Was wäre, wenn ich ein Mann wär?

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Steffen hat mir dieses Blogstöckchen zugeworfen, welches ich nun endlich beantworten kann. Seine eigenen Antworten gibts hier auf papapelz.de
Das Blogstöckchen stammt ursprünglich vom Blog Ich mach mir die Welt und läuft unter dem Hashtag #WasAndersWäre. Dort werden die Beiträge auch gesammelt und verlinkt.
Eine spannende Aktion zu einem überaus wichtigen Thema!

 

1. Was wäre anders in Deinem Leben, wenn Du ein Mann wärst?

Blicke ich auf Kindheit, Jugend und auch Ausbildung zurück, wäre wohl nur wenig anders gewesen. Ich wuchs sehr ländlich auf und kletterte auf Bäume, baute Buden und streunte sowieso sehr viel draussen herum. Meine Eltern erzogen mich und meine Brüder recht ähnlich, zumindest fühlt es sich so für mich an. Sie selbst lebten uns vor, dass die Jobs von beiden wichtig für das Familieneinkommen sind – wir Kinder wurden nach Kindergarten und Grundschule von einer Kinderfrau betreut. Allerdings beneidet mich meine Mutter heute manchmal um die Teilung der Familienarbeit (Haushalt, Kinder etc) in meiner Beziehenung – so viel hätte mein Vater sich damals zuhause nämlich nicht eingebracht.

Ich habe immer das Gefühl vermittelt bekommen, dass ich [fast] alles kann, wenn ich mich nur anstrenge und lerne.

Vielleicht hätte ich eher Informatik als Kunst in der 9. Klasse gewählt, wer weiss? Aber meine Ausbildung/ mein Studium hätte ich wohl trotzdem gemacht, ein künstlerisch – technischer Beruf.
Privat bohre ich Löcher und düble, ich schliesse Deckenleuchten an, habe eine große Werkzeugkiste und wünsche mir auch gerne mal einen Akkuschrauber oder eine Rohrzange zum Geburtstag. Aktuell träume ich von einer anständigen Schlagbohrmaschine und von einem großen Setzkasten mit Fischerdübeln und Spaxschrauben.
Vor den Kindern habe ich in den warmen Jahreszeiten immer viele Kilometer auf meinem Rad runtergespult, das würde ich als Mann vielleicht immer noch machen, weil ich durch Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausgesetzt hätte. Sattdessen begnüge ich mich momentan mit der Tour de France im Livestream beim Kochen :)

Nun aber zu meinen Antworten, mit denen ich den Tweet und meinen Blogbeitrag BÄMMMM! Magengrube! von vor 3 Monaten ein bisschen genauer erklären kann. Die großen Unterschiede zwischen Mann und Frau merke ich nämlich erst jetzt, als Mutter:

Als Mann würde man nach der Geburt des dritten Kindes wahrscheinlich nicht für unzuverlässig und nach wie vor für richtig belastbar gehalten werden. Es würde ihm wohl nicht vorgerechnet werden, wieviele Krankentage ihm bei 3 Kindern zustünden und wie oft er dann nach Abzug seiner Urlaubstage überhaupt noch am Arbeitsplatz säße. Ihm würde aus diesem Grund wahrscheinlich auch kein Aufhebungsvertrag nahegelegt werden und er müsste sich anschliessend nicht überlegen, ob er 3 Kinder bei einem Bewerbungsschreiben erwähnt oder besser weg läßt.

Meinem Gefühl nach ist es so:
Als Mann wird Dir zu Deinen 3 Kindern (und zu Deiner Männlichkeit) gratuliert und im gleichen Atemzug nach der nächsten anstehenden Beförderung gefragt.
Als Frau wirst Du bei der Geburt des 3. Kindes nach Deinem Stresslevel bezüglich Haushalt und Erziehung gefragt und bedauert, dass es mit dem Job ja jetzt erst einmal vorbei sei.

