Der schiefe Haussegen oder auch: Wie wichtig ist ein Internetzugang im Alltag?

Alles begann vor vielen, vielen Monaten, als dem Mann mein alter Vertag von TV, Telefon und Internet zu teuer schien. Dazu kam ziemlich fiese Telefon(an)werbung für einen angeblich noch besseren Vertrag zum gleichen Preis. Schlussendlich saß ich hier nämlich auf Geräten, die wir nicht nutzen konnten (ein HD- Receiver für unseren Röhrenfernseher – ich könnte immer noch lachen, wenn es nicht so absurd wäre) und den dafür anfallenden Kosten, die ich telefonisch explizit ausgeschlossen hatte.
Ein echtes Unding und garantiert rechtlich nicht korrekt. Das alles rückgängig zu machen hat mich viel Zeit und noch mehr Nerven gekostet – ich sage nur Formular 518b Strich 2, welches man aber nur mit Formular 517c Strich 1 bekommt… Phew, aber auch das hatte sich irgendwann geklärt. Aber der Stachel sass tief.

Im März hielt ich dann endlich die Kündigungsbestätigung für den 20. August in der Hand.
Ein Anbieterwechsel innerhalb dieses langen Zeitraumes sollte eigentlich zeitlich sehr gut machbar sein, auch wenn zwischendrin das Junebug zur Welt kommen sollte.
Und da der Mann ja unbedingt auf einen anderen günstigeren Anbieter drängte, war meine Bedingung, dass er sich darum kümmert. Inklusive Anschluss der neuen Hardware und Einrichtung des W-Lans. (Dem alten Anbieter hätte man wenige Wochen vor Ablauf des Vertrages garantiert einen günstigeren Vertrag aus den Rippen leiern können, um uns als Kunden zu behalten, zudem „never change a running system“ vor allem ein sicheres Hardware- System, das hatte mein Bruder nämlich alles eingerichtet mit W-Lan Passwort und so. Der Mann hat da leider nicht ganz so viel Ahnung. Aber das nur so am Rande)

Wer mit mir über twitter oder instagram befreundet ist, wird es ja schon bemerkt haben: nach meiner kleinen Blogpause (die ich ungünstigerweise in den Zeitraum VOR die Abschaltung gelegt hatte) kam nicht mehr viel von mir. Bei den Blogs, wo ich nicht nur lese sondern auch öfter mal kommentiere, like etc, bin ich momentan auch sehr stumm.
Und wer mich auch privat kennt, weiß ja schon worauf ich jetzt hinaus möchte:
Ich war bzw. bin immer noch stinkesauer auf meinen Mann, weil dieser am Tage der Abschaltung selbst, als das Telefon und auch kurz danach das Internet nicht mehr ging, einen neuen Vertrag abschloss. Und dann auch noch inklusive Rufnummernmitnahme – also erhöhter Schwierigkeitsgrad.
Tja.

Und seitdem sind wir offline – aber komplett

Kein Telefon, kein Internet, keine sozialen Kontakte für mich und Bloggen nur unter höchst erschwerten Bedingungen.
„Mal eben“ nach den Abfahrtszeiten für Züge suchen?
„Mal eben“ eine Email schreiben?
„Mal eben“ die Öffnungszeiten des Kinderarztes heraussuchen?
„Mal eben“ Online- banking?
Jedes für sich „mal eben“ 10 Minuten auf der Terrasse herumhocken oder (wie ich inzwischen herausgefunden habe) zu bestimmten Zeiten an bestimmten Fenstern stehen um nicht nur mit „E“ im mobilen Internet vom Smartphone aus zu surfen.
„Mal eben“ einen neuen Post schreiben? Haha! Das heißt aktuell entweder vorschreiben am PC oder übers Handy (ja, auch daran gewöhnt man sich irgendwann), die Bilder in der WordPress-App bei gutem Karma gutem Empfang hochladen, sich dann im Webbrowser bei WordPress einloggen und beides zusammenfügen, evt. Links setzen (die man sich ebenfalls vorher sehr mühsam aus dem Browser herauskopiert hat), die Veröffentlichung bei Twitter noch betexten etc pp… Alles übers Handy wohlgemerkt.

Alternativen wie Cafe mit W-Lan oder ein ganzes Stadtviertel mit angeblichem Gratissurfen scheiterten an mangelnder Stabilität der Verbindung, der Verbindung überhaupt oder daran, dass das Kind/ die Kinder, die ich ja auch noch mit dabei hatte, gerade so gar keine Lust hatten sich selbst zu beschäftigen.

