Trotz (oder gerade weil) – 4 1/2 Jahre Tochterkind

Wann fing es eigentlich an?
Ich glaube, vor ein paar Wochen.
Zuerst waren da wohl die nächtlichen Unterbrechungen „Mama, ich kann nicht wieder einschlafen“ Das ließ mich schon auf größere Umbauten in ihrem Köpfchen schließen.
Dann kamen die ersten, vereinzelten Austicker tagsüber dazu.
Seit Kurzem aber vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht mindestens einen Ausraster bekommt – Auslöser sind Kleinigkeiten: sie bekommt die Knöpfe an der Strickjacke nicht zu, sie will sich nicht die Schuhe anziehen, sie will unbedingt doch noch die 2. Folge der Zeichentrickserie schauen, obwohl wir es kurz vorher anders verabredet hatten oder wir gehen vom Spielplatz nach hause und sie will bleiben. Wenn sie ausflippt, erinnert mich das immer ein bisschen an das H*B- Männchen: sie hüpft auf durchgestreckten Beinen und stampft mit den Füssen auf. Dazu ein verzerrtes Gesicht und oft Wutgeschrei – voila! Fertig ist der kleine mittelschwere Trotzanfall.

Anfangs war ich wirklich erschrocken, ob ich sie aus ihrer Rage wieder herausbekomme. Inzwischen wissen wir beide dass ich ihr gerne helfe, wenn sie sich wieder beruhigt hat. Sie selber würde ja auch nicht gerne angemotzt werden, oder? Also warte ich oft einfach nur ab und lasse sie den Druck abbauen und bin anschließend für sie und ihr Problem da. Sollte sie jedoch mit Sachen um sich werfen oder so laut sein, dass die Nachbarn wer weiß was denken, oder etwas einfach nicht verhandelbar sein (gefährlich, Familienregel etc), dann bekommt sie ihre Grenzen eindeutig gezeigt.
Aber auch da ist die Wut meist nach kurzer Zeit verraucht und sie selbst weiss später oft gar nicht mehr, was da eben passierte. Dennoch keine angenehmen Minuten – für alle hier zuhause.

Gestern abend dachte ich eigentlich, es wäre alles wieder gut (sie wollte unbedingt einen neuen Schlafanzug anziehen, aber der alte war noch ziemlich frisch), da finde ich auf dem Badezimmerfussboden 2 ausgerisse Haarbüschel. Sie meinte lapidar „Ach Mama, das sind nicht Omas Haare, das sind meine. Ich war doch soo wütend!“ Da musste ich dann doch etwas schlucken.
So kenne ich mein kleines Mädchen eigentlich gar nicht…

Im ersten Augenblick fällt es mir bei so einem Ausraster oft schwer, nicht einfach zurückzuschreien (meine eigenen Hormone), weil es so unnötig erscheint derart auszuflippen.
Früher ging es doch auch sehr gut ohne Theater?!
Und das Haare rupfen als Blitzableiter – geht das allein wieder weg?!

In der KiTa erzählte man mir letzten Monat im Elterngespräch, das Tochterkind habe sich so wunderbar entwickelt. Es sei so schön ihr dabei zuzusehen, wie sie sich immer mehr aus ihrem Schneckenhaus heraustraue und inzwischen auch mal selbst Impulse gebe, anstatt oft nur auf welche zu reagieren bzw. aus sicherer Position zuzusehen.
So sucht sie sich jetzt öfter ihre Spielkameradinnen selbst aus und sagt auch mal „Nein – mit dir spiele ich jetzt nicht“. Sie braucht zwar immer noch ihren sicheren Hafen (Rituale, Beständigkeiten), ist aber wesentlich mutiger und offener geworden:
Anfang des Jahres überraschte sie mich, als sie sich wirklich traute beim schwedischen Möbelhaus in der Kinderbetreuung zu bleiben. Alleine! So oft hatte sie vorher an den großen Scheiben gestanden und sehnsüchtig das Spieleparadies betrachtet, sich dann aber nie hinein getraut.
Und auf einmal stand sie auf der einen und ich auf der anderen Seite und wir winkten uns zum Abschied lachend und kusshandwerfend zu! Sie wusste, sie kann sich an eine der „Erzieherinnen“ wenden und diese würde mich anrufen, damit ich komme. Ich sass also kurze Zeit später ein wenig aufgeregt oben im Restaurant bei Kaffee und Kuchen und wartete nur auf Anruf/ Durchsage, aber nichts geschah! Eine Stunde später holte ich sie wieder fröhlich ab und ihren Namensaufkleber hat sie anschließend stolz hier zuhause an ihren Kleiderschrank gepappt.
Keine 2 Wochen später hatten wir wieder eine ähnlich Situation beim Bloggertreffen, wo ich sie genauso problemlos bei der Kinderbetreuung lassen konnte (zwischendurch kam ich sie natürlich mal besuchen) – die ganze Rückfahrt erzählte sie immer noch aufgeregt von den tollen Stunden im Duplo- Paradies!

Wie schon erwähnt: Umbauarbeiten in ihrem Kopf.
Mehr Ich und mehr Ich alleine
aber auf ganzer Linie!

2014-03-29

Im Umgang mit ihrem Bruder ist sie nach wie vor sehr liebevoll, auch wenn sie manchmal ein klein wenig übertreibt. Dann will sie ihm unbedingt dies und jenes geben oder ihn hochheben oder zur Seite schieben und wir müssen ihr immer wieder aufs Neue erklären, dass der kleine Mann inzwischen selbst ganz gut alleine entscheiden kann.
Aber alles in allem ist sie eine wunderbare große Schwester, die sich total auf ihr neues Geschwisterchen freut. Überhaupt keine Spur von Eifersucht oder Ablehnung – für sie ist es ganz normal, dass hier bald noch ein Baby einzieht.
Sie schlug selber vor, abends wieder meinen Bauch einzucremen und seitdem darf sie sich aussuchen, ob sie als Bettgeh- Ritual von mir eine Geschichte vorgelesen bekommt oder eben meine Babykugel einölt. Dabei erklärt sie mir dann immer fachmännisch, wo den jetzt der Kopf und wo der Po vom Baby sind ;)

Sie liebt Verkleiden (am liebsten als Prinzessin), erkennt immer mehr Buchstaben und sobald eines ihrer Lieblingslieder im Radio kommt, müssen wir laut aufdrehen.
Sie turnt uns hier zuhause ständig Ballett- und Yoga- Figuren vor und ich muss mich bald wirklich mal um einen Kurs für sie bemühen, um ihren Bewegungsdrang etwas zu fördern.
Sie hilft mir immer noch gerne beim Backen und Kochen und ist ganz stolz darauf, dass sie nun mit dem scharfen Messer Tomaten und Gurken für den Salat schneiden darf.

20 Kilo auf 112cm – mein kleines großes Mädchen! Von den Hosen sind jetzt viele zu kurz und zu eng geworden, die 116 sollte es da schon sein. Obenrum darf’s auch gerne noch eine Größe mehr sein, nämlich 122. Schuhe müssen Größe 30 haben.

Ihre Haare haben sich verändert. Die Korkenzieherlocken haben sich ausgehangen; allenfalls um ihr Gesicht herum und unten kringelt es sich noch etwas, bei Feuchtigkeit etwas mehr. Die Haare selbst sind fester und dicker geworden. Meine Ma meinte letztens, dass es definitiv keine Babyhaare mehr seien.

Nach dem Sommer wird sie schon ein Vorschulkind sein!

4 Gedanken zu “Trotz (oder gerade weil) – 4 1/2 Jahre Tochterkind”

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