Und nach wie vor werden die meisten Frauen schlechter entlohnt als Männer mit gleicher Qualifikation, ich würde also bei der gleichen Anstellung wahrscheinlich mehr verdienen.

Das! Regt! Mich! Auf!

 

2. Was tust Du nur deshalb, weil Du eine Frau bist?

Schwanger sein und gebären, denn das können Männer nicht.
Manchmal unter Frauenbeschwerden leiden, denn das brauchen Männer nicht.

Alles andere machen Männer auch, also zumindest manche ;)

 

3. Welche Dinge tust Du nicht/ lässt Du lieber, weil Du eine Frau bist?

Im Stehen pinkeln, das kleckert so. Gewisse dunkle Ecken nach Einbruch der Dunkelheit meiden. Früher beim Ausgehen nicht jede Runde mittrinken, weil ich dann doch nicht ganz so viel vertragen habe wie meine Kumpels.

 

4. Durch welches Klischee fühlst Du Dich persönlich beeinträchtigt?

Ich musste bei dieser Frage lange nachdenken. Am meisten stört mich wirklich, dass Männer für Familienarbeit gelobt werden, diese aber eher als „Freizeitaktivität“ gesehen wird, die ihre beruflichen Qualifikationen nicht beeinflusst. Umgekehrt wird fast immer vorrausgestzt, dass sich die Frauen mehr um Haushalt und Kinder kümmern. Und je mehr Kinder da sind, desto weniger wird davon ausgegangen, dass eine Mutter auch noch [in ihrem Ausbildungsberuf] arbeitet.

 

Sortiert_Schrauben

 

5. In welcher Situation ist es von Vorteil, zur Gruppe der Frauen zu gehören?

Wenn man Hilfe in Form von Muskeln benötigt.
Wenn ich früher knapp bei Kasse war, aber abends doch ausgehen wollte. Zwar klappte bei mir das Klimper-Klimper-mit-der-Wimper nicht sooo super bei meinen 1,80m aber doch oft genug ;)

 

6. Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Als Baby, als Kleinkind ist es vollkommen egal ob Du ein Junge oder Mädchen bist. Erst mit wachsendem Bewusstsein für sich und die Umwelt entdeckt das Kind die Unterschiede. Leider scheinen Erwachsenen diesen Unterschied schon viel früher zu benötigen: trägt das Baby/ Kleinkind kein Rosa/ Pink/ Lila, heisst es automatisch „Das ist aber ein hübscher Junge!“
Manchmal mache ich mir richtig eine Spass daraus, mein Kind geschlechtsneutral zu kleiden ;) Mir ist aber aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer mehr Dinge explizit „für Jungs“ und „für Mädchen“ gibt, wo eine solche Unterscheidung überhaupt nicht nötig ist. Umgekehrt ist es schwieriger geworden, geschlechtsneutrale Kleidung und Spielmaterialien zu bekommen.
Was mich auch richtig wütend macht, sind die Kommentare zum Geschlecht eines Kindes teilweise bereits im Mutterleib. Da wird vielleicht von der Verwandschaft der „Stammhalter“ gewünscht, da wird von der Nachbarin konstatiert: „Ach, ein Geschwisterpärchen wäre doch schön!“ oder von den Arbeitskollegen gespöttelt: „Na? Hats nur für 2 Mädchen gereicht?“
Ohne Worte.

Ich selbst versuche darauf zu achten, meine Kinder in diesem Sinne neutral zu erziehen und die große und wunderschöne Vielfalt nicht einzuschränken. Sie sollen nicht an gläserne Decken stossen, sondern frei entscheiden können.


Da dies ein Stöckchen ist, würde ich es gerne einigen Leuten zuwerfen:
Über die Antworten von Andrea vom Blog Runzelfüßchen und Severine vom Blog Mama on the rocks würde ich mich sehr freuen!

Aber auch Ihr seid gefragt:
Was wäre bei Euch anders, wenn Ihr als Mann geboren wärt?
Was regt Euch auf beim Unterschied der Geschlechter?
Teilt Ihr meine Erfahrungen und Gedanken?


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