Familienerbstück: Unsere Kinder, unsere Gene {Gastbeitrag}

Vor ein paar Tagen bat ich Euch um Gastartikel zum Thema Familienerbstücke:

Gibt es (ganz klassich) einen Gegenstand, der von Generation zu Generation weitervererbt wird?
Oder hat vielleicht ein körperliches Merkmal, eine Geste, ein Charakterzug, ein Spruch oder ein Ritual die Jahrzehnte überdauert?
Habt Ihr es sogar schon an Euren Kindern bereits wieder erkannt?
Oder gibt es vielleicht etwas, was Ihr selbst als Familien“tradition“ entwickelt oder angeschafft habt und hofft, dass es für Eure Kinder ein solches Familienerbstück wird?


Logo_ Mama mal 2

Als „Mama mal 2“ berichtet Lorelai aus ihrem oft anstrengenden und turbulenten Familienalltag mit zwei Kindern (3,5 und 5,5) in der Schweiz. Aber auch wenn sie die Kleinen oft fast zur Verzweiflung bringen und mit ihren Nerven Cello spielen, so wollte sie es doch kein bisschen anders! ;)

Hier ist nun der zweite Gastbeitrag zu #Familienerbstück :


Wenn Frl. 0.2 zu einem Gastbeitrag aufruft, dann ist man gerne dabei! Ich fand das Thema „Familienerbstück(e)“ auch sehr interessant und so habe ich mir meine Gedanken gemacht.

Als erstes fällt mir ein, dass wir alle nie weit vom Stamm fallen. Gerade wenn wir Eltern werden, wird uns je länger, je mehr, bewusst, dass wir in gewissen Situationen eine richtige Kopie eines Elternteils sind. Und gleichzeitig kommt es oft vor, dass uns die Kinder wahrlich einen Spiegel vorhalten. „So stur wie die Mama/Papa“, das ist etwas, was mein Mann und ich immer wieder voneinander zu hören bekommen. Wer jetzt der Sturere ist von uns, das haben wir noch nicht herausgefunden ;)

Lustigerweise sehe ich in der Familienlinie meines Vaters v.a. optische Merkmale, die wir teilen: die Zahnlücke, der flache Po, das blonde Haar, die Form der Lippen.
Eindeutig!
Man sieht es uns, wie die ältere Generation gern sagt „am Modell an“, welcher Familie wir zuzuordnen sind. Dazu muss ich sagen, dass ich aus einem kleinen Land stamme (Liechtenstein), in dem man sich kennt, und drum ist es oft ein leichtes, jemandem dem entsprechenden Geschlecht zuzuordnen: ein Ruggeller Frommelt, einer vom Beck Mündle etc. Der Nachname wird kombiniert mit der örtlichen oder beruflichen Herkunft der Familie (Ruggell ist das Dorf, Beck ein Bäcker), manchmal auch anderen Eigenschaften.

Bei der Familienlinie meiner Mutter ist es ganz klar der Charakter, der sagt „aha, eine Lufi!“. Meine Grossmutter war eine Spezielle, meine Mutter sowieso und was bei meinem Bruder und mir ebenso deutlich erkennbar, haut mein Sohn uns nur so um die Ohren. Sapperlott, sind wir manchmal seltsame Zeitgenossen, voller Marotten, vergleichbar mit dem „Monk“ aus der gleichnamigen TV-Serie und oft auch so genannt, liebevoll natürlich. Ein Teil davon ist mit Sicherheit „Erziehung“. Meine Mutter war ständig hinter uns nach wir sollten das Licht löschen wenn wir einen Raum verlassen (sie hatte einen ziemlichen Sparwahn, der sich nicht nur auf Strom und Wasser konzentrierte). Das ist also etwas, das ich dermassen „intus“ habe, dass ich oft sogar in fremden Häusern heimlich das Licht lösche weil es mich stört. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich meine Kinder auch ständig anhalte, den Schalter zu betätigen wenn sie aus der Toilette kommen. Ich gehe stark davon aus, dass meine Mutter es von ihrer hatte, zumal sie in einer (Nachkriegs-) Zeit aufwuchs, in der man tatsächlich mit allem sparsam umgehen musste. Das bleibt natürlich hängen.

Ein anderes Beispiel ist der Drang, gewisse Abfälle unterwegs zu entsorgen, zumindest diese, die man z.B. grad im Auto mitführt (leere Getränkeflaschen, Müsliriegelverpackungen). Bei meiner Mutter und meinem Bruder nahm dies auch die Auswüchse, ständig Haushaltsmüll in kleinen Plastiktüten mitzunehmen um sie dann woanders unauffällig zu entsorgen. Ich mache das (noch?) nicht und habe es auch meinen Kindern bisher nicht eingebläut. Wer weiss aber, ob sich das nicht bald ändert? *lol*

Ich erkenne zu meinem Sohn fast die meisten Parallelen, was v.a. daran liegt, dass wir natürlich ständig beieinander sind. Es gibt Dinge, die müssen bei ihm einfach zu 100% so sein, wie er sie will, sonst gibt es Tränen, Wut und Verzweiflung. Und wenn ich mich recht entsinne, so habe auch ich meine Eltern diesbezüglich manchmal an ihre Grenzen gebracht. Auch teilen wir dieselbe, teils extreme Schüchternheit, die sich bei der Mama z.B. dahingehend äussert, dass sie Telefonate oder Treffen mit nicht befreundeten Menschen so gut es geht zu verhindern versucht (warum sie die Ausbildung zur Journalistin absolviert hat, ist ihr ein Rätsel, Psychologen können diese Konfrontationstherapie vielleicht erklären?). Den Spruch „Was der Bauer nicht kennt…“ habe ich aus meiner Kindheit noch bestens in den Ohren, da tausendmal gehört. Auch mein Sohn probiert nichts, aber auch gar nicht aus, das ihm suspekt ist. Egal ob Mahlzeiten oder andere Dinge…

Und immer dann wenn mich eine dieser unglaublich nervtötenden Eigenschaften an ihm ärgert, wird mir bewusst, dass er nicht anders kann. Dass ich exakt genau so war oder es noch bin und ihm das wohl mit meinen Genen schlicht weitervererbt habe.

Wahnsinn, oder?


LorelaiLorelai (Nickname) ist gelernte Journalistin (freischaffend in einem kleinen Pensum tätig), PR-Fachfrau und aktuell v.a. mit ihrem Projekt „Nestwärme“ als Trageberaterin und Windelfrei-Coach unterwegs.

 


Liebe Lorelai: Ganz herzlichen Dank für Deine bzw Eure Geschichte!!!

Hast vielleicht auch Du jetzt Lust auf einen Gastartikel zum Thema Familienerbstück(e) bekommen?
Dann melde Dich einfach bei mir: nullpunktzwo -ät- gmx -punkt- de


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: