#BLOMM {Berlin Mai 2015} und mein kleiner Kooperationsknigge

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Bea von Tollabox und Gabriele vom Motherbook hatten bereits im Februar das erste Treffen zwischen Bloggern und Mompreneurs (= selbstständige Mütter) initiiert und organisiert- leider konnte ich damals nicht kommen. Aber als der neue Termin im Mai feststand, nahm ich diesen zum Anlass meiner Reise nach Berlin. Vielen Dank naochmal an dieser Stelle für diese informative und so herzliche Veranstaltung!

Auf dem Weg dorthin wurde ich etwas von den Berliner Dimensionen erschlagen – mal eben so Umsteigen an einem Platz erwies sich als Ding der Unmöglichkeit: zu viele Straßen mit zu vielen Bushaltestellen. Also lief ich etwas, kam recht spät zu meinem Frühstücksdate und wir dann zusammen verspätet bei BLOMM an, aber schlüpften noch so eben am Ende der Vorstellungsrunde hinein.

BLOMM-Zuhoeren

Nach dem Blogfamilia- Treffen am Vortag hatte ich ein wenig Kopfkater und zudem schlief das Junebug nur beim ersten der drei Vorträge, aber die Sprecherinnen waren mit ihren Themen wirklich gut ausgewählt.

Ein jeder, der schon ein paar Monate bloggt, kennt wahrscheinlich die teilweise wirklich haarsträubenden Kooperationsanfragen – angefangen bei der allgemeinen Anrede „Hallo Blogger/in!“ bis hin zur Aufforderung, den vielleicht auch gar nicht zum Blog passenden Pressetext doch bitte einfach so zu veröffentlichen (die Kamikazefliege schrieb schon über fragwürdige Kooperationen, Maximilian Buddenbohm veröffentlichte kürzlich dazu einen Text über hoffentlich fiktive Brathähnchen  und es gibt noch einen weiteren tollen Beitrag, den hoffentlich noch finde).
Umgekehrt gibt es natürlich auch einige Blogger_innen, die teilweise sehr hartnäckig bei Firmen nach Kooperationen fragen oder sich und ihren Blog bzgl. Zielgruppe und Reichweite nicht richtig einordnen können.

Die Impuls- Vorträge:

Jette vom Blog ME Super Mom referierte aus Bloggersicht zum Thema: “Wie erziehe ich meine Kooperationspartner?” Jette hat inzwischen schon so einiges bei Koperationen erlebt und leider nicht nur Positives – wer wie sie vom Bloggen leben möchte, ist allerdings auf gute und verlässliche Kooperationspartner angewiesen.

Susanne Chateaux von Schlösser PR erzählte aus PR Sicht zum Thema: “Wie ziehe ich gute Kooperationen auf ?” Sie arbeitet ebenfalls mit Bloggern zusammen und erwiderte auf meine Nachfrage, dass sie am Liebsten auf Ihren Stamm- Pool von Blogger_innen zurückgreift. Dieser wird gepflegt und beobachtet, um optimales Matching für den jeweiligen Kunden anbieten zu können.

Verena Pausder von Fox & Sheep berichtete aus Unternehmersicht zum Thema: “Was sind überhaupt gute Kooperationen?” Ihr Unternehmen entwickelt Apps für Kinder – wie ich erst am Abend feststellte, habe ich sogar eine App von Ihr auf meinem Smartphone, und zwar den „Streichelzoo“. Verrückt!

Nach einem leckeren Süppchen gab es Zeit zum Kennenlernen und Netzwerken. Das inzwischen wach gewordene Junebug wurde mit Spielzeug von der Handvoll anderen Kindern versorgt und stromerte ein wenig um meinen Tisch herum.

BLOMM-Netzwerken

Spätestens jetzt war ich überwältigt von der Kraft und Power, die hier versammelt war!
Zugleich packte mich aber auch etwas Ehrfurcht: Für viele ist das hier kein „Fun“, für viele ist das existenziell. Es ist ihr Beruf, ihr Business, ihr Baby. Selbstständig = selbst & ständig.

Danach ging es in die Gruppenworkshops für ideale Kooperations- Grundsätze, die dann gemeinsam vorgetragen wurden. Meiner Meinung nach ähnelten sich die Ergebnisse sehr mit den Erkenntnissen der Vorträge, aber wurden durch die Aufarbeitung vertieft.

Meine Zusammenfassung:

Mir blieben vor allem folgende Punkte in Erinnerung, damit die Zusammenarbeit für alle Seiten erfolgreich wird – egal, von wem eine Kooperationsanfrage nun ausgeht:

Der Kontakt sollte immer mit einer persönliche Ansprache beginnen. Die Kooperation sollte auf die jeweilige Zielgruppe ausgelegt und in ihrem Umfang präzise umrissen sein. Das Angebot dafür sollte konkret und fair sein und dabei den rechtssicheren Rahmen nicht verlassen. Zeitnahes Antworten sollte selbstverständlich sein, auch wenn es sich um eine Absage handelt. Im Schriftverkehr bringen einen Höflichkeit und Umgangsformen oftmals weiter (es sei denn, man kann ggf. auf die Kooperation verzichten…). Getroffene Vereinbarungen und Verbindlichkeiten sollten eingehalten werden, ein beiderseitiges Feedback nach Abschluss der Kooperation empfiehlt sich immer.

Aktive Akquise sollte nicht nur per Email, sondern ggf. auch per Telefon versucht werden, oft erreicht man den zuständigen Ansprechpartner_in viel schneller und kommt damit viel effizienter voran.
Bekommt man keine Antwort oder nicht weiter: Nachhaken! Oftmals landen Emails an info@… beim Praktikanten oder der Aushilfe, die vielleicht damit nichts direkt anfangen kann. Manchmal kommt eine Anfrage auch zu einem ungünstigen Zeitpunkt, wird weggeklickt und rutscht im Laufe des Tages unbeantwortet nach unten. Oder der_die Blogger_in ist mit krankem Kind beschäftigt bzw. die zuständige Mitarbeiterin nicht im Office und die Vertretung ggf. nicht zuständig.
Nicht vergessen: Auch andere haben einmal den Schreibtsich oder den Arm voll mit anderen Sachen oder einfach nur einen schlechten Tag/ zu wenig Schlaf!

Ich selbst kann als Bloggerin aber auch einiges dafür tun, um professionell gegenüber Medienpartnern aufzutreten: Ich habe eine Impressumsseite und stelle Infos zur Kontaktaufnahme bereit. Ich schreibe Emails mit anständiger Fußzeile, in der auch meine Social-Media- Profile stehen. Mein MediaKit (das die Herren bei Blogfamilia ansprachen) stelle ich auf Anfrage bereit. Ich persönlich wäge immer gut ab, welche Kooperationen ich eingehe: Passt das für mich und meiner Leser_innen und bekomme ich das zeitlich hin?

Um Zeit zu sparen, habe ich meinen eigenen kleinen Fragenkatalog zusammengebastelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mir reicht es bislang:

Mein Kooperationsleitfaden:

Wo? Der Ort der Veröffentlichung: Blogbeitrag, Facebook, Instagram, Twitter?

Was? Der Inhalt des Beitrages:

  • Redaktioneller Artikel? Verlosung? Vorstellung? Beitragsreihe? Ggf. Redaktionsplan vorhanden?
  • Verlinkungen
    • Anzahl?
    • Art? (nofollow/ dofollow) ggf. Laufzeit (max. 1 Jahr!)
    • Zu verlinkende Inhalte?
  • Anzahl Wörter?
  • Anzahl Bilder?
    • Ggf. Größe Pixel und MB?
    • Wenn Bilder überlassen werden: Wer hat die Bildrechte? Was muss angegeben werden?

Wann? Zeitrahmen definieren: Festes Datum? Bestimmter Zeitraum?

Wie? Kennzeichnung der Kooperation:

  • Als * und dann *affiliate Link / *gesponsorter Link?
  • Harte Kennzeichnung? (Werbung, ggf. sponsored post)
  • Umstrittene und rechtlich nicht sichere „weiche“ Kennzeichnung?
    • Mit freundlicher Unterstützung von…
    • Vielen Dank für die Zusammenarbeit mit…
    • Dieser Beitrag wurde in freundlicher Kooperation mit … erstellt.
    • Wir bedanken uns bei … für die freundliche Unterstützung

In der Regel frage ich anfangs, wie man auf den Blog nullpunktzwo aufmerksam geworden sei. Im Nachgang maile ich zeitnah die Links zu den veröffentlichten Beiträgen und bitte nach Ende der Kooperation um ein kurzes Feedback.

Bei Events oder Reisen sollten im Vorfeld die Modalitäten für etwaige Reisekosten abgeklärt werden: Was wird übernommen? Was soll dann wo eingereicht werden?

BloMM-Gruppenraeume

Manchmal sind sich allerdings die anfragenden Firmen oder Agenturen gar nicht so bewusst, wieviel Arbeit doch in einem Beitrag steckt und daß es nicht unbedingt als „Geschenk“ empfunden wird, Produkt XYZ testen oder verlosen zu dürfen. Dann schicke ich gerne auch mal diese Liste zurück:

Möglicher Aufwand für einen Kooperationsbeitrag:

  • Recherche betreiben
  • Artikeltext schreiben
  • Passenden und attraktiven Titel finden
  • Links heraussuchen und einfügen
  • Fotos schießen und sichten
  • Fotos nachbearbeiten
  • Kooperationspartner in Beitrag einbinden
  • Text Korrektur lesen und Links überprüfen
  • Den Beitrag mit den passenden Worten und Hashtags auch über andere Kanäle verbreiten
  • Ggf. Gewinnspielbetreuung, Lose zählen, Auslosung und Gewinnerermittlung
  • Schriftverkehr/ Telefonate zur Abwicklung der Kooperation lesen und schreiben

 

Habe ich etwas vergessen? ;) Dann schreibt mir bitte einen Kommentar!

6 Gedanken zu „#BLOMM {Berlin Mai 2015} und mein kleiner Kooperationsknigge

  1. wow, ein toller Artikel, danke. Den Link werde ich in meinem Schatzkästchen aufbewahren. Eins ist mir zur Ergänzung der „Bloggerleistungen“ noch eingefallen: der Versand – Zeitaufwand und Kosten als Folge eines Gewinnspiels (wenn der Blogger zu diesem Zweck Artikel zugeschickt bekommen hat).
    LG Anja

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