KiTa- Streik: Allein zuhause mit 2 Kindern unter 3

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Seit knapp 2 Wochen streikt die KiTa des Buben. Fast genau so lange bin ich also mit den beiden Kleinen tagsüber alleine zuhause, denn die Große wird morgens um kurz nach 7 vom Mann mitgenommen.
Nachdem ich letzte Woche mit der Stadt und anschließend mit verdi telefonierte, nachdem ich am Montag unterschrieb, dass die eingesparten Gehälter bitte nicht im Stadthaushalt versanden sondern den KiTas zugute kommen sollen, rief ich heute abermals bei der Stadt an.
Ein jeder schiebt es von sich weg und sagt: Wir sind nicht schuld, können aber die Erzieher_innen sehr gut verstehen.
Fantastisch!
Aber es wird immer noch gestreikt und meine Elternzeit endet bald. Ich habe sowieso schon Stress mit meinen Chefs und Angst vor dem, was da noch kommen mag. Die ganzen Termine, die ich vorher noch erledigen wollte, stehen nun auf der Kippe.
Während des heutigen Telefonates (mit teilweise 2 richtig lauten Kindern im Hintergrund) fing ich sogar an zu heulen und konnte nacher kaum noch aufhören. Meine Anspannung musste wohl mal raus.

In den letzten Tagen komme ich hier zuhause nämlich immer öfter am Vormittag an den Punkt, wo ich alles am liebsten hinschmeissen würde. Gut, der Bub ist schlimm erkältet – aber auch so wäre er den ganzen Tag daheim, vielleicht ein bisschen besser gelaunt, aber eben auch noch etwas fitter beim Klettern und Mist bauen.

Ich weiss daher nicht, wann ich das letzte Mal ohne Unterbrechungen gegessen habe, bis ich satt war. Geschweige denn etwas Warmes.

Ich gehe zu spät auf die Toilette weil ich es einfach nicht merke. Oftmals beeile ich mich dann auch noch, weil jemand gegen die Tür donnert oder die Klobürste umkippt.

An guten Tagen schaffe ich es vormittags unter die Dusche. An schlechten Tagen erst wenn der Mann wieder heim gekommen ist.

Eigentlich schreit immer einer von beiden, wenn sie zusammen sind. Aber schlafen tun sie dann nur abwechselnd: das Baby vor- und nachmittags, der Bub mittags.

Eigentlich kann ich momentan nichts in Ruhe machen, alles muss immer schnell-schnell gehen. Auch wenn der Mann wieder da ist – seine Zeit der Kinderbetreuung muss ich doch ausnutzen für liegen gebliebenes!

Die schmutzige Wäsche stapelt sich, weil ich mit Wäschekorb im einen, Baby im anderen Arm und dem Buben so schlecht in den Keller komme.

Spülmaschine ausräumen – klappt hervorragend mit ein bis zwei Helferlein… *ironieoff*

Mein Wortschatz besteht tagsüber hauptsächlich aus Nein! Runter da! Hinsetzen! Jaha, gleich! Lass das! Gefällt mir ja selbst nicht :(

Wenn ich vor die Tür will, muss ich ein Kind in die Trage und eines in den Kinderwagen nehmen. Vor 3 Tagen auf dem Weg zum Kinderarzt oder heute, als ich Pakete wegbrachte, sah das dann so aus:

wpid-tragefahren1.jpg

Dinge für mich (sprich Bloggen oder wie gestern Greys Anatomy schauen) gehen nur abends nachdem die Kinder eingeschlafen sind. Zeitfenster 20-22 Uhr. Maximal. Wenn nicht wieder eines wegen Schnupfen/ Fieber wach ist.

Ich will beim 2. Gespräch zum Wiedereinstieg nicht wieder mit Kind auflaufen und muss daher Betreuung organisieren. Demnach gehen beide Mädchen zu meiner Mutter und der Bub zur anderen Oma. Dafür muss ich zuerst 20 Minuten in die eine Richtung fahren (Oma1). Dann 70 Minuten in die andere Richtung (Oma2). Dann 30 Minuten ins Büro. Nach dem Gespräch alles wieder rückwärts.
Mit KiTa wäre das wesentlich einfacher: Dann würden die Grossen in die jeweilige KiTa gehen und gar nicht mitbekommen, dass die Jüngste zur Oma darf („Ich will auch!“)

Ich habe mir extra diverse Facharzttermine in die Wochen VOR den Wiedereinstieg gelegt. Ob ich die wahrnehmen kann (beide Kinder mitnehmen wird schwer) und wie lange ich auf einen neuen Termin warten muss, ist fraglich. Ich würde dann wertvolle Arbeitszeit dafür opfern und vor-/ bzw. nacharbeiten müssen.

Der Schulbeginn der Tochter rückt näher und damit auch ein paar Veranstaltungen in der zukünftigen Grundschule, teilweise auch am Vormittag. Da mit allen 3 Kindern aufzulaufen wird ein Spass. Nicht?

Die Kleine wird ab August auch in die KiTa des Buben gehen. Ihr erster Schnuppertermin am kommenden Dienstag wird wohl ins Wasser fallen.

Erwähnte ich schon, dass die KiTa dann ab 27.06. für 3 Wochen Sommerferien macht?

