Familienerbstück: Möbel, die Geschichten erzählen {Gastbeitrag}

Vor ein paar Wochen bat ich Euch um Gastartikel zum Thema Familienerbstücke:

Gibt es (ganz klassich) einen Gegenstand, der von Generation zu Generation weitervererbt wird?
Oder hat vielleicht ein körperliches Merkmal, eine Geste, ein Charakterzug, ein Spruch oder ein Ritual die Jahrzehnte überdauert?
Habt Ihr es sogar schon an Euren Kindern bereits wieder erkannt?
Oder gibt es vielleicht etwas, was Ihr selbst als Familien“tradition“ entwickelt oder angeschafft habt und hofft, dass es für Eure Kinder ein solches Familienerbstück wird?


ErbstueckLiebe portraitStefanie ist 26 Jahre alt und lebt mit Mann und Hund im schönen Franken.
Eigentlich studiert sie ja Kunstgeschichte, doch vor 10 Monaten erblickte ihre Tochter das Licht der Welt. Und weil das ein so großes Abenteuer ist und sich mit Kind eine völlig neue Welt auftut, bloggt Stefanie auf Erbstück“Liebe“ über ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle und alles Weitere, was da noch so kommt.

Und weil der Blogname ErbstückLiebe so toll zum Thema passt, freue mich mich ganz besonders :)

 

Hier ist nun ein weiterer Gastbeitrag zu #Familienerbstück :


Erbstücke haben in meiner Familie eine besondere Bedeutung:

Es gibt da eine Kommode, die, so lange ich denken kann, bei meinen Eltern im Schlafzimmer steht. Sie gehörte meiner Uroma und war für sie ein besonderes Stück, denn zu ihr gibt es eine kleine Geschichte. Meine Uroma kam aus Würzburg, das im zweiten Weltkrieg oft ausgebombt wurde. Auch sie traf es einmal und alle ihre Habseligkeiten waren verloren. Mit dem bisschen was sie noch hatte erwarb sie eine Kommode, diese Kommode, die jetzt bei meinen Eltern steht. An sich schon ein sehr schönes Stück, aber als meine Uroma eine der Schubladen öffnete um ihre wenigen Dinge darin zu verstauen, fand sie ganz hinten ein Stück Seife. Für sie war das wie ein kostbarer Schatz, den sie gefunden hatte, denn Seife war zu dieser Zeit ein absolutes Luxusprodukt.

Sie erzählte diese Geschichte meiner Mutter gerne, und diese wiederum mir. Das ganze macht diese Kommode zu einem ganz besonderen Stück für uns.
Aber wir haben nicht nur diese Kommode. Fast alle Möbel bei uns Zuhause sind Erbstücke. Als Kind hörte ich oft, dass ich pfleglich mit diesen Stücken umgehen solle, schließlich hätten sie schon 200 Jahre auf dem Buckel.

Für mich waren das bald nicht einfach nur Möbel, sondern Gegenstände mit einer Seele. Ich stellte mir oft vor, dass diese Möbel Augen und Ohren haben. Oft wünschte ich, sie könnten mir ihre Geschichten erzählen, erzählen was sie schon alles gesehen und erlebt hatten.

Und Geschichten gab es jede Menge, nicht nur von der Kommode. In meinem Bett, das ein wunderschönes Prinzessinnen-Metallbett war, ist zum Beispiel das Hausmädchen meiner Oma von ihrem eifersüchtigen Freund erwürgt worden. Ein bisschen gruselig war das für mich als Kind schon, aber ich war auch unheimlich stolz und nahm mir fest vor, dass das Bett bei mir nur die schönsten Dinge erlebt, damit es auch tolles zu erzählen hat.

Ein weiteres Lieblingsstück von mir ist der Konzertflügel, der noch bei meinen Eltern steht. Beide Omas meines Vaters spielten Klavier und beide vererbten ihre Flügel meinem Vater, so dass zeitweise sogar zwei Flügel bei uns zu Hause standen. Einen verkauften wir, aber der andere ist mein Schatz. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel und leider sogar einen Riss im Resonanzboden (dadurch verstimmt er sich sehr leicht), aber er hat auch eine Widmung für eine Prinzessin im Innenraum. Ich stellte mir immer vor, wie meine Uroma, die gerne Konzertpianistin geworden wäre, diesen Flügel von der Prinzessin als Dankeschön geschenkt bekommen hat, weil ihr Spiel sie so berührt hatte. Wahrscheinlich verbirgt sich eine ganz andere Geschichte dahinter, aber ich möchte sie eigentlich gar nicht wissen, weil mir meine Fantasieversion so gut gefällt.

Jetzt in meiner eigenen Wohnung findet sich leider kein einziges geerbtes Möbelstück. Das macht mich schon etwas traurig, aber ich bin mir sicher, dass das nicht so bleiben wird. Es gibt für alles eine Zeit und die Zeit so herrlich wie meine Eltern zu leben kommt noch. Und dann hoffe ich, dass ich Sophia ebenfalls vermitteln kann, dass Antiquitäten bzw. Erbstücke etwas ganz Besonderes sind. Wer weiß was ihre Fantasie für Geschichten daraus macht?

Und bis dahin besuchen wir eben regelmäßig meine Eltern, die zum Glück nicht weit weg wohnen.


Liebe Stefanie: Ganz herzlichen Dank für Deine bzw Eure Geschichte!!!

Hast vielleicht auch Du jetzt Lust auf einen Gastartikel zum Thema Familienerbstück(e) bekommen?
Dann melde Dich einfach bei mir: nullpunktzwo -ät- gmx -punkt- de


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