“Was sich durch Schwangerschaft und Kinder veränderte” – Teil 5: Altersabstand bzw. schnelle Schwangerschaftsfolge

In der Schwangerschaft ist man nicht nur per Gesetz geschützt (vor allem durch das MuSchuG), nein auch durch die Gesellschaft bekommt man als Schwangere oft einen gewissen Sonderstatus. Es wird in der Öffentlichkeit Rücksicht genommen, ein Sitzplatz angeboten, die schwere Einkaufstasche getragen – oder sollte zumindest so sein. Fremde Frauen lächeln einen freundlich an und fragen, was es denn wird und wann es so weit sei und je nach Jahreszeit und Sichtbarkeit des Bauches wird reger Anteil an der Schwangerschaft genommen.

Diese Gefühle hatte ich zumindest damals bei meiner ersten Schwangerschaft mit dem Tochterkind. Im Büro betrat ich zwar als allererste Schwangere überhaupt ziemliches Neuland, aber auch das gab sich schnell. Ich gab meinem Hormonrausch voll und ganz nach und las alles, was mit Schwangerschaft zu tun hat, sei es Zeitschrift, Broschüre oder im Internet. Der Nestbautrieb hatte mich irgendwann ebenfalls voll im Griff und liess mich alles für den kleinen Erdenbürger vorbereiten und im Mutterschutz die Wohnung auf Vordermann bringen. Ich genoss den Geburtsvorbereitungskurs und traf mich mit den Mädels auch danach einmal die Woche zum Frühstück – nach und nach dann auch mit kleinem Zuwachs. Ich ging zum Yoga für Schwangere, später zur Rückbildung und Yoga nach der Geburt und auch einmal die Woche mit meiner Tochter zum Pekip.

Beim zweiten Kind (dem Mini-M) war ich auch wieder Vollzeit arbeiten, aber es war irgendwie alles nicht mehr ganz so besonders – Kolleginnen hatten inzwischen auch Kinder bekommen und das allgemeine Interesse hatte aus meiner Sicht viel damit zu tun, ob mich denn irgendwelche Komplikationen in meiner Arbeit behindern würden. Ich war gestresst durch den inzwischen wesentlich längeren Anfahrtsweg und heilfroh, den Sommer über auf ärztliche Anweisung hin nur noch Teilzeit arbeiten zu dürfen. Was ich an Schwangerschafts- Erfahrung bereits mitbrachte fehlte zwar dem Doppel-M, aber die Schwangerschaft selbst trat oft in den Hintergrund: das Tochterkind wollte versorgt sein, der Umzug war zu bewältigen, ich lebte eine zeitlang mit ihr deswegen sogar bei meinen Eltern. Für einen – evt. sogar einen gemeinsamen – Geburtsvorbereitungskurs fehlten Zeit und Babysitter, ebenso für mein geliebtes Schwangerschaftsyoga. Stattdessen war die neue Wohnung zu streichen, Möbel auseinander- und wieder zusammenzubauen, Kartons über Kisten zu verräumen und das übliche putzen, putzen, putzen. Schlussendlich war ich zufrieden mit unserem Nest und auch die Geburt im Geburtshaus fand so statt, wie zuerst ich und dann auch wir es uns vorgestellt hatten. Wir groovten uns zu Viert eigentlich ganz gut ein, auch wenn die ersten 3 Baby- Monate mit Koliken zwar nicht ganz so einfach, aber auch irgendwann überstanden waren. Der Rückbildungskurs war für mich wieder obligatorisch und statt Pekip meldete ich mich mit dem kleinen Mann für die Babymassage an – was uns beiden auch wirklich gut gefiel. Aber neue Kontakte so wie damals bei der Tochter? Wenig bzw. inzwischen auch eingeschlafen. Untergegangen im Alltagschaos und im Bestreben, auch den Bedürfnissen der Tochter (KiTa- Freundinnen) bzw. allen weitverzweigten Familien bzw. den ganzen Feiertagen terminlich gerecht zu werden (irgendeiner feiert hier immer Geburtstag und dann sind da ja auch noch die Umgangswochenenden).

Jetzt beim dritten Baby habe ich eher das Gefühl, dass diese letzte Schwangerschaft fast komplett zuhause abläuft. Gut, etwas wird der überwiegend winterlichen Jahreszeit geschuldet sein. Dennoch bin ich inzwischen viel weniger unter Menschen meines Alters, sondern habe stattdessen die Kinder wegzubringen/ abzuholen, bin im Haushalt beschäftigt oder einkaufen. Dabei muss ich mich manchmal regelrecht verteidigen, dass ich dies und jenes jetzt wirklich nicht mehr schaffe bzw. schon längst nicht mehr hätte machen sollen und dass es jetzt wirklich nicht mehr machbar ist für mich, ein schlechtes Gewissen immer gratis obendrauf. Sonderstatus wie im ersten Absatz? Fehlanzeige. Ging ich früher – geschminkt, nett angezogen und meinen Bauch stolz vor mir hertragend – ins Büro,  frage ich mich heute beim morgendlichen Griff nach den Anziehsachen: „Wieviele Flecken/Sabber/Schnodder/Essensreste sind da wohl schon drauf? Geht das nochmal?“ und unterziehe die üblichen Stellen einer genaueren Betrachtung. Alles unter 3 Flecken geht noch mal – es wird ja sowieso alles wieder im Handumdrehen schmutzig. Manchmal beneide ich die KiTa- Mütter, die ihr Kind morgens schnell abgeben und dann weiter ins Büro fahren: Kollegen! Erwachsene Menschen! Telefonate, die nicht 5tausend Mal unterbrochen werden! Ein Mittagssnack in Ruhe und ohne den umkippenden Saftbecher der Tochter rechtzeitig auffangen und noch nebenbei den Sohn füttern zu müssen! Einen Hin- und Rückweg, währenddessen ich tun und lassen kann was ich will (Lesen, telefonieren oder einfach nur tagträumen). Gut, wenn ich arbeiten würde wäre wohl zuhause sein eine himmlische Vorstellung für mich und gerade am Anfang mit der Übelkeit war ich heilfroh drum, aber man will ja immer das haben, was man gerade nicht hat, oder? Immerhin einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich geschafft – mühsam freigeschaufelte Stunden, nur für mich und das Bauchbaby und leider viel zu schnell vorbei.

