Gastartikel von McMaren: Privatsphäre

McMaren – ebenfalls eine bloggende Mutter mit einem Sohn im Alter von meinem Bub – schreibt herrlich herzerfrischend und ohne viel Tüdeldü über Alltägliches und ab und zu auch über Besonderes. Dabei bleibt sie lieber im kleinen Kreis und allein schon der Untertitel: „Wahrscheinlich liest nicht mal die NSA meinen Blog. Und das ist völlig in Ordnung.“ zeugt von ihrer falschen Blog- Bescheidenheit. Denn zumindest mich amüsieren ihre Texte köstlich!
Also nun zu ihre Beitrag  für meine Gastartikelreihe –
Popcorn besorgt, Vorhang auf und viel Spaß!

Privatsphäre

Was hat es eigentlich mit dieser „Privatsphäre“ zu tun, von der man immer mal wieder liest? Leider kann ich mich da nur noch dunkel dran erinnern. Seit anderthalb Jahren bin ich Mutter eines fantastischen kleinen Jungen, den ich über alles liebe. Schrittweise ging mit ihm aber auch meine Privatsphäre flöten.

Ich erzähle zuvor eine kurze Anekdote von vor der Schwangerschaft. Im Büro fragte mich eine Kollegin vor dem Beginn eines Team-Meetings beiläufig, ob mir immer noch so schlecht wäre und ich bejahte. Das bezog sich aber auf mein Sodbrennen, dass ich wegen der neu eingestellten Kaffeemaschine hatte. Eine andere Kollegin fragte mich daraufhin sofort vor versammelter Mannschaft „Naaaaaaaa, ist da vielleicht wer schwanger?“ *zwinker, zwinker* und ich stutzte und sagte „Äh…… Nein?!“. Daraufhin grinste sie blöd und ließ „Bist du dir da denn auch GANZ sicher?“ *zwinker-nochmal-demonstrativer* verlauten. Daraufhin erwiderte ich: „Ja, sogar sehr, ich habe nämlich gerade meine Tage.“.

Bääääämm! Manchmal bin ich ja doch echt schlagfertig und gebe auch solche Antworten. Da war Ruhe im Karton und ihr war das sichtlich peinlich. Geschah ihr recht. Also echt, was soll denn sowas? Wäre ich schwanger gewesen, hätte sie da wirklich gedacht, ich hätte „Ach ja, stimmt!“ geantwortet? Pffft.

Sowas wie „Privatsphäre“ kennen manche einfach nicht. Mit der offiziellen Bekanntgabe der Schwangerschaft wurde es aber noch ganz anders. Eine Kollegin, mit der ich normalerweise nicht mehr als zwei, drei oberflächliche Sätze privater Natur wechselte, sagte, sie hätte ja gehört, ich wäre schwanger und fragte mich direkt als erstes (!), ob ich denn natürlich oder per Kaiserschnitt gebären wolle. Äh? Ja, also, ähm, puh. Hätte es eine allgemeinere Frage nicht vielleicht auch erstmal getan?

Gesteigert wurde das dann durch eine Kollegin, die mich (ebenfalls vor anderen im Großraumbüro und über zwei Köpfe hinweg) aus heiterem Himmel fragte, ob ich mir denn nun mittlerweile endlich (!) mal ins Höschen gepieselt hätte? Ihre Freundin hätte erzählt, dass JEDER Schwangeren das MINDESTENS ein Mal passieren würde und da wäre sie doch so neugierig. Ich glotze sie an und überlegte, wie ich nun höflich antworten sollte, als mir ein Kollege (ja, ein Mann!) hilfreich zur Seite sprang und die Gegenfrage „Also wenn es ihr so gehen würde, würde sie das doch bestimmt nicht hier vor allen erzählen, oder?“ stellte.

Man muss wissen, dass ich ein wirklich offener und mitteilungsbedürftiger Mensch bin, aber, nun ja, irgendwo hat das dann auch mal Grenzen. Und die war bei dieser öffentlich gestellten Frage einer Person, mit der ich nun wirklich kein besonders enges Verhältnis habe, definitiv erreicht.

