern Tipps zu bekommen und sie es unbedingt besser wissen wollen ;)
    Da mag ich oft wirklich lieber die Ideen von kinderlosen Menschen, die Dich als Person eben mehr im Vordergrund sehen möchten.

    Ein sehr umfangreiches Thema!
    Aber klasse!
    Liebe Grüße, Eva

  7. Eva, ich habe alles verstanden. :)

    Ich danke allen nochmal für ihre tollen Kommentare.

    Nadine, ich muss in jedem Fall zugeben, dass ich auch Schuld bin, dass es so lange keinen Kontakt gab. Und eigentlich fürchte ich so ein bisschen, dass ein Missverständnis vorliegt, doch ich schaffe es derzeit nicht, über meinen Schatten zu springen. Das kann man mir ganz bestimmt ankreiden.

    Ich erkläre es kurz. Das letzte Telefonat war zum Geburtstag, das war im Oktober.
    Zu Weihnachten schickte ich ihr und ihrer Familie eine Karte. Wir hatten zuvor abgemacht, dass wir uns dieses Jahr nichts schenken (das haben wir sonst immer gemacht), weil es bei mir wegen meines Hausbaus finanziell im Moment einfach grad nicht drin ist, dass ich hier und da noch Geschenke machen kann. Aber Karten haben wir uns geschrieben, seit wir denken können (wir wohnen etwas weiter auseinander) und so war es ganz klar, dass ich natürlich eine Karte schicke. Ich bekam von ihr keine, das war aber dann ok für mich, weil sie mir eine Whatsapp schickte. Sie bedankte sich für die Karte und schrieb, dass sie jetzt gar keine geschickt hat, mir aber so natürlich eine schöne Weihnachtszeit wünscht. Sie fragte, ob wir in den Ferien mal telefonieren wollen.

    Da ich so ein schlechtes Internet hatte, antwortete ich mit einer SMS, auf die ich keine Antwort bekam.
    Die Ferien verstrichen, die Schule begann wieder und es kam nichts. Und das hat mich enttäuscht. Ich habe – leider erst irgendwann Ende Februar – gesehen, dass die SMS gar nicht gesendet wurde (dann steht da: SMS konnte nicht gesendet werden, versuchen sie es erneut. Das passiert manchmal, wenn das Netz grad allgemein schlecht ist).
    Dumm und wahrscheinlich wird jetzt jeder sagen: Hallo? Warum hast du dich nicht einfach daraufhin bei ihr gemeldet, das klargestellt und das Telefonat nachgeholt?

    Ja, gute Frage. Vielleicht einfach weil sie sonst einfach anruft. Und ich dachte: Warum hat sie denn nicht einfach angerufen? Zwischen uns gab es in den gesamten 20 Jahren nie so etwas, was es unter vielen weiblichen Freundschaften gibt. So etwas wie Neid, Missgunst, sowas wie „eigentlich wäre sie jetzt an der Reihe…“. Sowas gab es bei uns tatsächlich nicht! Darum ist es ja so eine wichtige Freundschaft gewesen. Sehr einzigartig! Es war immer unkompliziert. Mal hat die eine sich gemeldet, dann die andere, es hat keine Rolle gespielt. Wir haben auch vorher nie gefragt „hast du dann Zeit zum Telefonieren?“ Wir haben einfach angerufen.
    Einfach anrufen tue ich sie seit der Geburt nicht mehr. Aus dem einfachen Grund, dass eine andere Freundin von mir, die ebenfalls Mutter ist, mal sagte, sie wird nicht gern angerufen, weil es immer sein kann, dass das Kind grad schläft und davon aufwacht. Das leuchtet mir ja auch ein. Daher hatten wir abgemacht, wenn, dann ruft sie an oder wir schreiben eben. Das funktioniert auch ganz gut, finde ich.
    Und ich dachte halt, ja, das wird dann mit meiner anderen Freundin auch so sein. Ich scheue mich also, anzurufen.
    Natürlich müsste ich jetzt zumindest eine SMS oder Whatsapp schreiben und sichergehen, dass sie auf jeden Fall gesendet – und bei Whatsapp auch gelesen wurde.

    Doch wenn sowas vorher mal passierte, dass jemand eine Nachricht nicht bekommen hat, wurde daraus nie eine Funkstille. Ich bin einerseits sauer auf mich selbst, dass ich nicht früher nachgeschaut habe, weil zwischen Weihnachten und Ende Februar eine wirklich lange Zeit liegt und ich längst hätte nachschauen oder fragen müssen. Andererseits auf sie, weil sie doch einfach – wie sie es doch immer tat – hätte anrufen können.

    Es klingt ein bisschen nach Kindergarten, das ist mir bewusst. Aufgrund privater Dinge, die ich hier nicht erzählen möchte, die sie aber weiß, weiß sie auch, dass eine schwere Zeit hinter mir liegt, in der ich auch Unterstützung gebraucht hätte. Und ich fühlte mich verletzt, dass sie gar nicht danach fragt.

    Es ist eine merkwürdige Situation, ich glaube, auch für sie. So etwas gab es zwischen uns noch niemals! Es war immer mal möglich, dass wir zwei, drei Monate kaum Kontakt hatten (Job, Familie, verschiedene Wohnorte etc.) doch das wurde niemals zu einem Problem. Warum jetzt auf einmal? Vorher hat keine von uns je darüber nachgedacht, wer sich eigentlich zuletzt gemeldet hat. Wer eigentlich dran wäre. Es hat einfach funktioniert. Warum jetzt plötzlich nicht?

    Und warum kann ich nicht über meinen Schatten springen, nachdem wir solange befreundet waren.
    Und warum kann sie auch nicht über ihren Schatten springen?
    Und das, wo doch gerade unsere Freundschaft darum so besonders war, weil sie so unkompliziert war und solche Probleme überhaupt nicht kannte?