Momentan vermisse ich noch so einiges bzw. hatte es mir dann doch anders vorgestellt:

  • Die körperliche Belastung empfinde ich diesmal um vieles höher. Ein Laufanfänger ist mit noch nichtmals 1 1/2 Jahren ständig in Action – leider darf man deswegen ständig hinterher. Spielplatz fällt dadurch z.B. auch flach – einfach weil ich andauernd aufpassen und dabei stehen muss. Stets rennt er davon und bringt sich in Gefahr, in dem er zu nah an die Schaukeln kommt oder die Wippe untersuchen will. Einfache Unternehmungen werden zum Kraftakt und so langsam aber sicher beschränkt sich mein persönlicher Bewegungsradius mit Kind/-ern enorm. Allein unterwegs muss ich gut mit meinen Kräften haushalten, weil gewisse Dinge anschließend zuhause immer noch erledigt werden müssen (Abendessen, Bett bringen etc.)
  • Soooo gerne hätte ich den kleinen Mann getragen – zumal ihm auch jetzt bestimmt die Manduca auf dem Rücken Spass gemacht hätte. Aber die Gewichts- Belastung ist mir einfach zu gross und bequem ist auch anders. Bis auf die ersten Monate wurde er also sehr wenig getragen – so schade!
  • Meine Große hat mit ihren damals fast 3 Jahren schon richtig Anteil an meinem wachsenden Bauch und später auch bei der Versorgung des Babys genommen. Sie konnte mir helfen indem sie z.B. Sachen vom Boden aufhebt, ich konnte ihr einiges erklären wenn ich mal nicht so konnte wie eigentlich sonst und auch, dass sich das wieder ändern wird. Der kleine Mann dagegen würde mich wohl immer noch als Boxsack und Klettergerüst benutzen, wenn ich ihn ließe. Er läuft zwar, versteht aber leider nicht wenn ich ihn bitte zu mir kommen. Erst allmählich stellt er Zusammenhänge her wie z.B. Schuhe anziehen – es geht raus. Dennoch muss ich ihn noch viel zu oft tragen und auch aus seinem Gitterbett heben.
  • Ein Kleinkind nimmt keine Rücksicht auf Zeiten, in denen es mir nicht so geht oder ich mich ausruhen sollte. Selbst Bilderbücher anschauen oder puzzeln ist noch zu früh für ihn – nach 2 Minuten muss er wieder rumwuseln. Bei einem älteren Kind kann man sich da wesentlich besser ausruhen – und wenn ich mit dem Tochterkind zusammen Biene Maja geschaut habe. Immerhin lag ich in dieser Zeit auf dem Sofa.
  • Nächtliche Unterbrechungen sind bei einem Kleinkind leider auch häufig an der Tagesordnung. Auch wenn es keine Garantie dafür gibt dass ein älteres Kind durchschläft, so ist eine ruhige Nacht aber viel wahrscheinlicher. Mit richtig dickem Bauch und in den letzten Wochen kämpft man eh oft mit Ein- und Durchschlafproblemen, da sind weitere Unterbrechungen nicht so toll :(

Ich hoffe doch, dass sich später die Vorteile eines geringen Geschwisterabstandes als überwiegend herausstellen und werde garantiert auf diesen Beitrag noch einmal zurückkommen. Dann werde ich richtig vergleichen können. Momentan würde ich aber einen solch geringen Abstand nicht noch einmal anstreben.

Das Tochterkind ist 4Y | 6M | 0W | 3D alt / Das Mini-M ist 1Y | 4M | 1W | 5D alt / Ich bin 31+4 Wochen schwanger

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Und hier noch die anderen Themen meiner Reihe “Was sich durch Schwangerschaft und Kinder veränderte”:

  1. Teil: Zerstören Kinder unsere Freundschaft?
  2. Teil: Mein Zeitgefühl
  3. Teil: Chaosmanagement
  4. Teil: Gelassener schwanger sein
  5. Teil: Altersabstand bzw. schnelle Schwangerschaftsfolge
  6. Teil: Kleidungsstil als (werdende) Mama
  7. Teil: Meine Tips und Tricks bzgl. Kinderkleidung
  8. Teil: Tragetuch und Tragehilfe

 

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