Die Steigerung der Fragerei war dann, dass kurz vor der Geburt gefühlt jeder (tatsächlich waren es insgesamt drei Personen) meine Muttermund fühlen durften. Für diejenigen, die noch kein Kind haben: Man muss da reingreifen, wo das Baby hereinkam und es auch normalerweise wieder herauskommt. Und zwar ziemlich tief. Glücklicherweise hatte ich meine Scham vor Nacktheit und so weiter in der Schwangerschaft schrittweise abgelegt, so dass mir das recht egal war.

Schlimmer fand ich es aber, als mich Hebamme und Frauenarzt gegen Ende des Wochenbetts unabhängig voneinander fragten, wie wir uns das denn nun mit der Verhütung vorgestellt hatten und sich auch mit einer eher ausweichenden Antwort nicht zufrieden gaben. Ich meine, ja, ich finde das gut, wenn man die hormonell völlig unausgeglichenen, frisch gebackenen Mütter mit akuter Baby-Demenz darauf aufmerksam macht, dass sie schnell wieder empfängnisbereit sind, aber… So vehement? Ich war 33, als mein Baby geboren wurde und ich habe bis zum konkreten Kinderwunsch immer gut verhütet. Anscheinend auch mit Erfolg. Schließlich bin ich keine mehrfache Teenie-Mutter mit fragwürdigen Lebensumständen. Dass ich da innerhalb einer Woche gleich zwei Mal so ins Gebet genommen wurde und im Anschluss meine Wahl des Verhütungsmittels angezweifelt wurde, fand ich unangemessen. So sehr ich ansonsten mit Arzt und Hebamme zufrieden war. Das geht die doch beide gar nichts an.

Seit der Kleine auf der Welt ist und sich fortbewegen kann, möchte er gerne mit aufs Klo gehen. Eine lange Zeit funktionierte das prima. Irgendwann beschloss er allerdings, dass er so lange nicht hinter geschlossenen Türen bleiben möchte. Gerade wenn es mal länger dauert. Wenn ihr versteht. Und um des lieben Friedens willen lasse ich die Tür dann geöffnet. So wenig, wie möglich, aber das hat der Kleine noch nicht ganz verstanden. Ich hatte mit mir selbst vereinbart, dass ich das nur zulasse, wenn wir beiden alleine zuhause sind. Inzwischen ist dieses Vorhaben aber schon passé und wenn mein Mann zuhause ist, bleibt die Türe eben auch geöffnet. Manchmal nur einen Spalt breit. Manchmal eben sperrangelweit. Ich fand sowas immer schrecklich, aber man gewöhnt sich an alles. Und wenn die Alternative ein nöliges Kind ist, dann nehme ich das in Kauf. Es sei denn, es ist Besuch da. Dann bleibt die Türe zu und daran werde ich auch definitiv nichts ändern.

Privatsphäre?
Privatsphäre?

Spätestens, wenn der Kleine gut sprechen kann, ist meine Privatsphäre eh Geschichte. Da bin ich realistisch. Als ich vor Jahren mal auf einer öffentlichen Toilette war, hörte ich, wie in einer anderen Kabine ein Kind und seine Mutter herumwuselten. Das Gespräch lief ungefähr so: „Mama, ich bin aber doch fertig, warum kann ich nicht raus?“. „Weil ich auch mal aufs Klo muss.“. Nach einer kurzen Weile rief das Kind empört: „Mama, du hast aber nicht gesagt, dass du auch ne Wurst machst!“.

Tja.

Da ist es um meine Privatsphäre bisher doch eigentlich noch ganz gut bestellt. ;)

Wer noch mehr von McMaren lesen möchte, dem sei mein persönlicher Lieblingsartikel  wärmstens an Herz gelegt: Berufswunsch Wegwerf-Windel-Beraterin©  Wirklich ganz großes Kino! Und bloss nicht die Outtakes (=Kommentare) verpassen ;)

17 Gedanken zu “Gastartikel von McMaren: Privatsphäre”

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