Weitere Aussichten:

Zuerst sagte der Mann mir, dass es voraussichtlich nur bis Anfang September dauert. Deswegen habe ich mein mobiles Datenpaket auch gar nicht erweitert. Bis dahin würde ich wohl gut auskommen, nicht?
Dann tat sich nichts, also angerufen: der Wisch zur Rufnummernübernahme sei ja gar nicht da.

Meine Laune rutschte auf den Kellerfußboden.

Vieles hatte ich auf Anfang September verschoben, aber jetzt war wieder alles offen.
Die Reise nach Malmö stand an, der Besuch auf der Messe, das dm- Barcamp in Düsseldorf. Ich wollte mich vorbereiten und auch endlich wieder richtig bloggen – aber es geht fast gar nichts! Beim Stillen bleibt mir nur Fernsehgucken (die Moderatoren des Frühstücksfernsehen kenne ich dafür inzwischen alle), morgens beim Kaffee rufe ich meine Mails am Küchefenster ab (Zeitfenster in der Regel 6-9 Uhr für guten Empfang) und twittern beim Stillen auf dem Sofa ist so ein bisschen wie früher beim funken: Ich kann einen Tweet abschicken und erst wenn der durch ist, kann ich neue Tweets empfangen. Oldschool, aber leider gar nicht cool.
Facebook? Guter Witz – frisst Datenvolumen wie sonstwas.
Instagram – dasselbe in grün.

Ich komme mir vor wie unter einer Käseglocke

Ich. Will. Doch. Nur. Ins. Internet!

Der Mann – haha! – kann ja auf der Arbeit ins Netz. Kollegen zum Austausch gibt’s da auch jede Menge. Den juckt das alles nicht so. Im Gegenteil: er versteht gar nicht so richtig, weswegen ich mich so aufrege.
Ich aber hänge hier zuhause und spreche tagein, tagaus in der Regel nur mit der Kassiererin im Supermarkt. Oder mit den Erzieherinnen in der KiTa. Die Kinder zähle ich jetzt mal nicht mit.

Klar kann ich übers Handy telefonieren, aber wer mit einem baldigen Festnetzanschluss rechnet, stockt nicht noch extra teuer auf eine Flat auf, oder?
Inzwischen haben wir zumindest die neue Hardware hier – Hurra! – 2 Tage nach ihrer Ankunft kam der Brief mit den Daten zur Anschaltung: am 22.09. würde ein Techniker kommen und anschalten. Aus der angeblichen 8000er Leitung wurde dann jetzt nur eine 6000er – mehr könne man nicht leisten.

Meine Laune war noch weit unter dem Keller angelangt.

Wie ich heute früh auf Rückruf bzgl. meiner Tweets mit @vodafone24 erfahren habe (allerdings erst nach 4 Tagen und nicht innerhalb von 24 Stunden): es liefe doch alles nach Plan. Wir hätten einfach den alten Anbieter nicht selbst kündigen dürfen. Und der Techniker sei von der Firma mit dem Logo in magenta, die eben die meisten Telfonleitungen besitzen. Da könne man am Termin auch nichts mehr machen. Und weil kein Fehler vorliege und alles seinen normalen Gang gehe, könne man uns auch keinen Surfstick bis dahin anbieten.

Ich gehe also wieder weinen.

Stehe weiterhin an irgendwelchen Fenstern oder auf der Terrasse herum, verplempere Zeit weil das Laden ewig dauert und blogge zwar mit viel Anstrengung, aber auch irgendwie nicht richtig.
Vermisse meine Timeline wie blöde und komme mir vor ein Süchtiger auf Entzug.
Fahre (wie letzten Dienstag auch schon) morgen zu meinen Eltern, um dort das Wichtigste online zu erledigen, was vom Smartphone eben nicht so geht.
Streite mich mit dem Mann weiter über die deswegen liegen bleibende Hausarbeit und darüber, dass er ja (nicht) schuld sei. Es sei für ihn eben so viel zu tun gewesen im Sommer, ja auch selbst in der Elternzeit.

Ich will doch nur Internet und Telefon zuhause. Heul.

(Vorgeschrieben am PC, per USBKabel aufs Smartphone gezogen, aus dem Dokument herauskopiert und in WordPress eingefügt, mühsam mit bereits reduziertem Datenvolumen editiert und vom Gartenmäuerchen aus hochgeladen. Deswegen habe ich heute auch kein Artikelbild für Euch. Sorry)

8 Gedanken zu “Der schiefe Haussegen oder auch: Wie wichtig ist ein Internetzugang im Alltag?”

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