Und jetzt versuche ich es mal mit einem Kaffee. Ob ich den noch heiss trinken kann? Immerhin schläft der Bub und das Baby spielt recht friedlich auf dem Wohnzimmerfussboden…

(Getippt vom Smartphone)

11 Gedanken zu „KiTa- Streik: Allein zuhause mit 2 Kindern unter 3

  1. vielleicht auch für dich eine praktikable lösung: ich lege den kleinen (6 monate) vormittags hin, wecke ihn aber nach einer halben stunde wieder. und dann gibt’s für ihn gemeinsam mit dem großen (fast 3) einen langen mittagsschlaf. in dieser zeit lege ich mich dann auch meist kurz hin und kann dann sogar noch gemütlich kaffee trinken und anstehendes abarbeiten….

    lg ina

  2. Danke, dass du den Alltag der Eltern und deren Sorgen im Kita-Streik beschreibtst. Ich finde, dass kommt in den Medien viel zu kurz. Bei uns hier in einer Großstadt im Ruhrgebiet gibt es 140 Notdienstplätze für 7000 betroffene Kinder in 6 von 102 betroffenen Kitas. Mein jüngerer Sohn ist 1 3/4. Wie bereits vor 2 Wochen habe ich heute morgen beim Kita-Träger angerufen und nachgefragt, wie es denn mit Notdienst-Plätzen für die U3-Kinder aussehe? Denn die sind bei so einer Art von Kitaübergreifenden Notdienst de facto außen vor – mehr als mir dies noch mal bestätigen konnte mir die Dame am anderen Ende der Leitung aber leider auch nicht. Auch eine Elternselbsthilfe, wie sie in den Ü3-Gruppen teils organisiert wird, wird bei den ganz Kleinen ohne Eingewöhungsphase wohl kaum funktioniert. Wer also nicht wie wir zufällig über 2 nicht mehr arbeitende Omas verfügt, die trotz Anreisen von teils mehr als 100km einspringen, ist nach 2 Wochen Streik (+ 3 Tagen Warnstreik + 3 Wochen Sommerferien + 3 weiteren Schließungstagen) mit seinem Urlaub (wenn er/sie ihn denn so kurzfristig nehmen kann) am Ende. Und dann?

    Die Forderungen nach einer Aufwertung des Erziehungsdienstes werden auch mit der hohen Verantwortung in diesem Beruf begründet. Von dieser Verantwortung sehe ich nichts, wenn versucht wird über einen Tarifstreit etwas zu lösen, dass nur politisch zu lösen ist (u.a. andere Aufteilung der Finanzierung der Kinderbetreung zwischen Bund, Ländern und Kommunen) und in diesem Tarifstreit nicht verantwortungsvoll mit den Bedürfnissen der Kleinsten umgegangen wird. Bei allem Verständnis für eine Forderung nach der Aufwertung der Erziehungsberufe, ist mein Verständnis für den Streik mittlerweile auf dem Nullpunkt angelangt.

    1. Ich finde es gerade auch sehr befremdlich, wie wenig darüber noch berichtet wird.
      Ein Glück, dass Deine Familie aushelfen kann!!!
      Ich möchte nicht wissen, welchen finanziellen „Schaden“ dieser Streik anrichtet, der nicht im Stadthaushalt messbar ist, weil er an anderen Stellen entsteht: unbezahlter Urlaub und ggf sogar Jobverlust der betroffenen Eltern.
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar!

  3. Ach Du, fühl‘ Dich mal virtuell gedrückt. Ich hoffe dass diese Situation sich bald löst und Du dann auch mal wieder durchatmen kannst…und sich Luft machen (so wie hier) hilft ja auch manchmal…! Liebe Grüße, Anna

  4. Oh das hört sich nach einer verdammt stressigen Zeit an. Fühl dich gedrückt!
    Ich habe zwar keine Kinder und bin somit von der Situation nicht betroffen aber ich habe einige Erzieherinnen und Sozialassistenten im Freundeskreis und kenne daher auch ihre Lage. Es ist nicht schön das ihr Mütter unter dem jahrelangen Konflikt so leiden müsst aber andersrum ist die Bezahlung und Anerkennung für das was die Kinderbetreuer leisten echt nicht gut. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass bald eine gute Lösung gefunden wird. So geht das ja nicht weiter!

  5. Ich unterschreibe voll und ganz, was Du hier berichtest, auch wenn ich noch wesentlich besser wegkomme… Elternzeit läuft noch eine ganze Weile und mein Großer ist bereits 5, so dass er sich auch gut selbst beschäftigen kann. Trotzdem bin auch dauermüde – beide waren in der ersten KitaStreik Woche krank – und habe das Gefühl alles nur noch schnell, schnell zu erledigen. Der Große vermisst – auch wenn er es nicht zugibt – seine Freunde und ist nicht ausgelastet, weil er sie zu selten sieht. Schließlich gehen alle anderen Mamas arbeiten und die Kinder werden betreut. Dementsprechend schläft er auch erst am Abend gegen 23 Uhr ein, Zeit für mich oder uns? Fehlanzeige. Wir versuchen alles, ihm ein entsprechendes Programm zu organisieren, mit Schwimmen, Oma, Turnen, Freunde einladen… wenn der Kindergarten wie in 2009 11 Wochen streiken sollte, dann gute Nacht!! Es nervt, nervt, nervt und den Kommunen ist es egal, denn sie sparen ja jede Menge. Darüber habe ich auch neulich auf meinem Blog geschrieben. Wozu also ein anständiges Angebot abgeben?
    Deine Lage ist auf jeden Fall viel prekärer als meine und ich drücke Dich ebenfalls virtuell.. ganz viel Kraft und vor allem gute Nerven und ich wünsche Dir auch in Sachen Job alles Gute.

    Liebe Grüße, MiA

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