    Und da ist dann auch etwas, was ich kaum sagen mag, weil ich glaube, dann wollen mich alle steinigen. Aber ich sags jetzt trotzdem, weil darin evtl. der Grund liegt, warum ich plötzlich nicht mehr über meinen Schatten springen kann: Für mich war ja immer klar, dass ich keine Kinder möchte. Und das war es für sie auch. Wir hatten – ganz kurz bevor sie schwanger wurde, vielleicht zwei, drei Wochen vorher – telefoniert und da auch darüber gesprochen, dass wir beide uns überhaupt niemals vorstellen können, Kinder zu haben. Niemals! NIE NIE NIE! Wir ärgerten uns auch über das Verhalten einer befreundeten Mutter und waren einfach darin verbunden, niemals Mutter werden zu wollen.
    Und kurz darauf ist sie schwanger. Ich erfuhr erst Monate später davon. Sie sagte, sie wollte abwarten, bis ich meine Prüfung bestanden hatte, weil diese sehr schwer war und sie wusste, das mich ihre Schwangerschaft evtl. aus der Bahn wirft. Das finde ich von ihr nach wie vor sehr rücksichtsvoll.
    Naja jedenfalls wusste ich aber ja, wann sie schwanger wurde und dass es kurz danach war. Und auch, wenn ich überhaupt kein Recht dazu habe – das weiß ich rein sachlich, rein verstandesbasiert – fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen und – ich weiß grad kein besseres Wort – verraten. Das ist viel zu hart und wie gesagt, ich weiß, ich habe kein Recht dazu. Es ist IHR Leben und wenn von heute auf morgen ein Kinderwunsch entsteht, ist es IHRE Sache und ich habe zum Teufel nochmal nicht das Recht, das in irgendeiner Weise zu beurteilen. Leider gibt es da sowas wie Emotionen und Irrationalität. Und das führt zu diesem Gefühl, sich „verraten“ zu fühlen. Ich konnte diesen doch sehr extremen Sinneswandel innerhalb kürzester Zeit nicht nachvollziehen. Und musste mich plötzlich an dieses auch für mich einschneidende Ereignis gewöhnen, dass – dadurch, dass ich es erst spät erfuhr – innerhalb kürzester Zeit auch mein Leben veränderte.

    Und ich gebe zu, auch wenn es wie gesagt rational gesehen überhaupt nicht geht!, dass es mir wohl schwer fällt, darüber hinwegzukommen. Und vielleicht darum nicht über meinen Schatten springen kann.

    Würde ich das von jemand anderem lesen, würde ich sagen: Mädel, was soll der Mist? Warum machst du so ein Theater?
    Weil mein Verstand das weiß. Und ich mir meiner Schuld irgendwie auch durchaus bewusst bin.
    Aber bei einer solch langen Freundschaft und vielen Ereignissen, die das Verhältnis zwischen zwei Menschen prägen, ist es eben manchmal doch nicht so ganz einfach.

    Das war jetzt echt nicht leicht, und ich weiß, das müsste ich eigentlich meiner Freundin sagen. Woher soll sie wissen, was in mir vorgeht?

    Und dann denke ich: Sie hat ein Kind. Für sowas hat sie keine Zeit.

    1. Liebe Alice,

      so langsam kommt Licht in deine Geschichte :o)
      Vielleicht denkt deine Freundin aber auch genau das: Dass du sauer auf sie bist, weil sie jetzt ein Kind hat und angefressen, weil du keine Weihnachtskarte bekommen hast. Vielleicht traut sie sich deshalb auch nicht, dich zu kontaktieren…
      Vielleicht hat sie den Kopf aber auch wirklich voller anderer Dinge, sodass du ihr „durch die Lappen gerutscht“ bist. Mir ging es zumindes im ersten Babyjahr immer so, dass ich oft Wochen oder gar Monate gebraucht habe, um mal eine längere Mail zu beantworten. Aber wie in einem anderen Kommentar gesagt, Dank WhatsApp sollte eine Basis-Kommunikation trotzdem zu schaffen sein.

      Ganz ehrlich, ich bin immer noch der Meinung, dass du dich bei ihr melden solltest. Sei es durch eine WhatsApp oder vielleicht auch durch eine „Ich vermisse Dich“- Karte. Dann kommst du bei deiner Freundin wieder auf den „Bildschirm“ und ihr könnt die Sache vielleicht klären.
      Ansonsten könnte auch deine Freundin denken, dass du dich die ganze Zeit nicht gemeldet hast, es dir also nicht mehr wichtig erscheint.

      Ich wünsch euch alles Gute!
      Nadine

      1. Danke Nadine.
        Ja, diese Geschichte liegt mir besonders am Herzen.
        Nichts desto trotz geht es auch um Freundschaften zwischen Müttern und Nichtmüttern im Allgemeinen. Es gibt noch mehr Mütter in meinem Freundeskreis und da gibt es immer wieder die gleichen Dinge, die mich beschäftigen. Umso besser ist der Austausch hier für mich. Es fällt nämlich irgendwie deutlich leichter, mit euch zu diskutieren, weil wir voneinander nicht so voreingenommen sind. Jemandem etwas zu sagen, den man schon lange kennt, ist gar nicht mal so leicht…

        Ich glaube, dass ich vielleicht irgendwann über meinen Schatten springen kann und sie kontaktiere… im Moment bin ich nur leider noch nicht bereit dazu. Ich glaube aber, dass ich dahingehend gerade viel nachdenke und einige Schritte vorwärts mache, auch zu einem sehr großen Teil dank euch! :)

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