Stillen – ein kleines Tagebuch (Woche 1 bis 3)

Wie war das denn nochmal mit dem Stillstart, dem Milcheinschuss und der ersten Zeit mit einem Stillbaby?

Nachdem ich das erste Kind nur mit Stillhütchen stillen konnte, klappte es beim zweiten Kind auch ohne hervorragend.
Wie würde es nun beim dritten werden? Eigentlich dachte ich: „Ach, zwei Babys gestillt, alles easy!“, aber dann hat es mich doch wieder etwas aus den Puschen gehauen!

Hier (m)ein kleiner Erfahrungsbericht der ersten Zeit:

Woche 1:
Das Junebug kam am 01.06. mit 3.910g und 55cm im Geburtshaus zur Welt. Direkt nach der Geburt kann sie sich schon festsaugen wie ein kleiner Blutegel und möchte andauernd trinken – ich lege so oft an, wie sie möchte.
Ich selbst habe auch ständig Durst und kippe noch mehr Wasser als sonst in mich hinein.
Durch das häufige Anlegen wird die Milchbildung richtig gut angeregt, so dass sich mein Kind schon 48 Stunden nach der Geburt das 1. Mal ins Stillkoma trinken kann.
Weiterhin verändert sich ihr Windelinhalt binnen 5 Tage von dunklem Kindspech zu orange-gelbem Milchstuhl: ein weiters Indiz, dass die Milch gut anläuft.
Ich „bezahle“ dies mit einem (mal wieder) sehr heftigen Milcheinschuss beginnend 36h nach Entbindung:
mit zwei ganz schlimmen Tagen und vor allem Nächten inklusive Grippe- Gefühl, mit prall gespannter Oberweite, mit jeder Menge nasser Shirts und wegen ungewohnt starker Beanspruchung wundgestillter Warzen, die zwei Tage auch ein klein wenig blutig waren.
Die überaus wichtigen, aber eben auch schmerzhaften Nachwehen wurden durch das viele Anlegen auch oft ausgelöst.
Ich bin froh, nach der Rückkehr aus dem Geburtshaus beim Beziehen der Betten zwischen meiner Matratze und dem Bettlaken ein grosses Handtuch eingelegt zu haben – sollten Milch oder die Binde auslaufen…
Zeitweise fühlte ich mich wie ein körperlicher Totalschaden. Es schien mal wieder kein Ende in Sicht… Dazu kam noch die Sorge wegen des zu schwachen Wochenflusses und der übliche Hormonabfall alias Baby-Blues. Alles zusammen eine sehr unangenehme Mischung, die ich so oder so ähnlich bei allen Kindern durchlebte, aber immer wieder vergessen hatte, so dass sie mich jedes Mal auf Neue überraschen konnte.
Was aber alles entschädigt: dieses unbeschreibliche Gefühl, das eigene Kind ernähren zu können.
Ihm alles geben zu können, was es braucht.
Dabei zuzusehen, wie aus hektischem Suchen zuerst ein entspanntes Trinken und dann ein tiefer Schlaf wird.
Wun- der- schön!
Bei der U2 mit 5 Tagen wird das Junebug mit 3760g gewogen.

Milchmädchen
Mein Milchmädchen ♥

Gegen die Nebenwirkungen des Milcheinschusses trage ich mehrfach Salbe auf (pflegende für die Warzen nach jedem Stillen, entzündungshemmende auf die roten Stellen der Brust 2-3 mal täglich) und mache Quarkpackungen. Ich selbst trinke verteilt über 2 Tage insgesamt 3 1/2 Tassen Salbeitee und lasse das Kind trinken, trinken und nochmals trinken.
Dazu Ruhe, soviel wie geht.

Woche 2:
Mir geht es wesentlich besser!
Anfangs stundenweise, Ende der Woche auch schon tageweise trage ich Still- BH.
Wir stillen immer noch nach Bedarf. Manchmal stündlich, nachts auch mal nur alle 3 bis 4 Stunden.
Immer öfter merke ich, wie der Milchspendereflex ausgelöst wird.
Beim Duschen und Abtrocknen tropfe ich alles voll.
An zwei Tagen habe ich – gegen Abend zunehmend – nochmal dieses Grippe- Gefühl, wobei mir vor allem die Glieder weh tun. An den Tagen vorher war es wohl jeweils etwas viel gewesen.
Zwar ungern, aber leider nicht unvermeidbar stille ich am Essenstisch oder esse ich beim Stillen auf dem Sofa.
Ich verteile überall Spucktücher, um immer eines griffbereit zu haben.
Die Warzen sind gut verheilt, das Stillen hat sich routiniert eingespielt.
Direkt nach dem Anlegen merke ich immer wieder die Macht der Hormone: ich werde gaaaanz relaxt und die Augen fallen mir fast zu.
Mit 1 Woche und 2 Tagen hat das Junebug mit etwas über 3900g das Geburtsgewicht wieder erreicht.
Mit 1 Woche und 5 Tagen wiegt das Junebug ca. 4050g.
Ab und zu reiche ich statt Stillen den Schnuller, weil noch mehr Milch zum besseren Windelvollmachen gerne wieder unangenehm oben herauskommt.
Nachts wird nach dem Stillen alle 3 Stunden meist wieder schnell weiter geschlafen.

Stillzeit
Stille Zeit – Stillzeit

Woche 3:
Stillen läuft richtig gut! Mir hat man auch nicht mehr jedes Mal jemand den Stecker rausgezogen, wenn ich das Junebug anlege.
Das Volumen der Milchbar hat sich weiterhin etwas verringert. Ich merke so langsam, welche Seite zuletzt dran war und welche als nächste dran sein sollte.
Dennoch sind die blauen Adern noch gut sichtbar. Den Milchspendereflex spüre ich bei jedem Stillen deutlich und leider auch recht schmerzhaft. Das Junebug verschluckt sich nach seinem Auslösen regelmäßig, auch wenn es die Milch ohne Saugen nur laufen lässt. Auch die zweite Seite tropft dann immer noch etwas mit, aber wesentlich weniger.
Die Vertretungshebamme meint ich hätte nach wie vor viel zu viel Milch, mit der ich locker Zwillinge versorgen könne. Vor allem die immer noch sichtbaren blauen Adern sollten mal verschwinden. Ein Tasse Salbeitee und ggf noch eine mehr müssten helfen, damit ich auch bald nach dem Stillen dieses Gefühl von „leergetrunken“ habe. Weiterhin soll ich mehr auf mich und meine Energiezufuhr acht geben und gute Nahrungsergänzungsmittel einwerfen.
Die Waage zeigt mit 2 Wochen und 5 Tagen ca. 4280g – da hat das Junebug fantastisch zugenommen!
Ende dieser Seite Woche sind wir auf einer Hochzeit eingeladen und ich stille auf der Feier das ansonsten sehr friedlich schlafende Junebug ohne Unfälle auf der Terrasse zwischen den anderen Gästen, unter denen sich aber auch sehr viele Familien mit kleinen Kindern befinden.
Positiv fand ich die Reaktionen der Bedienungen, die bei Getränkebestellungen während des Stillens durchweg sehr freundlich und zuvorkommend waren. Ich war überrascht, wie schnell sich auch beim Stillen in der Öffentlichkeit meine Routine wieder einstellte…


Die Fortsetzung meines Stilltagebuchs (Woche 4 bis 6) kannst Du >>>hier<<< nachlesen



 

9 Gedanken zu “Stillen – ein kleines Tagebuch (Woche 1 bis 3)”

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