Stroh- Muttersein

Das Tochterkind ist nun seit einer knappen Woche im großen Papa- Urlaub! Ein Urlaub, auf den sie von der Papa-Seite an den Umgangswochenenden teilweise richtig heiß gemacht wurde und ich oft nur dachte: „Bitte lass nichts dazwischenkommen… wenn jetzt noch etwas passiert und der Urlaub fällt aus, dann wird sie soooo maßlos enttäuscht sein!“ Sie sprach vom Strand und vom Meer, von den Wellen und dem großen Flugzeug, welches sie hinbringen würde. Ich versuchte, den Ball flach zu halten und sie nicht noch mehr anzustacheln. Zum Glück kenne ich das Reiseziel (zwar aus früheren Urlauben mit dem Papa zusammen, aber das ist nunmal so), die Oma ist schon etwas länger vor Ort und ich weiß, dass es ihr dort richtig gut gehen wird. Er braucht für die Ausreise ins Ausland mit dem Flugzeug stets ein Dokument, welches meine Einwilligung beweist (geteiltes Sorgerecht und das Tochterkind & ich haben einen anderen Nachnamen als der Papa) und damit habe ich gleichzeitig etwas in der Hand, falls… aber den Gedanken versuche ich immer weitmöglich wegzuschieben.

Und dann kam der Tag, als ich sie endlich, endlich zum Papa brachte – mit etwas viel mehr Gepäck als sonst. Mit den ganzen Kleidchen und T-Shirts, den kurzen Hosen und den FlipFlops. Diese Wechsel- Tage vor längeren Aufenthalten sind für mich immer noch mehr Zwiespalt als bei sonstigen Umgangswochenenden: einerseits bin ich traurig, mein kleines Lockenmonster für so lange Zeit abzugeben, andererseits freue ich mich immer schon sehr auf die Ruhe und die Zeit, endlich ein paar Sachen erledigt zu bekommen. Die Übergabe verlief unkomplizert, das Tochterkind freute sich endlich beim Papa zu sein und umarmte mich zum Abschied nochmal richtig feste.

Mein Unterbewusstsein braucht gar nicht so lange, um auf Stroh- Mutterdasein umzuschalten (Übung? wer weiß?) und wir genießen momentan die Zeit zu dritt und dieses Hineinleben in den Tag sehr. Wir machen Ausflüge, die mit zwei Kindern wesentlich stressiger geworden wären, die Essensfrage lässt sich (ohne Rücksicht auf ein wählerisches KiTa- Kind nehmen zu müssen) momentan auch immer sehr leicht beantworten, wir sind frei von zeitlichen Vorgaben, die der Alltag sonst so mit sich bringt (Kochen ab 17:30h und Essen ab ca. 18h, damit um 18:50h der Sandmann geschaut werden kann und das TK anschließend bettfertig gemacht wird) usw und so fort.

Doch dann sind da die Momente, wo ich z.B. beim Zwiebelschneiden ihre Stimme im Ohr habe: „Mama, hast Du jetzt Zwiebelaugen?“ Wo ich an ihrer Zimmertür vorbeigehe, die seit Tagen geschlossen ist und fast erwarte, dass sie gleich von innen geöffnet wird. Der Joghurt im Kühlschrank wird auch nicht weniger und beim Vernaschen der Wassermelone aus der Biokiste hätte sie bestimmt großen Spaß gehabt.

Ich war in der Stadt unterwegs, als plötzlich mein Telefon klingelte:  „Hallo Mama!“

Und wie sie erzählte vom Urlaub! Als wäre sie nicht fast 4, sondern schon fast 6 Jahre alt. Ich konnte fast diese sonnenscheinwarme Kinderhaut riechen, ihre widerspenstigen, leicht verschwitzten Haare an meiner Wange spüren, die klebrigen kleinen Hände an meinem Hals und hatte nach dem Auflegen einen richtigen Kloß im Hals. Aber das Wichtigste: es geht ihr gut! Sie fühlt sich wohl und hat Spaß über alle vier Backen. Und in diesem Augenblick ging es mir auch sehr gut.

Auch wenn sie nach ihrer Rückkehr wahrscheinlich erst einmal kein anderes Gesprächsthema haben wird, bin ich sehr froh, dass sie so etwas Tolles erleben durfte.

Eine Woche sind sie noch im Süden und im Anschluss bleibt sie noch ein paar Tage bei Papa. Auch wenn ich sie zwischendurch schräääcklich vermisse –  die Zeit bis dahin wird noch schneller herumgehen als diese erste Woche.
Ganz bestimmt!

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