Und noch einmal plus 1

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Es gibt solche Tage, an denen einiges schief läuft und ich sehr oft die Wände hochgehen könnte. Vor allem, wenn alle viel Zeit zuhause verbringen.
Nicht weil die Kinder so viel Scheisselkram anstellen, sondern weil ich oft in Situationen lande in denen ich nicht kann, wie ich gerne würde oder im Nahchinein feststelle, dass mit etwas mehr Ruhe meinerseits das Ganze wohl viel besser geendet hätte.

So zum Beispiel gestern: der Mann geht „nur mal eben kurz“ noch ein paar Würstchen fürs Abendessen kaufen.
Ich bin an diesem Spätnachmittag also plötzlich alleine mit einem unterforderten Tochterkind (KiTa- Ferien), einem überforderten Mini-M (KiTa- Eingewöhnung & zu kurzer Mittagsschlaf) und einer unberechenbaren kleinen June (langer Mittagsschlaf & seit 2 Tagen die Windel nicht mehr richtig voll gemacht).

Irgendwann wurde es den beiden Großen im Spielzimmer mit dem neuen Papphaus dann doch langweilig, der Bub zeigte deutliche Müdigkeitsanzeichen und die kleine June fing auch an zu knöttern.

Papphaus

Mir fiel ein: auf dem Weg nach draussen hatte ich denn Mann noch mit dem Pfandglas klappern hören, seine Rückkehr würde sich also noch etwas hinziehen. Grmph!

Ich selbst hatte auch schon ordentlich Hunger, aber zu viert in der Küche mit dem Essen anfangen geht gar nicht. Kleinkind auf dem Esstisch, ein mithelfen wollendes Tochterkind und ich mit dem Junebug auf dem Arm…. das ist einfach zu viel. Ausserdem könnte das Baby auch schon wieder richtig Hunger haben. „Gut,“  dachte ich mir, „setzt Du dich mit der June oben aufs Hochbett zum Stillen, dann sehen Dich die beiden Großen immerhin und spielen vielleicht noch etwas anderes.“

So sass ich also im Kinderzimmer oben und stillte, als das Tochterkind die WC- Tür nicht mehr zubekam und der kleine Mann lautstark auf Wasserhahn und Flüssigseife lauerte. Wiederholt hörte ich, wie sie versuchte die Tür zu schliessen Pommm!, es aber nicht schaffte weil sich im Sommer sich die Holztüren leider immer etwas verziehen. Sie schob den kleinen Mann wieder von der Tür weg und Pommm! Ich konnte mir ihre Not sehr gut vorstellen, haben wir ihr doch sehr oft gesagt, dass die Tür geschlossen gehört. Der Mittlere beschwerte sich nun immer doller und die Lautstärke nahm weiter zu. Pommm! nächster Versuch – gescheitert. Und nochmal Pommm! wieder nicht zu die Tür.

Ich sass oben und stillend im Kinderzimmer, hätte zu gerne die Situation aufgelöst und das Tochterkind aus ihrer misslichen Lage befreit (sie rief nämlich schon gar nicht nach mir, weil sie wusste dass ich stille). Aber dafür hätte ich die kleine June abdocken und die Türe selber schliessen müssen. Bei der vorhandenen Lautstärke wollte ich mit ihr an der Brust auch nicht in den Flur schreien, denn in den letzten Tagen war es eh etwas zu laut hier gewesen. Mutti- Dilemma hoch drei.

Also zählte ich in meinem Zwiespalt, weil man soll ja langsam bis 10 zählen anstatt zu eskalieren. Pommm! Bei 10 angekommen versuchte ich ruhig weiterzuatmen und erinnerte mich an die Worte meines Mathe- Lehrers in der 5. Klasse: Zahlen sind unendlich, weil man ja immer plus 1 rechnen kann. Pommm! Und so rechnete ich immer wieder noch einmal plus 1, in der Hoffnung, der große Mann würde jeden Augenblick zur Tür hereinkommen.

Plock! Die WC- Tür war zu! Ich atmete auf. Zwar änderte das nichts an der Ausgangssituation (hungrig, übermüdet, unterfordert), aber immerhin war das Junebug nun satt und ich stolz auf mich selbst: ich war nicht (schon wieder) laut geworden. Dem Tochterkind erklärte ich etwas später in Ruhe, dass ich ihre Not bemerkt und auch gerne beigestanden/ geholfen hätte, aber dafür die June abdocken oder das Getöse hätte überschreien müssen, was ich aber beides nicht wollte. Ganz bewusst sagte ich nicht „Ich habe gestillt und konnte nicht“ und hoffe auch, dass sie es richtig verstanden hat.

Und für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, einfach öfter an meinen ehemaligen Mathe- Lehrer und an „noch einmal plus 1“ zu denken – auch wenn um mich herum das Chaos tobt.

Ohmmm :)

Das Tochterkind ist 4Y | 10M | 1W | 0D alt
Das MiniM ist 1Y | 8M | 2W | 2D alt
Das Junebug ist 0Y | 2M | 0W | 5D alt

 

5 Gedanken zu „Und noch einmal plus 1

  1. OMG, ich habe „nur“ zwei Kinder aber ich kenne das Gefühl und solche Situationen.
    Deine Lösung für das alles find ich ziemlich gut. Super gemacht, Super-Mutti <3

  2. By the way: Was wurde eigentlich aus deiner Sommerpause? (Wir sind schon mitten in den ersten beiden Augustwochen)

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